Schnittstelle

S/PRI 4.0: Glasfaser-Anschlusswechsel sollen schneller gehen

Die Netzbetreiber haben eine neue Schnittstelle entwickelt, mit der die Bereitstellung von Glasfaser-Anschlüssen für Mitbewerber einfach werden soll. An S/PRI haben viele Anbieter und Lobbyisten mitgearbeitet.
AAA
Teilen (16)

Damit der Netzwechsel besser funktioniert: Neue S/PRI-SchnittstelleDamit der Netzwechsel besser funktioniert: Neue S/PRI-Schnittstelle Damit ein Kunde seinen Internetanbieter wechseln kann, müssen die Provider im Hintergrund miteinander kommunizieren. Schließlich soll die Abschaltung und Wieder­aufschaltung am selben Tag, möglichst mit nur einer kurzen Unterbrechung geschehen. Daran ist in der Regel neben dem alten und dem neuen Anbieter auch die Telekom beteiligt, Leitungen müssen bestellt und abbestellt werden. Um das besser realisieren zu können, hat die Branche nun eine neue Schnittstelle mit dem Namen S/PRI 4.0 eingeführt, die Abläufe vereinfacht hat.

"Die S/PRI-Schnittstelle stellt in der Version 4.0 einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft dar", erläutert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Der Verband war zusammen mit dem Bundesverband Glasfaser (Buglas) an der Entwicklung der Schnittstelle beteiligt. "Der NGA-Ausbau in Deutschland geht auch weiterhin mit verschiedenen FTTX-Anschlusstechnologien weiter. Zum Teil werden dabei bestehende Netze von verschiedenen Unternehmen weiter ausgebaut, zum Teil kommen neue Netze hinzu. Die Zahl der NGA-Netze verschiedener Errichter und Betreiber wird somit weiter zunehmen. Gleichzeitig steigt bei vielen Unternehmen das Interesse an hochleistungs­fähigen Vorleistungs­produkten deutlich an. Damit entstehen Many-to-Many-Angebots- und Nachfrage­prozesse.“ Genau diese können mit S/PRI 4.0 standardisiert und automatisiert abgewickelt werden. In der neuen Version gilt die Schnittstelle für die Bitstream Einspeisung (BSA) und berücksichtigt die Produktgruppen FTTB BSA, FTTC BSA, FTTH BSA, also Glasfaser-Anschlüsse bis in die Wohnung, bis in den Keller aber auch VDSL. Eine Prozessierung von COAX und HFC-Produkten (TV-Kabel-Netze) ist ebenfalls möglich.

Open-Verpflichtung wird zu mehr Nachfrage führen

Bei Glasfaser-Ausbauprojekten ist Open-Access eine Verpflichtung für die ausbauenden Anbieter. Sie müssen die von ihnen errichteten Leitungen also auf Nachfrage anderen Anbietern zur Verfügung stellen, damit diese eigene Produkte über die Leitungen realisieren können. "In der Summe wird damit die Zahl der Unternehmen, die Wholesale anbieten, stark zunehmen", heißt es von Buglas-Geschäftsführer Wolfgang Heer. Gleichzeitig würden Provider künftig nicht mehr nur bei einem, sondern bei vielen Anbietern nachfragen. Auch hier helfe S/PRI 4.0 weiter.

Auch die Deutsche Telekom und 1&1 waren in dem Arbeitskreis involviert. Die Zertifizierung der Schnittstelle vermeidet aus ihrer Sicht die Entwicklung einer eigenen Schnittstelle oder Anpassung an die eines Partners und senkt damit die Kosten für weitere Schnittstellenanbindungen erheblich. Die Telekom selbst verwendet indes für ihre Vorleistungs­produkte, die zumeist auf Basis der Teilnehmer­anschlussleitung (TAL) angeboten werden, die WITA-Schnittstelle. Der Bundesverband Breitband­kommunikation (Breko) fordert heute in einer Stellungnahme, dass die Telekom als großer Anbieter von Vorleistungen sich dazu entschließen sollte, auf S/PRI umzustellen.

Die Kunden können also hoffen, dass es mit der neuen Schnittstelle künftig Glasfaser-Leitungen nicht nur von dem ausbauenden Anbieter, sondern auch von Providern gibt. Bisher ist das Angebot hier eher verhalten, wenn man von wenigen Einzelfällen absieht.

Einen kleinen Überblick, wo in Deutschland die Anbieter echte Glasfaserleitungen verlegen, haben wir schon 2014 in einer Bilderstrecke dokumentiert.

Teilen (16)

Mehr zum Thema Glasfaser