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teltarif.de-Autor Jan Sommerfeld gewinnt Spiegel-Wettbewerb

25.06.2009
15:57

Preiswürdig: Schülerzeitungsartikel über die Folgen der Internet-Piraterie

Inhaltsverzeichnis:

1. Die Piraten sind unter uns
2. Jeder zahlt soviel er will: Geniales Vertriebsmodell oder schwachsinnige Aktion?

Beim diesjährigen Schülerzeitungs-Wettbewerb des Magazins Der Spiegel überzeugte teltarif.de-Autor Jan Sommerfeld in der Kategorie "Die Folgen der Internet-Piraterie" mit seinem Beitrag "Captain Hook 2.0 - Piraten im Internet". Der Artikel erschien in der Schülerzeitung "Zwischen Himmel und Hölty" des Hölty-Gymnasiums in Wunstorf. Wir gratulieren Jan zu seinem Erfolg und freuen uns natürlich, seinen Artikel jetzt auch auf unseren Seiten zu bringen.

Captain Hook 2.0 – Piraten im Internet

Internetpiraten, das sind auch ganz normale Jugendliche wie der 16-jährige Gymnasiast Stefan aus Wunstorf. Sie fallen auf den ersten Blick nicht auf. Schließlich hissen sie weder Totenkopfflaggen, noch tragen sie eine Augenklappe, wenn sie sich auf Raubzug ins World-Wide-Web begeben. Erbeutet werden dabei jährlich rund 320 Million Songs.

Das lässt sich die Musikindustrie, die den dadurch entstandenen Schaden mit 1 Milliarde Euro beziffert, aber nicht ohne Weiteres gefallen und fährt gegen die virtuellen Freibeuter mit juristischen Mitteln schwere Geschütze auf, fast schon so, als wolle sie mit Kanonen auf Spatzen schießen. Dabei lassen sich nur die wenigsten Jugendlichen von den Drohgebärden beeindrucken.

Sorgen, erwischt zu werden, machen sie sich in der Regel nicht. Man dürfe einfach nicht Musik über Tauschbörsen wie eMule, Bittorent, Bearshare oder LimeWire beziehen, sondern müsse auf Angebote der sogenannten One-Click-Hoster wie Megaupload oder RapidShare zurückgreifen. Das Risiko, dafür belangt zu werden, sei bei diesen Diensten ziemlich gering, versicherte uns ein 17-jähriger Internetpirat und verwies uns auf Foren des unabhängigen Nachrichtenmagazin gulli.com.

Raubkopierer sind keine Ladendiebe

Jan Sommerfeld
Jan Sommerfeld vor dem Spiegel-Gebäude
Die vermeintliche Sicherheit der One-Click-Hoster und das fehlenden Unrechtsbewusstsein, mit jedem illegalen Musikdownload im eigentlichen Sinne einen Diebstahl zu begehen, tragen vermutlich dazu bei, dass nach wie vor urheberrechtlich geschützte Daten aus dem Netz bezogen werden. Dabei würden die meisten dieser Raubkopierer aber niemals in ein CD-Geschäft gehen, um die neusten Alben von Guns and Roses, Coldplay oder Madonna zu stehlen, sondern wären sogar im Gegenteil bereit, Geld für CDs auszugeben, wären diese für ihre Verhältnisse nicht zu teuer.

So sehen sich aber im Moment viele Jugendliche gezwungen, auf die illegalen, aber kostenlosen Angebote im Internet auszuweichen. Sie erlauben es, innerhalb weniger Minuten (sofern ein Breitband-Internetanschluss vorhanden ist) ganze Alben in bester Qualität herunterzuladen, manchmal sogar Tage vor dem offiziellen Erscheinungstermin.

38 Prozent der Schüler an unserem Gymnasium, die an unserer anonymen Umfrage teilnahmen, gestanden, auf solche illegalen Angebote zurückzugreifen. Die meisten würden die Musik anschließend auf ihren MP3-Player übertragen, den 89 Prozent der Befragten ihr Eigen nennen können. Oftmals werden deshalb selbst Alben heruntergeladen, die niemals gehört, geschweige denn unter normalen Bedingungen gekauft würden, nur um den Speicher der tragbaren Musikspieler bis auf den letzen Kilobyte auszunutzen oder frei nach dem Motto "es gibt immer noch schöne Lieder zu sammeln" eine möglichst umfangreiche digitale Musikkollektion anzulegen und ständig zu erweitern. Wer die wachsamen Augen der Polizei und Musikindustrie fürchtet, tauscht wie 86 Prozent der Befragten an unserer Schule, Musik nach wie vor auf die althergebrachte Art und Weise, nämlich auf CD.

CD-Verkauf spielt beim Musiker-Einkommen kaum eine Rolle

Gewissensbisse müsse man dabei genauso wenig wie beim illegalen Download aus dem Internet haben. Schließlich, so glauben zahlreiche Filesharer, würden die Künstler durch die Internetpiraterie sowie den privaten Musiktausch unter Freunden und Bekannten keinen besonders großen Schaden erleiden, denn ihnen käme nur ein sehr geringer Bruchteil der Einnahmen aus ihren CDs zu.

Tatsächlich erhalten die Musiker laut der Bundeszentrale für politische Bildung im Durchschnitt nur 4 Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf der CDs. Der große Rest der Erlöse bleibe bei den Labels mit 31 Prozent, dem Vertrieb (19 Prozent), dem Handel (ca. 22 Prozent), der GEMA (ca.6 Prozent) und beim Staat in Form der Umsatzsteuer (14 Prozent). Den eigentlichen Verdienst würden die meisten Bands und Sänger nur auf Konzerten, die auch von den Raubkopierern besucht werden, einspielen. Die Tonträger werden deshalb immer mehr zum Werbemittel der Musiker für ihre Liveauftritte. Ist ein Album gut, sind die Fans dementsprechend auch bereit, Geld für Konzerte auszugeben, das sie zuvor gespart haben, indem sie die CDs der Künstler kostenlos aus dem Internet bezogen haben.

Deshalb stellten die Jungs von Radiohead 2007 ihr neues Album in "In Rainbows" auf ihrer offiziellen Internetpräsenz zum Download und überließen unter dem Motto "No really, it's up to you" - "Nein wirklich, es liegt ganz bei dir" ihren Fans die Entscheidung, wie viel oder ob überhaupt sie für das Album zahlen.

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Betreff Autor Datum
Toller Artikel - Glückwunsch fmeier636 26.06.09 13:01
  

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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2011-10, Erwachsene ab 14 Jahre