Studie

Soziale Medien sind kein Ort für politische Debatten

Auf Facebook oder Twitter finden keine politischen Debatten statt - die Nutzer erschaffen sich vielmehr die Illusion politischer Partizipation, wie eine aktuelle Studie belegt.
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Protest-Aktion 2013 in Frankfurt am MainProtest-Aktion 2013 in Frankfurt am Main Protestbewegungen nutzen das Internet kaum für länderübergreifende politische Debatten. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Hildesheim, die die Rolle sozialer Medien während der weltweiten Finanzkrise untersucht haben. Die Protestbewegungen von 2011 wie etwa Occupy seien vorschnell als neues Phänomen globalen Aktivismus betrachtet worden, sagte die Politologin Marianne Kneuer. "Tatsächlich waren die Beiträge im Netz deutlich weniger transnational ausgerichtet als vermutet."

National statt länderübergreifend

Die Arbeitsgruppe "Politik und Internet" analysierte im vergangenen Jahr Facebook- und Twitter-Postings von Aktivisten aus Deutschland, Großbritannien, Spanien, Portugal und den USA. Die Ergebnisse wurden heute vorgestellt.

"Unsere Studie bringt den Beleg dafür, dass die Empörungsbewegungen von 2011 nationale Proteste waren und nicht eine globale Bewegung", sagte Kneuer. Dabei nutzten die Aktivisten die offenen Plattformen überwiegend für organisatorische Aspekte, etwa indem sie zu örtlichen Protest-Aktionen aufriefen. "Zumindest auf Facebook und Twitter fand 2011 und 2012 kein intensiver inhaltlicher Diskurs statt", sagte die Hildesheimer Politikwissenschaftlerin. Dies dämpfe die Hoffnungen, das Netz könne neue Formen demokratischer Teilhabe fördern. "Hier sollte man nicht zu euphorisch sein", meinte Kneuer.

Wohlfühlaktivisten liken lieber

Es gebe unter den Nutzern dieser Plattformen viele "Wohlfühlaktivisten", die das Gefühl haben, Einfluss auszuüben, tatsächlich aber nur einer Facebook-Gruppe beitreten. Auf diese Weise können sich Sympathisanten und Aktivisten die Illusion politischer Partizipation erschaffen - der Like-Button bei Facebook lade dazu ein, sich vom Sofa oder Schreibtisch aus mit einem Klick an einer sozialen Bewegung zu beteiligen. So entstehe eine gefühlte bzw. symbolische Partizipation, die aber keine Wirkung entfaltet. Nach dem Arabischen Frühling sei man zu optimistisch gewesen und habe soziale Medien einseitig beurteilt. "Es wurde nur die Möglichkeit gesehen, Autokratien unter Druck zu setzen." Allerdings sind die sozialen Medien weder nur gut, noch total böse - welche Botschaften in dort eingestellt und verbreitet werden, hängt von den Nutzern ab. "Das können demokratisch gesinnte Personen ebenso sein wie radikale Terrorgruppen oder autoritäre Machthaber", sagte die Forscherin. Letztere hätten längst das Potenzial digitaler Medien zur Mobilisierung und Indoktrination erkannt.

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