Social Graph

Erste deutsche Facebook-Nutzer können neue Suche testen

Datenschützer warnen aber vor allwissender Facebook-Suche
Von mit Material von dpa und dapd
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Ausgewählte deutsche Facebook-Nutzer können neue Suche testenAusgewählte deutsche Facebook-Nutzer können neue Suche testen Die neue Suchfunktion Social Graph bei Facebook funktioniert auch schon in Deutschland - allerdings nur bei einigen wenigen Nutzern. Wie von Facebook heute zu erfahren war, gebe es hierzulande einige per Zufall ausgewählte Tester. Weltweit seien Kandidaten bestimmt worden, die Facebook im US-amerikanischen Englisch verwenden. Jeder Nutzer kann sich auf eine Warteliste setzen lassen, um auch die international mit Interesse aufgenommene Funktion auszuprobieren.

Unternehmensgründer Mark Zuckerberg hatte die "Social Graph" bzw. "Graph Search" genannte Funktion am Dienstagabend deutscher Zeit vorgestellt. Sie ermöglicht eine erweiterte Recherche etwa in Fotos oder Hobbys von Freunden oder den Freunden von Freunden. So sollen Facebook-Nutzer beispielsweise künftig nach "Freunden von Freunden, die in München gerne Schach spielen" suchen können.

Noch unbekannt ist laut Facebook, wann die Funktion auch in der deutschsprachigen Version des sozialen Netzwerks eingeführt wird. Bei der Präsentation sprach Zuckerberg davon, dass die allgemeine Freischaltung in einigen Wochen oder Monaten stattfinden würde.

Detaillierte Informationen zur neuen Suchfunktion hat Facebook mittlerweile auf seiner Hilfeseite unter facebook.com/help/graphsearch veröffentlicht.

Datenschützer Weichert warnt vor neuer Facebook-Suche

Der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, hat die neue Suchfunktion von Facebook massiv kritisiert. "Ich finde das überhaupt nicht toll", sagte er der dpa heute. Die erweiterte Suche führe dazu, "dass völlig unkalkulierbar auf einmal Daten ausgewertet werden". Die überarbeitete Suchfunktion, die Facebook am Dienstag vorgestellt hatte, ermöglicht Anfragen wie "Fotos meiner Freunde vor 1999" oder "Restaurants, die meinen Freunden gefallen", so sie diese Informationen mit Facebook geteilt haben.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte während der Produktankündigung mehrfach betont, dass bei der Suche die Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre berücksichtigt würden. Nutzer bekämen nur die Ergebnisse angezeigt, die sie auch so innerhalb ihres Netzwerkes aufstöbern könnten. Fremde könnten keine Inhalte sehen, die man nur mit seinen Freunden geteilt habe.

Diese Zusage reicht Weichert jedoch nicht: "Die Suchfunktion, die wir vom Internet kennen, wird jetzt in den Freundeskreis hineingezogen, mit der Folge, dass hochsensible Informationen auch Dritten zur Kenntnis gelangen", sagte der Facebook-Kritiker. Informationen, die möglicherweise nur für bestimmte Freunde gedacht waren, würden im Nachhinein auffindbar. "Hier wird definitiv ein weiterer Eingriff ins Datenschutzrecht vorgenommen, der meines Erachtens nicht akzeptabel ist", sagte Weichert und rät zur Vorsicht: "Ich kann eigentlich nur den Ratschlag geben: Hände weg von Facebook."

Werbeeinahmen: Social Graph könnte die Kassen klingeln lassen

Man braucht nur wenig Fantasie, um sich vorzustellen, wie Facebook die Suchzugriffe auf den exklusiven Datenschatz mit Werbe-Einblendungen vermarkten kann. "Daraus könnte sich über die Zeit hinweg ein Geschäft entwickeln", räumte Zuckerberg bei der Vorstellung im kalifornischen Menlo Park ein. "Doch jetzt konzentrieren wir uns ganz darauf, die Benutzbarkeit dieser Funktion weiterzuentwickeln." Man könnte auch sagen: Erst sollen die Leute in die Kirche kommen, der Klingelbeutel geht später herum. Allein in den USA bringt der Werbemarkt rund um Suchanfragen nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts IDC 15 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr ein.

Manche Suchergebnisse könnten den Nutzern auch unangenehm sein. Eines der von Facebook genannten Beispiele war die Suche nach "männlichen Freunden von Freunden, die Single sind und in San Francisco leben".

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