Überwachung

Neue Snowden-Enthüllung: NSA betreibt eigene Suchmaschine

Laut einem Bericht können Mitarbeiter von mehr als 20 US-Behörden E-Mails, SMS, Chats sowie Standort- und Verbindungsdaten durchsuchen.
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Artikel auf https://firstlook.org/theintercept/The Intercept vergleich die NSA-Suchmaschine mit Google. Der amerikanische Geheim­dienst NSA hat einem Bericht der Webseite The Intercept zufolge seine eigene, "Google-ähnliche" Suchmaschine gebaut. Damit könnten Mitarbeiter mehrerer Nachrichten­dienste und Ermittlungs­behörden die riesigen Datenbanken der NSA durchsuchen. Die Aussagen berufen sich auf Unterlagen von Edward Snowden. The Intercept war zu Jahresbeginn von Glenn Greenwald und anderen Journalisten gegründet worden, um die Enthüllungen auf Basis der Snowden-Unterlagen fort­zusetzen.

ICREACH durchsucht E-Mails, SMS, Chats und Verbindungsdaten

Dem Bericht zufolge können Analysten mit Hilfe der Such­maschine auf 850 Milliarden Datensätze zugreifen. Darunter seien Informationen über E-Mail-Kommunikation, SMS, Chat-Nachrichten und Aufenthaltsorte, die von der NSA gesammelt werden. Die Suchmaschine namens "ICREACH" bietet den Nutzern ähnlich wie Google ein einfaches Eingabe­feld für Such­begriffe. Im Gegensatz zu Google sammelt die NSA aber die Informationen nicht durch Software­roboter, die sich durch das öffentliche Netz bewegen, sondern bezieht die Informationen aus einer Reihe von geheimen Datenbanken.

Bei "ICREACH" könnten Geheimdienstler und Ermittler etwa eine E-Mail-Adresse oder eine Telefon­nummer von Verdächtigen eintippen und erhielten dann beispielsweise eine Übersicht der Telefonate, die von dieser Nummer aus getätigt wurden. Die Daten stammten offenbar vor allem aus ausländischen Überwachungs­programmen der NSA, sie könnten aber auch Informationen über US-Bürger enthalten, schrieb die Webseite.

Geheimdienste: Informationsaustausch zwischen Behörden gefördert

Ein Sprecher der Geheimdienste erklärte, mit der Suchmaschine solle der Informationsaustausch zwischen den Behörden befördert werden. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2011 war der schlechte Kommunikations­fluss zwischen den verschiedenen Diensten ein großer Kritikpunkt gewesen.

23 US-Behörden hatten Zugriff

Mit Stand 2010 hätten Mitarbeiter von 23 US-Behörden auf "ICREACH" Zugriff gehabt, heißt es in dem Bericht. Darunter seien Geheimdienste wie die CIA, aber auch nationale Behörden wie die Drogen­fahndung DEA und die Bundes­polizei FBI. In den Dokumenten werden nicht alle Behörden aufgeführt. Ein Sprecher der Geheim­dienste habe es abgelehnt, "The Intercept" die Namen aller beteiligten Stellen zu nennen. In den USA könnte das brisant werden, weil der Auslands­geheim­dienst NSA seine Informationen eigentlich nicht ohne weiteres mit nationalen Behörden teilen darf. Die nationalen Ermittler müssen nämlich strengere Vorgaben erfüllen, wenn sie Beweise vor Gericht vorlegen wollen.

Prototyp schon 2007

Suchanfragen dürften nur die Geheimdienst-Mitarbeiter stellen, die auf Dokumente der Sicherheits­stufe "streng geheim" zugreifen dürfen. Sie müssten vorher für die NSA-Suchmaschine frei­geschaltet werden. Einen ersten Prototyp der Suchmaschine gab es 2007.

Auch Informationen befreundeter Geheimdienste enthalten?

Ein veröffent­lichtes Diagramm legt nahe, dass auch Informationen durchsucht werden können, die von den Geheim­diensten aus Großbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland gesammelt wurden. Mit diesen vier englischsprachigen Länder arbeiten die USA im Geheimdienst­bündnis "Five Eyes" eng zusammen. Der Name "ICREACH" deutet darauf hin, dass die Suchmaschine für die Nachrichten­dienste ("Intelligence Community" oder IC) gedacht ist. Zur Intelligence Community zählen 16 US-Behörden.

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