In einem ersten Prozess um
millionenfache Abzocke mit
SMS-Flirtchats
müssen sich heute sechs Chatbetreiber vor dem Landgericht Kiel verantworten. Die Staatsanwaltschaft
wirft ihnen Betrug vor. Die Angeklagten sollen bundesweit hunderttausenden Partnersuchenden
mit vermeintlichen Kontakten zu anderen Singles insgesamt einen zweistelligen Millionenbetrag
aus der Tasche gezogen haben.
Laut Staatsanwaltschaft lockten die Betreiber über massenhaft verschickte E-Mails und mit
gefälschten Profilen angeblicher Singles ungefähr seit 2005 Kunden in die betrügerischen Chats.
Auf Anfragen für 1,99 Euro pro SMS hätten statt Traumpartnern jedoch ausschließlich angestellte
Animateure geantwortet. Die Behörde hat noch gegen vier weitere Hauptverdächtige Anklage erhoben
und ermittelt zudem gegen zahlreiche weitere Beschuldigte.
Die Verteidiger der sechs Angeklagten stellten zum Auftakt des ersten Prozesses am Donnerstag
einer Gerichtssprecherin zufolge zahlreiche Anträge, unter anderem auf Aussetzung und Einstellung
des Verfahrens. Darüber sowie über einen Befangenheitsantrag will das Landgericht bis zum nächsten
Prozesstermin am kommenden Donnerstag entscheiden.