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Im Test: Bedienungshilfen für Android-, iOS- und Symbian-Handys

05.09.2011
09:11

Apple zeigt sich vorbildlich, kaum Hilfen bei Android


Um auch Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen die Möglichkeit zu bieten, Handys und Smartphones sicher zu bedienen, achten bereits viele Entwickler von mobilen Betriebssystemen auf Barrierefreiheit. Auch darauf spezialisierte Drittanbieter ermöglichen die Installation von zusätzlichen Bedienungshilfen wie Screenreader, Lupen oder alternativen Bedienoberflächen.

Touchscreens sind problematisch

Wenn das Augenlicht schwächer wird, sollte der Anwender jedoch bereits beim Kauf eines Handys auf Barrierefreiheit achten. Der Nutzer sollte vor allen Dingen Mobiltelefone mit einer Hardware-Tastatur bevorzugen. Ein reiner Nummernblock bietet dabei den Vorteil, dass sich die Anordnung der Tasten iPhone-App Dragon Dictation
iPhone-App Dragon Dictation
leicht merken lassen, jedoch gestaltet sich die Texteingabe als schwierig. Auf einer vollwertigen QWERTZ-Tastatur kann der Anwender aber schneller die Orientierung verlieren.

Smartphones mit Touchscreen empfehlen sich hingegen kaum, da es keine Rückmeldung zur aktuellen Position auf der virtuellen Tastatur gibt. Sollte der Anwender jedoch die Vorzüge eines Smartphones dennoch nutzen wollen, muss er sich auf die Software-Lösung verlassen können. Auch auf einen hochwertigen Lautsprecher oder eine Unterstützung von Bluetooth-Headsets sollte der Nutzer achten, um Screenreader deutlich verstehen zu können.

Wahl des richtigen Betriebssystems

Bei der Wahl des mobilen Betriebssystems sollte der Anwender mit geringem Sehvermögen nicht nur auf die eingebauten Bedienungshilfen achten. Wichtig ist beispielsweise eine übersichtliche Menüführung, die idealerweise auch eine akustische Rückmeldung gibt. Zudem müssen wichtige Rufnummern über eine Kurzwahl erreichbar sein. Die Hintergrundbeleuchtung des Geräts sollte leicht anzupassen sein. Zudem sollte der Nutzer mit eingeschränktem Sehvermögen darauf achten, dass Schriftgröße und Kontrast anpassbar sind und die Bedienungshilfen über eine Zoom- oder Lupen-Funktion verfügen.

Screenreader und Sprachsteuerung oder -erkennung sorgen außerdem dafür, dass der Anwender nicht von der Tastatur abhängig ist. Dabei liest der Screenreader - auch Voice Over oder Text-to-Speech (TTS) genannt - alle relevanten Inhalte mit über den Lautsprecher vor. Hierbei ist es wichtig, dass die Sprachhöhe- und Geschwindigkeit eingestellt werden kann und die computergenerierte Stimme auch in deutscher Sprache verfügbar ist.

Mit der Sprachsteuerung kann der Nutzer zudem wichtige Funktionen wie etwa das Wählen von Telefonnummern per Sprache anwählen. Eine Spracherkennung ermöglicht auch das Diktieren von Kurznachrichten oder E-Mails, wird häufig aber nur als Zusatzsoftware angeboten.

Apple zeigt sich vorbildlich

Aktuelle Smartphones sind häufig mit den mobilen Betriebssystemen Google Android oder Apple iOS ausgestattet. Sehr vorbildlich in Sachen Bedienungshilfen zeigt sich dabei Apple. In der aktuellen Version iOS 4.3.4 auf dem iPhone 4 bietet das Unternehmen Bedienhilfen im Apple iOS5
Bedienhilfen im Apple iOS5
eine VoiceOver-Funktion, die sämtliche Bedienelemente in deutscher Sprache deutlich vorliest. Nach dem Einschalten werden die Gesten für die Touchscreen-Oberfläche ausgetauscht. Dadurch liest der Screenreader bereits beim Drüberstreichen die Funktionen auf dem Display vor. Mit einem Doppeltipp kann der Nutzer diese Funktionen dann anwählen. Zum Scrollen streicht der Nutzer mit drei Fingern über den Bildschirm. Auch Programme wie der Safari-Browser oder das E-Mail-Programm profitieren von der VoiceOver-Funktion. Und auch Texteingaben können problemlos über die virtuelle Tastatur vorgelesen werden.

Auf Wunsch kann auch der Text vergrößert oder die gesamte Benutzer­oberfläche auf "Weiß auf Schwarz" gestellt werden. Mit einigen Sprachbefehlen kann der Anwender zudem die Telefonfunktion, das Adressbuch oder den integrierten iPod steuern. Mit dem kommenden iOS5 hat Apple die Bedienungshilfen noch einmal verfeinert. So können Blinde zukünftig auch Braille-Geräte über Bluetooth mit dem Screenreader nutzen. Mit einer Drehbewegung auf dem Touchscreen können zudem noch weitere Funktionen aufgerufen werden.

Einzig die Spracherkennung kommt für das iPhone 4 oder auch iPad nicht ab Werk. Hierfür eignet sich jedoch die kostenlose App Dragon Dictation von Nuance, die diktierte Texte fast fehlerfrei transkribiert. Direkt in der Applikation kann der Nutzer den diktierten Text als E-Mail, SMS oder Statusmeldung in den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter versenden. Auch das Kopieren in andere Anwendungen ist möglich.

Kaum TTS-Lösungen für Android

Das Google-Betriebssystem Android ist auf dem Smartphone mit Touchscreen hingegen kaum für blinde oder sehbehinderte Menschen geeignet. Ab Werk waren so gut wie keine Eingabehilfen verfügbar. Zwar gibt es eine Sprachein- und ausgabe, jedoch mussten die Android-App Mobile Accessibility
Android-App Mobile Accessibility
einzelnen Module wie etwa die TTS-Engine "PicoTTS" oder die Screenreader-Funktion "TalkBack" erst nachinstalliert werden. Der Screenreader liest zudem Inhalte erst dann vor, wenn bereits ein Menüpunkt ausgewählt wurde, und ist somit nicht zu gebrauchen.

Zwar versprechen die Dienste "SoundBack" und "KickBack" weitere Funktionen, die jedoch im Test nicht zuverlässig funktionierten. Auch die Spracheingabe konnte auf dem HTC-Testgerät nicht systemweit aktiviert werden. Die Funktionen können jedoch je nach Benutzeroberfläche geringfügig abweichen.

Im Android Market gibt es mehrere Lösungen für die Sprachein- und ausgabe wie etwa "Edwin" oder "TalkToMe", die jedoch alle keinen professionellen Anspruch verfolgen. Die App Mobile Accessibility von Code Factory bietet jedoch eine alternative Bedienoberfläche, die die wichtigsten Funktionen wie Telefon, SMS, Kontakte, Kalender, Wecker, E-Mail oder Browser für Blinde und Sehbehinderte auch auf einem Touchscreen erreichbar macht. Die Software kostet im Android Market 69 Euro, kann jedoch vorher mit einer Demo-Version getestet werden.

Symbian S60 nur mit Zusatz-Software

Viele Handys mit Zehner-Tastatur wie etwa das Nokia N86 8GB sind noch mit dem mobilen Betriebssystem Symbian S60 in der 3rd oder 5th Edition ausgestattet. Zwar bietet Symbian relativ übersichtliche Menüs und eine anpassbare Benutzeroberfläche, ist aber kaum nuance.de
Nuance
mit zusätzlichen Bedienungshilfen ausgestattet. Je nach Gerät gibt es zwar eine einfache Text-to-Speech-Software, die jedoch nur in englischer Sprache vorliegt.

Durch die langjährige Erfahrung mit Symbian gibt es jedoch viele professionelle Lösungen von Drittanbietern. So bietet das spanische Unternehmen Codefactory auch für Symbian-Geräte mit dem Screenreader Mobile Speak eine gute Lösung. Die Software ist neben S60 auch für Symbian^3 erhältlich und kostet je nach Paket zwischen 250 und 300 Euro. Der preisgekrönte Screenreader Nuance Talks liegt in einer ähnlichen Preisklasse. Beide Software-Pakete unterstützen auch Braille-Systeme für das Handy.
Ausgewählte Handys aus der Handy-Datenbank 1/47
Touchscreen, HSDPA
Radio
vsl. Q2/2012
Dual-SIM, HSDPA
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Mirko Schubert
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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2012-01, Erwachsene ab 14 Jahre