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Skype steht in China offenbar vor einem Verbot

31.12.2010
14:33

Nur noch zwei staatliche Firmen sollen erlaubt sein

Skype droht in China ein Verbot
Skype droht in China ein Verbot
Die Behörden in China wollen Anbietern wie Skype an den Kragen. Eine Ankündigung, Internet-Telefonate nur zwei staatlichen Telekommunikationsfirmen zu erlauben und gegen andere Anbieter wie Skype streng vorzugehen, sorgt in China für Verwirrung und Empörung. China hat mit 450 Millionen Nutzern die weltweit größte Internetgemeinde. Viele Nutzer fürchten, dass Skype-Telefonate für illegal erklärt werden könnten und in der Folge auch die Telefonkosten steigen.

Gleichzeitig mit dieser Diskussion kündigte Skype an, mit einem neuen Programm künftig auch Videotelefonate auf dem iPhone zu ermöglichen. Unklar ist, wie sich eine Kampagne gegen Internet-Telefonie in China auf derartige Möglichkeiten auswirken wird. Zudem bleibt abzuwarten, wie ernst das zuständige Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) überhaupt meint. Es gebe weder Details noch einen Zeitplan - immerhin aber eine Hotline, wo Verstöße gemeldet werden sollen, heißt es.

Spekuliert wird von Beobachtern über die wirtschaftlichen und politischen Motive. In den chinesischen Staatsmedien hieß es, die Aufsichtsbehörden wollen offenbar das Monopol der Staatsunternehmen China Telecom und China Unicom schützen. Diese beiden Telekommunikationsfirmen haben in China eine Lizenz für Online-Telefonie und haben offenbar die Entwicklung verschlafen. Sie experimentieren noch mit solchen VoiP-Diensten, die in Zukunft ausgeweitet werden sollen.

Skype hat aber noch ein weiteres Problem: Das Programm wird wegen seiner Verschlüsselung auch gerne von Dissidenten benutzt. So können sie sich der Bewachung durch die Staatssicherheit zu entziehen. Skype hat in China Nutzer im zweistelligen Millionenbereich und operiert in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem großen Hongkonger Unternehmen TOM Online, das in Festlandchina mit China Unicom kooperiert. Der Mobilfunkbetreiber ist der einzige Anbieter für das iPhone und dessen GSM-Telefonstandard in China.

Technische Umsetzung bei Verbot ist fraglich

Die gemeinsam mit TOM Online in China seit 2007 angebotene spezielle chinesische Skype-Software ist in der Vergangenheit wegen Sicherheitsmängeln bereits ins Gerede gekommen. Ausländische Experten fragten, ob und in welchem Ausmaß Skype und TOM Online hier mit den chinesischen Überwachungsbehörden zusammenarbeiten. Skype wiederum hatte dazu öffentlich erklärt, sich an die lokalen Gesetze in China und somit auch an die strengen Zensurbestimmungen zu halten. Dennoch können jene Nutzer, denen die Überwachung bewusst ist, sich die sonst weltweit übliche Skype-Software auch von ausländischen Servern herunterladen.

Möglicherweise ist der jüngste Erlass auch nur als Warnung an Skype verstanden werden, mit ihrer Internet-Telefonie in China nicht noch stärker zu wachsen. Bisher bewegte sich Skype mit seinen Telefonmöglichkeiten in einer Grauzone. Grund dafür ist, das Telefonie in China eigentlich nur staatlich zugelassenen Telekommunikationsfirmen erlaubt ist.

Sollte ein Verbot kommen, stellt sich allerdings die Frage, wie dieses technisch durchgesetzt werden kann. Viele Internetnutzer können eventuelle Blockaden umgehen. Zudem gibt es Kritik, die trotz Zensur auch in staatlich kontrollierten Medien offen wiedergegeben wurde. "Es ist lächerlich", kommentierte Professor Kan Kaili von der Universität für Post und Telekommunikation in der "Renmin Ribao" den jüngsten Erlass. "VoIP ist weltweit eine beliebte Technologie."

 
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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2012-01, Erwachsene ab 14 Jahre