Versuchsbetrieb

Im Testbetrieb: Probleme bei neuer simyo-Jahresflat Internet

Überlastung: simyo-Bestandskunden können Tarif derzeit nicht buchen
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Probleme bei neuer simyo-Jahresflat InternetProbleme bei neuer simyo-Jahresflat Internet Ohne Vorankündigung hat simyo seine Jahresflat Internet vor einigen Tagen gestartet, bei der ein Jahr mobiles Internet für 99 Euro vorausbezahlt werden kann. Dafür erhält man maximal 5 GB pro Monat ungebremstes Datenvolumen, das zusätzlich auf 12 GB pro Jahr limitiert ist, darüber hinaus wird die Geschwindigkeit auf GPRS-Tempo gedrosselt. Inzwischen hat sich simyo zu dem Angebot geäußert:

"Die Internet Jahresflat ist keine Tarifoption sondern ein exklusives und begrenztes Angebot, welches wir zu Testzwecken auf den Markt gebracht haben und das sich speziell an Tablet-Nutzer richtet. Wir bieten diese auch nicht über die simyo.de an, sondern ausschließlich in den Shops unseres Vertriebspartners etronixx Trading GmbH. Ob und wann wir dieses Produkt in unsere Angebotsstruktur aufnehmen kann zum heutigen Zeitpunkt noch nicht bekannt gegeben werden."

Außer bei etronixx wurde das Angebot bei den zur selben Gesellschaft gehörenden Eigenmarken ejoker.de und handyattacke.de [Link auf http://handyattacke.de/sonderangebote/simyo-jahresflat-internet.htm entfernt, da Seite nicht mehr erreichbar] gesichtet.

simyo Kunden brauchen Geduld: Hotline überlastet

simyo-Kunden, die aktuell ein Problem haben, müssen sich momentan schwer in Geduld üben. Die simyo-Hotline, so melden teltarif.de-Leser, sei telefonisch derzeit fast gar nicht mehr erreichbar. Bei Anrufen über die Handy-Kurzwahl 1145 (14 Cent/Minute vom simyo-Handy) oder im Festnetz unter 01805-454455 (14 Cent/Minute aus dem Festnetz, 42 Cent/Minute vom Mobilfunk) werden die Kunden schon per Ansage auf "längere Wartezeiten" eingestimmt und auf das Internet verwiesen. Preisbewusste Kunden, die versuchen die teure 0180-Vorwahl der Hotline zu "umgehen", werden von einer Bandansage der Düsseldorfer Festnetzrufnummer wieder auf die 0180-Rufnummer verwiesen. Auf E-Mails wird - so Erfahrungsberichte von Betroffenen - erst nach 5 bis 7 Tagen reagiert.

Auch das lange einzigartige simyo-Patenforum wird dem Ansturm kaum noch Herr. Nur noch rund 30 simyo-Paten sollen nach Auskunft von Insidern bei Fragen aktiv sein, seitdem die Prämien für das schnelle praxisgerechte Beantworten von allgemeinen Kundenproblemen, die keinen direkten Zugriff auf persönliche Daten erfordern, in Form von Bonusguthaben auf der simyo-Karte des Paten vor kurzem auf ein schwer durchschaubares Punktesystem umgestellt wurde. Die Bonuspunkte können nun nur bei den Märkten des Lebensmittelhändlers Edeka in Waren umgetauscht werden. Im Telefon-Bereich kann das Guthaben dort paradoxerweise nur zum Kauf oder Nachladen einer Edeka Mobil-SIM-Karte, die im Netz von Vodafone läuft, verwendet werden, da Edeka keine Produkte der E-Plus-Gruppe anbietet.

All-Net-Flat mit Hindernissen

simyo-Kunden, die sich für die Allnet-Flat interessieren, müssen eine komplexe Check-Liste abarbeiten und ihren Tarif auf Postpaid umstellen. Die von E-Plus-Laufzeitverträgen bekannten Funktionen wie änderbare Anrufumleitungen, Anklopfen, Makeln oder Konferenzverbindungen werden dadurch jedoch nicht ermöglicht. Dafür wird das "Postpaid-Angebot" auf der Prepaid-Plattform "simuliert". Zu diesem Zweck wird ein "virtuelles Guthaben" von ca. 80 Euro pro Monat auf jede Karte aufgeladen, die Rechnung erhält der Kunde am Monatsende und diese wird von der hinterlegten Bankverbindung per Lastschrift abgebucht.

Diese Lastschrift funktioniert nur, wenn die Karte einmal per manueller Banküberweisung von dem Konto, das später für die Lastschrift gedacht ist, aufgeladen und das Geld bei simyo richtig verbucht wurde. Hier scheint es in Einzelfällen Probleme zu geben, wobei für Außenstehende schwer einschätzbar ist, ob der Kunde schlicht einen Fehler gemacht oder das Prinzip nicht verstanden hat, oder die Systeme von simyo und seinen Lieferanten nicht so arbeiten wie gedacht. Ferner ist zu beachten, dass eine geplatzte Lastschrift zum Abschalten der Funktion führt; sie muss vom Kunden durch neue manuelle Überweisung wieder erneut freigeschaltet werden.

Auch die monatlich buch- und kündbare Allnet-Flat-Option bei simyo ist nur über die Umstellung "Postpaid" möglich, ein späterer Wechsel von "Postpaid" auf "Prepaid" soll dem Vernehmen nach jedoch nicht möglich sein. Ähnliche Probleme sind auch bei dem im Juni startenden Angebot von blau.de zu erwarten, da hier im Prinzip die gleichen Systeme zum Einsatz kommen.

Wer sich ernsthaft für die All-Net-Flat interessiert und die volle Funktionalität von Rufumleitungen, Anklopfen, Makeln und Konferenz nutzen will, sollte über einen Wechsel zu yourfone nachdenken. Hierbei ist zu beachten, dass bei einer Rufnummernportierung zu yourfone mit deutlichen Verzögerungen zu rechnen ist, wie Betroffene berichten. In Einzelfällen waren Kunden unter ihrer gewohnten Rufnummer deutlich länger als die gesetzlich zulässigen 24 Stunden nicht erreichbar. Das Buchen einer neuen Rufnummer und eine spätere nachträgliche Aufportierung einer Rufnummer ist bei yourfone derzeit nicht möglich.

Kommentar: Die Zeiten von "einfach einfach" gehen dem Ende zu

Der Charme des "einfach einfachen" Angebots ist verblasst, simyo hat sich in einem schwer überschaubaren Dickicht von Tarifen und Optionen verheddert. Die Simulation eines Postpaid-Angebotes auf einer dafür nie gedachten Prepaid-Plattform bringt Probleme mit sich; die derzeit laufende großflächige Werbekampagne in Radio und TV für die All-Net-Flat steigert die Zahl der Anfragen an der Hotline zusätzlich.

Das innovative Patenforum im Internet, das auf hilfsbereite simyo-Kunden setzte, hat seine Attraktivität verloren. simyo-Paten berichten, dass die Kommunikation mit simyo immer mehr eingeschlafen sei, während die Zahl von Kundenproblemen mit nicht funktionierenden Internetzugängen, nicht versendbaren SMS-Nachrichten oder hakelnden Optionsbuchungen angestiegen sei. Nicht in allen Fällen dürfte mangelnde Kenntnisse oder Ungeduld der Kunden, sondern eher reale technischen Probleme im Netz, auf die simyo wenig Einfluss hat, vorliegen. Auch die Zahl der Anfragen nach der technisch nach wie vor nicht möglichen Nutzung eines BlackBerry-Smartphones mit den Angeboten von simyo, sei ungebrochen.

Das Internet-Jahrespaket ist eine innovative Idee, doch hätte das Produkt von vorneherein klarer kommuniziert werden müssen, was unnötige Rückfragen und Irritationen vermieden hätte. Bei aller Freude am günstigen Telefonieren und Surfen: Wenn der Service leidet, werden selbst treue Kunden nachdenklich.

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