Netzüberlastung

Netzbetreiber: Handy-Netze für Weihnachten und Silvester bereit

Mobilfunker erwarten keine großen Probleme und rüsten Netze auf
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Es ist eine "gute Tradition", seitdem sich die Handys in der Bevölkerung durchgesetzt haben: Wer zum Jahreswechsel telefonieren oder SMS verschicken will, muss viel Geduld mitbringen. Schon Ende der 90er Jahre waren die Handynetze ab kurz nach Mitternacht traditionell überlastet. Damals waren die Netze noch nicht so engmaschig, so dass auch die vergleichsweise wenigen Kunden für eine Überlastung der Netze sorgten. Heute stehen in Großstädten die Sendemasten gefühlt an jeder Straßenkreuzung, doch das reicht vermutlich immer noch nicht. Die Netzbetreiber sehen sich für den diesjährigen Ansturm durch die Kunden gut vorbereitet, wie eine Umfrage von teltarif.de bei den Netzbetreiber gezeigt hat.

Telekom und Vodafone mit mobilen Sendern und viel Personal im Einsatz

Vom Handy geht ein Signal an einen Sendemast - am ehesten ein Engpass an SilvesterVom Handy geht ein Signal an einen Sendemast - am ehesten ein Engpass an Silvester Die Deutsche Telekom erwartet in der Silvesternacht zwischen Mitternacht und 2 Uhr ein erhöhtes Telefonie- und SMS-Aufkommen. An hochfrequentierten Plätzen - als Beispiele nannte der Telekom-Sprecher den Münchener Marienplatz und das Brandenburger Tor in Berlin - würden zusätzliche mobile Kapazitäten bereitgestellt. Die SMS-Plattform im Hintergrund des Netzes sei schon in der Vergangenheit erweitert worden. Nur unmittelbar zum Jahreswechsel könne es zu leichten Verzögerungen bei der Auslieferung von SMS kommen.

Vodafone setzt vor allem auf die Leistung seiner Mitarbeiter, die auch über die Feiertage im Einsatz sein werden. 1 300 Hotline- und Support-Mitarbeiter seien an den Feiertagen im Einsatz, um die Anfragen von Kunden entgegenzunehmen. 100 Mitarbeiter würde im Düsseldorfer Network-Management Center (NMC) diese rund um die Uhr überprüfen. Sollte es wirklich zu Störungen kommen, gäbe es über Deutschland verteilt 70 Mitarbeiter, die vor Ort Probleme lösen können. Vieles lässt sich in den Netzen von heute aber auch per Knopfdruck regeln, so dass niemand zur Technik vor Ort fahren muss. Vodafone betont, dass es für alle technischen Bereiche Dopplungen gibt, die im Notfall einspringen arbeiten würden. Das gelte auch für die 22 SMS-Knotenpunkte. Vodafone rechnet auch an Weihnachten mit einem verstärkten Traffic in den Netzen. Viele Kunden würden ihr neues Handy ausprobieren und dann auch ihre Weihnachtsgrüße verschicken.

E-Plus und o2 konfigurieren Netztechnik für mehr Kapazität um

E-Plus geht bei Telefongesprächen und SMS von einem ähnlich hohen Verkehrsaufkommen wie in den Vorjahren aus. Wegen der starken Smartphone-Nachfrage in diesem Jahr wird es dagegen voraussichtlich an Heiligabend und den Tagen danach einen Anstieg im Datenverkehr geben, "auf den wir aber vorbereitet sind". Die Hauptlast für SMS sei jedoch erst zum Jahreswechsel zu erwarten - vor allem zwischen 23:30 Uhr und 1 Uhr. "Wir setzen zum Jahreswechsel auf unterschiedliche Überwachungsmechanismen und Sicherungsmaßnahmen, um einen einwandfreien Betrieb unserer Netze zu ermöglichen", ließ uns die E-Plus-Gruppe wissen. So haben man die Konfiguration auf den eigenen SMS-Servern geändert, um Kurzmitteilungen an den Feiertagen und zum Jahreswechsel "noch schneller ausliefern zu können". Hierdurch würden den Kunden auch zusätzliche SMS-Kapazitäten zur Verfügung gestellt.

Bei o2 erwartet man die Spitzenlast zwischen Mitternacht und 1 Uhr. Das SMS- und Telefonie-Volumen werde sich in dieser Zeit um das drei- bis vierfache erhöhen, ließ uns der Münchener Netzbetreiber wissen. "Wir schaffen wie jedes Jahr in den Core-Netzelementen ergänzende Kapazitäten", teilte eine Sprecherin mit. Unter Core-Netzelementen versteht man jene Netzbestandteile, die im Transportnetz hinter dem Sendemast genutzt werden, also beispielsweise die SMS-Zentralen und Vermittlungseinheiten. "Unter anderem enthalten diese Plattformen intelligente Mechanismen, um bei überhöhter Anzahl von SMS-Nachrichten beispielsweise diese kontrolliert nacheinander zu verschicken", erläuterte o2 entsprechend weiter.

Generelle Tipps: Netzstandard wechseln und Hauptlast meiden

Trotz aller Vorbereitungen: Es wird auch in diesem Jahr wieder bei allen Netzbetreibern zumindest punktuell zu Problemen kommen. Selbst wenn die Netze im Hintergrund die Last tragen können: Der Engpass Sendemast bleibt. Befindet sich beispielsweie ein beliebter Club im Wohngebiet und die Partygäste verschicken ihre SMS oder telefonieren, so ist davon auch die Privatparty in der Nachbarstraße betroffen. Diese Hotspots lassen sich für die Netzbetreiber nicht abfedern. Nur an wirklich stark frequentierten Orten wie dem Brandenburger Tor, wo wie jedes Jahr eine Million Gäste erwartet werden, ist es technisch und wirtschaftlich machbar, auch vor Ort Kapazitäten bereitzustellen. Bei zunehmender Verbreitung von Flatrates wird aber auch hier die Motivation der Netzbetreiber zurückgehen, da zusätzliche Gespräche nicht gleichzeitig mehr Umsatz bedeuten - die Kehrseite von Flatrates.

Eventuell kann bei Engpässen helfen, zwischen dem GSM- und UMTS-Netz umzuschalten. Die meisten Smartphones funken automatisch im UMTS-Netz und probieren gar nicht, ob es freie Kapazitäten im GSM-Netz gibt. LTE-Handys können zumindest ihren Datenverkehr in den LTE-Netzen loswerden - hier wird es aufgrund der noch dünnen Verbreitung von LTE-Handys und der hohen verfügbaren Bandbreite kaum Engpässe geben. Bei Telefonaten ist es zudem sinnvoll, Festnetzanschlüsse statt Handys anzurufen, wenn dieses möglich ist. So lassen sich zumindest mögliche Funkstrecken-Überlastungen beim Gesprächspartner umgehen. Zwar können auch nicht alle Festnetzkunden gleichzeitig telefonieren, doch werden diese Anschlüsse zum Jahreswechsel deutlich weniger genutzt als Handys.

Für Datentraffic kann es vereinzelt auch helfen, sich in WLAN-Hotspots einzubuchen. So gibt es beispielsweise in Berlin an belebten Orten kostenlose offene Hotspots von Kabel Deutschland und The Cloud. Auch in anderen Städten gibt es vereinzelt solche Angebote. Auf Privatpartys macht sich der Gastgeber sicherlich den ein oder anderen Freund, gibt er sein WLAN-Passwort preis - und es würde die Mobilfunknetze für andere Nutzer entlasten.

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