Restrukturierung

Droht Siemens mit Gigaset ein zweites BenQ-Desaster?

Siemens denkt laut FTD über Hilfen für Telefon-Tocher nach
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Dem Siemens-Konzern droht mit der Telefon-Tochter Gigaset möglicherweise ein ähnliches Desaster wie mit der Mobilfunk-Sparte BenQ. Laut Financial Times Deutschland (FTD) verweigert die Beteiligungsgesellschaft Arques dem Telefon-Hersteller die dringend benötigte finanzielle Unterstützung für notwendige Restrukturierungsmaßnahmen. Aus der Siemens-Konzernzentrale sei aber zu hören, dass man einen zweiten Fall BenQ auf jeden Fall vermeinden wolle und Siemens notfalls selbst dafür sorgen werde, dass Gigaset weitermachen könne. Im Jahr 2005 hatte Siemens seine kränkelnde Handysparte mit einer großzügigen Mitgift aufgehübscht und an den taiwanischen Elektronik-Konzern BenQ verkauft. Nur ein Jahr später war BenQ Siemens pleite.

Siemens hatte die defizitäre Tochter im Herbst vergangenen Jahres an Arques übertragen - und das obwohl Arques bereits einen zweifelhaften Ruf hatte und derzeit selbst ums Überleben kämpft. Um die Vorgänge bei Gigaset weiterhin kontrollieren zu können, hält Siemens noch 19,8 Prozent der Gigaset-Anteile. Man sei mit Arques im Gespräch heißt es aus der Konzernzentrale. Konzernchef Peter Löscher ginge es darum, die Zukunft des Gigaset-Geschäfts nachhaltig zu sichern.

Arques hatte Gigaset laut FTD-Informationen eine "Bürgschaft auf erste Anforderung" von knapp 20 Millionen Euro eingeräumt, aber bisher kein Geld zugeschossen. Eine solche Bürgschaft stellt zwar ein bedingungsloses Zahlungsversprechen dar - aber der Arques-Vorstand weigerte sich, das Geld herauszurücken, als Gigaset es vor eine Woche verlangte. Als Begründung wurden Zweifel an der Notwendigkeit der Forderung angegeben - wobei das bei einer Bürgschaft auf erste Anforderung eigentlich keine Rolle spielen sollte, weil sie jederzeit und bedingungslos gezogen werden kann.

Entwicklung bei Gigaset durchaus positiv

Arques fiel laut FTD auch sonst nicht durch eine besondere Zahlungsmoral auf, im Gegenteil, auch die eigentlich im Oktober fällige zweite Kaufpreisrate von 15 Millionen Euro für Gigaset wurde nicht überwiesen. Für Siemens wird die Sache zunehmend ärgerlich.Dabei soll das Geschäft von Gigaset Fortschritte machen, der Auftragseingang sei jetzt mit Beginn des Weihnachtsgeschäfts so hoch wie nie zuvor. Im ersten Halbjahr hat Gigaset seinen Marktanteil bei Schnurlostelefonen in Europa um drei Prozentpunkte auf rund 33 Prozent gesteigert. Auch in Deutschland könne Gigaset noch zulegen, obwohl der Hersteller hier ohnehin schon über 50 Prozent Marktanteil erreicht. Die Geschäftsführung von Gigaset würde sich gern nach einem Investor umsehen, ohne Zustimmung von Arques kann sie das aber nicht tun.

Der Umbau des Telefonherstellers hat allerdings auch seinen Preis, allein im ersten Halbjahr 2009 soll Gigaset für den Umbau 23,5 Millionen Euro verbraucht haben. Dadurch machte das Unternhmen trotz der guten Entwicklung Verluste. Die Restrukturierung ist auch noch nicht abgeschlossen, daher drohen im Dezember Liquiditätsengpässe, sofern Arques nicht zahlen sollte.