Threema-Alternative

Ausprobiert: WhatsApp-Alternative "Sicher" mit Servern in Deutschland

"Sicher" heißt ein Smartphone-Messenger, mit dem Anwender verschlüsselt chatten können. Die Besonderheit ist nicht nur, dass der Dienst aus Deutschland stammt. Sondern: Er ist auch für Windows Phone verfügbar. Wir haben "Sicher" einmal ausprobiert.
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Sicher: Verschlüsselter Chatdienst aus Deutschland."Sicher": Verschlüsselter Chatdienst aus Deutschland. Die Firma Shape hat dieser Tage einen eigenen Messenger mit dem Namen "Sicher" vorgestellt. Der Messenger steht für Android, iOS und Windows Phone in den jeweiligen App Stores zum Download bereit. Wir haben uns die Android-Version einmal näher angesehen. Die Entwickler sind alte Bekannte: Von Shape stammt der bekannte Multi-Messenger IM+ für diverse Plattformen. IM+ Pro unterstützt die Off-the-Record-Funktion für verschlüsselte Chats - Neuland betritt Shape mit "Sicher" also nicht.

Update, 20. Juni: "Sicher" ist im Google Play Store (Store-Link) und in Apples Appstore (Store-Link) zu finden. Der Link zum Windows Marketplace funktioniert derzeit nicht. Auf der Webseite des Anbieters erscheint möglicherweise bald ein korrigierter Link. (Ende Update)

In puncto Features bietet "Sicher" wichtige Features wie Gruppenchats und die lokale Verschlüsselung der App-Daten. Auch Dateien lassen sich verschlüsselt übertragen - "Sicher" unterstützt dabei neben Bildern und Videos auch jeden weiteren Dateityp. Für häufig verwendete Nachrichten gibt es die Möglichkeit, Vorlagen anzulegen. Die Server sollen in Deutschland stehen. Für die Ewigkeit lassen sich Gespräche aber nicht aufbewahren. Stattdessen können Nutzer individuell einstellen, nach welchem Zeitraum eine Nachricht auf beiden Geräten gelöscht werden soll. Diese Zeitspanne kann der Anwender stufenweise zwischen 30 Minuten und 15 Tagen einstellen. Ganz ausschalten lässt sich dieser Mechanismus nicht. Einzelne Nachrichten lassen sich nicht vorzeitig löschen - auf Wunsch entfernt die App bei beiden Gesprächspartnern den kompletten Chat-Verlauf.

Ausprobiert: Chats funktionieren, Kontakte-Synchronisierung ist datenschutzfreundlich

Die App "Sicher" ist übersichtlich aufgebaut, folgt aktuellen Android-Design-Vorgaben und ist in einem hellen Blau-Ton gehalten - uns hat die Farbgebung und das Logo spontan etwas an Skype erinnert. Die Einrichtung erfolgt wie von anderen Diensten gewohnt über eine SMS, die an unsere Rufnummer geschickt wird. Ist diese angekommen, erstellt "Sicher" die nötigen Schlüssel, sodass Nachrichten verschlüsselt und somit vor neugierigen Blicken geschützt beim Gesprächspartner ankommen.

Der Kontakte-Screen auf AndroidDer Kontakte-Screen auf Android Auf dem Hauptbildschirm der App sind auf zwei Seiten Chats und bekannte Kontakte aufgelistet. Die App ist noch recht neu, weswegen es kaum verwundert, dass wir noch keinen Kontakt finden. Wir testeten die App daher mit einem weiteren - eigens eingerichteten - Account. Versendete Nachrichten kommen in unserem Test nach ungefähr zwei Sekunden an. Die Funktionalität der App war in unserem Test zufriedenstellend. Gruppenchats haben wir nicht getestet.

Der Zugriff auf die App war mit einem Passwort geschützt, das wir bei der Installation einrichten mussten. "Sicher" verlangte nach einiger Zeit, das Passwort erneut einzugeben. Das ist auch insofern von Vorteil, weil ein Zugriff auf persönliche Gespräche auch dann nicht möglich ist, wenn der Angreifer Zugriff auf das Smart­phone hat.

Für die Kontaktesynchronisierung setzt "Sicher" auf ein recht einfaches, aber datenschutzfreundliches Verfahren: Regelmäßig gleicht die App das auf dem Smart­phone befindliche Adressbuch mit den angemeldeten "Sicher"-Benutzern ab. Eventuelle Treffer landen dann in der Kontakteliste von "Sicher". Die Adressdaten sollen nicht auf dem Server gespeichert bleiben.

Auch Windows Phone erhält die Sicher-App.Auch Windows Phone erhält die "Sicher"-App. Auswirkungen auf den Akkuverbrauch konnten wir nicht feststellen. "Sicher" läuft aber stets im Hintergrund und verbraucht ein paar Kilobyte Daten. In beiden Fällen tauchte aber bei uns die App nicht in den Systemstatistiken für den Akku- bzw. den Datenverbrauch auf. "Sicher" funktioniert aktuell ausschließlich mit einem Account auf einem Gerät - Chats lassen sich also nicht auf dem Smartphone starten und beispielsweise einem Tablet oder PC weiterführen.

Da "Sicher" Screenshots verhindert, müssen wir für diesen Artikel auf Pressebilder zurückgreifen.

"Sicher" verwendet RSA mit 1024 Bit Schlüssellänge

Die App setzt in puncto Verschlüsselung auf das asymmetrische Verfahren RSA mit einer Schlüssellänge von 1024 Bit - hier werden gemeinhin längere Schlüssel empfohlen. Zusätzlich verwendet "Sicher" eine SSL-Verschlüsselung, um die Daten im Internet zu transportieren. Dateien verschlüsselt der Dienst mit der AES-Kryptomethode. Den Quellccode der App und der dazugehörigen Server-Software legen die Entwickler erst einmal nicht offen. Das bedeutet aber auch, dass Nutzer den Angaben von Shape Glauben schenken müssen, dass die Verschlüsselung vollständig und sicher ausgeführt wird.

Kostenlos für Android, iOS und Windows Phone

Benachrichtigungen sollen keine Meta-Daten verraten.Benachrichtigungen sollen keine Meta-Daten verraten. Die Modalitäten der App klingen fair: Der Download ist auf allen unterstützten Plattformen kostenlos und alle aktuellen Features sollen ebenfalls kostenlos bleiben. Das wiederum deutet darauf hin, dass künftige Features vielleicht über In-App-Käufe freizuschalten sind. Genaue Informationen dazu gibt es jedoch nicht.

Der Chatdienst machte in unserem kurzen Test eine gute Figur. Aktuell ist die Verbreitung jedoch noch gering. Recht einzigartig ist derzeit, dass "Sicher" eine Windows-Phone-App anbietet. Die Konkurrenz arbeitet jedoch ebenfalls daran - so plant beispielsweise Threema, eine App für das Microsoft-System zu entwickeln. Ein weiterer Smartphone-Messenger aus Deutschland heißt Chiffry.

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