Frontalangriff

"Scroogled": Microsoft greift Google mit Kampagne im Web an

Bezahlte Platzierungen in Googles Shopping-Suche im Fokus
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Scroogled-Webseite von MicrosoftScroogled-Webseite von Microsoft Microsoft und Google, zwei absolute Schwergewichte der Internet-Branche, beharken sich im Web. Der Angriff kommt dabei von Seiten Microsofts, der Konzern aus Redmond hat eine Webseite namens Scroogled geschaltet, auf der dem Anwender die Augen für Googles Shopping-Suche geöffnet werden sollen. Der Konzern rund um den aufbrausenden Boss Steve Ballmer stört sich daran, dass sich Google seit einigen Monaten von Unternehmen dafür bezahlen lässt, deren Produkte bei der Shopping-Suche vorn zu platzieren, den Nutzer darüber allerdings nicht aufkläre. Eine Unterscheidung zwischen Suchergebnisse und bezahlter Werbung sei nicht mehr zu erkennen, so der Vorwurf.

Der Name "Scroogled" setzt sich für Microsoft aus "googled" und Ebenezer Scrooge, dem fiesen Geizhals aus der populären Weihnachts­geschichte "A Christmas Carol" von Charles Dickens, zusammen. Zudem klingt die Wortschöpfung ein wenig nach "screwed", das unter anderem umgangssprachlich für "abgezockt" oder "aufs Kreuz gelegt" steht. Diese Assoziation könnte durchaus im Sinne von Microsoft liegen. Auf der Scroogle-Webseite ist unter anderem ein Video zu sehen, dass erklären soll, wie Google die Suchergebnisse mit Werbung mische und so die Nutzer hinters Licht führe. Schließlich seien laut Anzeige die Ergebnisse der Suche nach "Relevanz" gelistet und nicht danach, wie viel Geld der Anbieter Google überweist. Microsoft untermauert die Anschuldigungen mit einigen PDF-Dateien, die Original-Dokumente von Google enthalten.

Google hat tatsächlich etwas geändert

Tatsächlich hat Google diese Änderungen durchgeführt, in den USA bereits im Mai. In einem offiziellen Blog-Eintrag heißt es: "Im Rahmen dieser neuen Initiative – genannt Google Shopping – haben wir die Google Produktsuche in den USA auf ein kommerzielles Modell auf der Basis von Product Listing Ads umgestellt. Wir glauben, dass eine kommerzielle Beziehung zu den Händlern zu besseren und aktuelleren Produktinformationen und damit zu besseren Einkaufsergebnissen für die Benutzer sowie eine bessere Qualität des Traffics für die Händler führt." Vor zwei Wochen wurden diese Änderungen dann auch in anderen Ländern, darunter Deutschland, eingeführt.

Ein Nebeneffekt der ganzen Geschichte: Microsoft bewirbt direkt die eigene Suchmaschine Bing auf der Seite, mit einem Klick lässt sich Bing auch als neue Startseite festlegen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Der Stil der Microsoft-Kampagne ist in jedem Falle zweifelhaft.

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