Der zweitgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber
Unitymedia, der von dem
US-Medienkonzern Liberty Media
übernommen wird, verdankt sein rasantes Kunden-
und Umsatzwachstum offenbar aggressiven Verkaufsmethoden. Wie die
WirtschaftsWoche berichtet, gehe dies
aus einer Dokumentation hervor, die die
Verbraucherzentrale NRW am 9. November der
Landesanstalt für Medien in Düsseldorf vorgelegt hat und
die der Zeitung vorliege.
"Mehrfach wurden die Grenzen zum unlauteren Wettbewerb
überschritten und verbraucherrechtliche Schutzvorschriften missachtet", klagen die Verbraucherschützer. Mit mehr als 15 000 Beschwerden in NRW allein in diesem Jahr rangiert Unitymedia weit vor der
Deutschen Telekom und anderen Telefongesellschaften. Viele Betroffene haben
inzwischen auch ihre Landtagsabgeordneten eingeschaltet: Nach einer Umfrage der Verbraucherzentrale liegen bereits
jedem zweiten Abgeordneten im Landtag von NRW Beschwerden von Verbrauchern seines Wahlkreises vor.
Verbraucherschützer werfen Unitymedia Drückermethoden vor

Die Verbraucherschützer kritisieren, dass Werber vielfach ältere Menschen an der Haustür mit der falschen Aussage unter Druck setzen, dass das analoge
Fernsehen demnächst abgeschaltet werde. Verbraucher beschweren sich über belästigende Telefonwerbung, Postwurfsendungen oder das Unterschieben
unbestellter Leistungspakete. Weitere Vorwürfe richten sich gegen intransparente, für viele unverständliche Rechnungen, unangemessen benachteiligende
allgemeine Geschäftsbedingungen wie zum Beispiel Preisanpassungsklauseln oder hohe monatliche Kosten für zusätzliche Steckkarten. In der Kritik steht
auch der Kundenservice wegen langer, kostenpflichtiger Wartezeiten am Telefon, keiner oder zu langsamer Bearbeitung von Reklamationen, unberechtigten
Kontoabbuchungen oder Weiterberechnung trotz vorliegender Kündigung.
Eine Ursache für die Missstände, so die Zeitung, sei offenbar der starke Druck, den Unitymedia etwa auf externe Callcenter ausübe. So erhielten die Callcenter unter
anderem die Vorgabe, vier Mal pro Jahr alle Kabelhaushalte in NRW und Hessen abzutelefonieren, um Neukunden zu gewinnen. Darunter waren auch Haushalte,
die nicht ausdrücklich zugestimmt hatten, dass sie Werbeanrufe bekommen wollen.
Unitymedia weist die Vorwürfe zurück. Das sei eine "politische Kampagne der Verbraucherzentrale, um das digitale Kabel ins Reich des Bösen zu verweisen". Unitymedia hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass die Zahl der Abonnenten für die Paketangebote im Jahresvergleich um 39 Prozent auf 1,88 Millionen gestiegen ist.
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