Ausgestorben?

DECT-Telefone trotzen Smartphones mit neuen Features

Apps, WLAN-Router, Bluetooth und Eco-Modus
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Analog ist tot. Es lebe digital. Das war die Devise in den 90ern, als der DECT-Standard die Schnurlos­telefone revolutionierte. Digital Enhanced Cordless Tele­communication zauberte Quassel­strippen endlich gute Tonqualität aufs Mobilteil. Jeder wollte eins, und heute hat jeder eins. Die Folge: Der Absatz von Schnurlostelefonen brach dramatisch ein. Wurden im ersten Quartal 2009 noch 1 519 000 Stück verkauft, waren es 2011 nur noch 1 413 000 und im ersten Quartal dieses Jahres nur noch 1 283 000, wie die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) erhoben hat.

Ist das DECT-Telefon also tot? "Keineswegs, doch ohne Fortschritt wird es wohl auf Dauer vom Smartphone verdrängt", glaubt Dirk Lorenz von der Stiftung Warentest. Deshalb haben die Hersteller zum Beispiel Eco-DECT eingeführt, eine strahlungsärmere Variante des Standards.

Eco-Modus beim DECT-Telefon: Die Vor- und Nachteile

BASE Lutea Home mit Smartphone-SymbolbildIst das DECT-Telefon tot? Im Eco-Modus schalten Basisstationen den Funk im Stand-by ab. Auch gibt es keinen Funkverkehr, wenn das Mobilteil in der Ladeschale liegt. Außerdem kann das Mobilteil seine Sendeleistung in Abhängigkeit von der Entfernung zur Basisstation reduzieren. Viele Geräte funken inzwischen sogar nur noch dann, wenn es klingelt oder tatsächlich telefoniert wird. Die Funktionalität nennen die Hersteller dann Eco Mode Plus oder Full Eco Mode.

Der Eco-Modus, der bei Auslieferung meist ausgeschaltet ist, hat aber auch Nachteile. Es bestehe zum Beispiel die Gefahr, dass der Besitzer das Mobilteil aus dem Sendebereich trägt und es nicht einmal merkt. "Dann hört der Anrufende zwar das Klingelzeichen, doch nicht der Angerufene", so Warentester Lorenz. In normalen Modus, wenn Mobilteil und Basis stetig in Verbindung stehen, kann man im Display sehen, wenn die Verbindung abgerissen ist.

Außerdem heißt Eco-Modus nicht, dass der Mobilteil-Akku ewig durchhält. "Das Gerät ist permanent auf Horchposten, wartet, ob ein Anruf eingeht", erklärt der Experte. Und das kostet Strom.

Schnurlose Mobilteile nähern sich Smartphones an

Auch bei der Ausstattung nähern sich Schnurlos-Mobilteil und Smartphone an. Immer mehr DECT-Geräte haben Bluetooth oder lassen sich per USB-Kabel mit dem Rechner verbinden, um Kontakte zu synchronisieren. Die Mobilteile bekommen Farbdisplays, Touchdisplays, mitunter sogar ein ganzes Android-Betriebssystem.

Hightech ins Festnetz soll die DECT-Erweiterung CAT-iq bringen. "CAT-iq ist mehr als nur Telefonieren", erklärt Bernd Klusmann, Telekommunikationsexperte des IT-Branchenverbands Bitkom. "Ich kann Webradio übers Handteil hören, RSS-Nachrichtenfeeds am Display lesen oder E-Mails und SMS schreiben." Der entscheidende Vorteil sei aber die Sprachqualität: "CAT-iq sendet mit einer doppelt so großen Bandbreite." Deshalb werde der Standard auch HD-Telefonie genannt. Neben besseren Sicherheitsstandards sieht CAT-iq auch diverse Energiesparmodi vor.

Allerdings gibt es erst eine Handvoll zertifizierter CAT-iq-Telefone im Handel, meist Geräte, die auch Internettelefonie beherrschen. Warum sind es nicht mehr? Die meisten Netzbetreiber seien einfach noch nicht soweit wie die Hersteller, erklärt Klusmann. HD-Telefonie funktioniere bislang nur netzintern.

Wie Smartphones zu Schnurlos-Mobilteilen werden

Ganz neu ist DECT-ULE, was für Ultra Low Energy steht. Der Standard soll die DECT-Frequenzen für intelligente Haussteuerungssysteme nutzbar machen - mit den Zielen Stromsparen und Komfortgewinn. "Mit dem Handteil des Telefons können Verbraucher so das Thermostat der Heizung bedienen oder eine Lampe einschalten", beschreibt Sven Heinzer von der Zeitschrift "connect" die Möglichkeiten. Elektrische Geräte würden beispielsweise mit einem Steckdosenadapter ins DECT-Netz integriert und können darüber ferngesteuert werden.

Es gibt aber auch Beispiele dafür, wie Smartphones zu Schnurlos-Mobilteilen werden. Das funktioniert dann, wenn DECT-Basisstation und WLAN-Router ein Gerät sind und der Hersteller Apps für diese Funktion anbietet. Dann kann ein Festnetzanruf per WLAN an Smartphones im Heimnetzwerk weitergegeben oder vom Mobiltelefon aus gestartet werden.

Am Ende wird es wohl weiterhin Platz für beide Telefongattungen geben, prognostiziert Warentester Lorenz. Mobiltelefone seien zwar technisch weiter, aber: "Kunden wollen mit einem Telefon zu Hause hauptsächlich eines: telefonieren." Diese Anforderung erfüllen die DECT-Geräte am besten.

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