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Galaxy Tab mit Ice Cream Sandwich: Cyanogenmod 9 im Kurztest

Entwickler-Community unterstützt erstes Samsung Galaxy Tab
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Für den Screenshot etwas verkleinerte Ansicht des Homescreens von CyanogenMod 9.Für den Screenshot etwas verkleinerte Ansicht des Homescreens von CyanogenMod 9. Nachdem letzte Woche ein erster Release Candidate von CyanogenMod 9 auch für das erste Samsung Galaxy Tab erschienen ist, hat teltarif.de ausprobiert, ob das bereits etwas ältere Tablet mit der CyanogenMod-Variante von Android 4.0 zufriedenstellend funktioniert. CyanogenMod wird als "After-Market-Firmware" bezeichnet, ist also für Geräte gedacht, die bereits länger auf dem Markt sind. Wer auf seinen Geräten eine Firmware installiert, die nicht vom Hersteller abgesegnet ist, wird auf spätere Gewährleistungsrechte oder Garantie-Ansprüche verzichten müssen. Die Installation geschieht also auf eigene Gefahr. teltarif.de hat sich diesen Risiken gestellt und zeigt, was CyanogenMod 9 auf dem Tablet von Samsung zu leisten im Stande ist.

Erste Hürde: Die Installation

Samsung Galaxy Tab
Die offiziellen Installationsanweisungen scheinen sehr einfach, funktionieren jedoch leider nicht und führen zu einem nicht-bootfähigen Gerät. CyanogenMod 9 muss im sogenannten "Recovery-Modus" installiert werden. Der normale Recovery-Modus des Tabs unterstützt jedoch die Installation von unsignierten Installationspaketen nicht.

Erst nach einiger Recherche in relevanten Foren konnten wir das Gerät wieder zum Leben erwecken und eine neue Recovery-Software einrichten, mit der CyanogenMod 9 installiert werden konnte. Die nötigen Schritte sind kompliziert und sollten von unerfahrenen Nutzern besser nicht ausgeführt werden. Mit diesem neuen Recovery-Modus ließen sich sowohl CyanogenMod 9 RC1 als auch die nötigen Google-Apps (Mail, Talk, etc.) installieren.

Über die Webseite von CyanogenMod lassen sich die aktuellen Google-Apps herunterladen. Aus Lizenzgründen können diese nicht in das Installationspaket integriert werden. Diese werden im Recovery-Modus auf das Tablet "geflasht" und lassen sich dann ohne Einschränkungen nutzen. Nach dem ersten Start ist CyanogenMod 9 zunächst noch auf Englisch eingestellt. Die deutsche Übersetzung lässt sich in den Einstellungen einschalten, ist jedoch nicht vollständig. Manche Menüpunkte werden noch auf Englisch angezeigt.

Erster Start: CyanogenMod 9

CyanogenMod 9 läuft auf einem Galaxy Tab der ersten Generation.CyanogenMod 9 läuft auf einem Galaxy Tab der ersten Generation. CyanogenMod 9 nutzt nicht die Original-Oberfläche von Android 4.0. Stattdessen wird ein Launcher mit der Bezeichnung Trebuchet-Launcher verwendet. Dieser behält jedoch die wesentlichen Merkmale der Holo-Oberfläche bei. Darunter fallen die neuen Touch-Kontrollen und die neue Notification Bar. Die vier kapazitiven Buttons des Galaxy Tabs sind zunächst noch aktiviert, können aber in den Systemeinstellungen deaktiviert werden. Dann hat das alte Galaxy Tab, das ursprünglich mit Android Froyo 2.2 ausgeliefert wurde, die komplette Android-4.0-Benutzerführung.

Die Anpassungsmöglichkeiten des Homescreens sind etwas begrenzt. Zwar können bis zu sieben Homescreens eingerichtet werden, es gibt jedoch keine Übersicht, in der einzelne Screens gelöscht werden könnten - da sind andere Android-Launcher benutzerfreundlicher. In unserem Test ließ sich das Raster der Homescreens und des App-Drawers nicht einstellen. Auf dem 7-Zoll-Display hätte wohl noch eine Spalte mehr Platz - der App-Drawer zeigt nur vier Apps nebeneinander an.

Nach den ersten Minuten geht es daran, das Tablet mit den wichtigsten Apps zu versehen. Diese lassen sich wie gewohnt über den Play Store von Google installieren. Mit diesem können auch die Google-Apps aktualisiert werden. Die Gmail-App war im Play Store aber nicht zu finden, wurde aber in der Liste der (auf anderen Geräten) installierten Anwendungen angezeigt. Von dort aus ließ sich ein Update ausführen. Auch über die Google-Play-Webseite lassen sich Apps installieren, löschen oder aktualisieren. Bis das Gerät auf der Webseite angezeigt wurde, vergingen jedoch einige Stunden.

Performance und Bedienung: Die ersten Stunden mit CyanogenMod 9

Die gefühlte Geschwindigkeit ist gut. Insgesamt erfolgt die Bedienung recht flüssig, auch wenn es manchmal zu einzelnen Rucklern kommt. Die Leistung des Tablets scheint für Android 4.0 stets auszureichen. Laut Geräteinfo kann Android auf 494 MB Arbeitsspeicher zugreifen - das wäre mehr als bei der Gingerbread-Variante. Die Benchmark-Ergebnisse beeinflusst dies jedoch nur unwesentlich. Diese bleiben weitgehend auf Gingerbread-Niveau. Lediglich der (nachinstallierte) Chrome-Browser führt den bekannten Sunspider-Test schneller aus als der Stock-Browser von Android 2.3 - das überrascht jedoch nicht.

Mit Android 4.0 hat sich die Bedienung des Multi-Taskings verändert. Diese wird auch in CyanogenMod 9 verwendet.Mit Android 4.0 hat sich die Bedienung des Multi-Taskings verändert. Diese wird auch in CyanogenMod 9 verwendet. Wer viele Apps nutzt, wird dank Android 4.0 auch zukünftig an der Entwicklung der Plattform teilhaben. Google hat mit Chrome bereits eine App im Angebot, die auf Gingerbread wohl niemals verfügbar sein wird. Auch die Gmail-App wird auf alten Android-Plattformen nicht mehr weiterentwickelt und die Google-Maps-App hat auf Android 4.0 ein frischeres Aussehen erhalten.

Eine der spektakulärsten Änderungen von Android 4.0 ist die neue Implementierung des Multitaskings. Ein Klick auf den betreffenden Button öffnet ein Menü, mit den aktuell geöffneten Apps. Dabei wird ein Vorschaubild angezeigt. Wischt der Nutzer eine App zum rechten Rand des Touchscreens, wird die App beendet. Die Bedienung erfordert gegenüber der alten Gingerbread-Version ein wenig Eingewöhnungszeit - dann lässt sich das Tablet jedoch sehr schnell und komfortabel bedienen.

Fazit: CyanogenMod 9 läuft rund

Ist CyanogenMod 9 erst einmal installiert - was sehr aufwändig und nervenaufreibend war - hat der Tablet-Nutzer ein vollwertiges und performantes Android-4.0-System in den Händen. Dabei ist zu bedenken, dass es sich bei unserer getesteten Version noch nicht einmal um ein fertiges CyanogenMod 9 handelt, sondern um den Release Candidate. Mit der Zeit könnten also noch weitere Optimierungen und Verbesserungen kommen. Aufgrund der Risiken bei der Installation sollte CyanogenMod 9 nur von erfahrenen Nutzern auf das Gerät installiert werden. Empfehlenswert ist zudem, auf die fertige Version von CyanogenMod 9 zu warten.

Soll später eine aktualisierte Version von CyanogenMod 9 installiert werden, dürfte dies deutlich leichter sein, da kein neuer Recovery-Modus installiert werden muss - die Quelle aller Probleme bei der Installation. Auch Android Jelly Bean 4.1 könnte auf das Tablet kommen, falls die Treiber funktionieren. Erfahrungsgemäß werden offiziell unterstützte Geräte nur selten von neuen Versionen ausgeschlossen.

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