Zwangsbeglückung

Galaxy Note: "Stabilitäts-Update" kommt mit Zwangswerbung

Unverlangt installierte Apps nerven Nutzer und werfen Fragen auf
AAA

Das momentan auf dem Samsung Galaxy Note ausgelieferte "Stabili­täts-Up­date" nutzt Samsung für die unverlangte Installation von Werbe-Apps. Nach dem Update finden sich im App-Menü sechs neue Anwendungen, die bereits während dem Update angekündigt wurden. Doch Abwählen lässt sich die Zwangsbeglückung nicht.

Samsung Galaxy Note

Nach dem Mitte Juli ausgelieferten Update auf Android 4.0.4 hatte das Samsung Galaxy Note in punkto Performance einen großen Schritt nach vorne gemacht: Seither ließ sich das Riesen-Smartphone wieder deutlich flüssiger bedienen als zuvor. Umso unverständlicher ist die Praxis, Kunden, die ursprünglich rund 600 Euro für das Gerät bezahlt haben, mit Zwangs-Werbe-Apps zuzuschütten.

Kaum praktischer Nutzen durch neue Apps

Galaxy Note: Stabilitäts-Update kommt mit ZwangswerbungGalaxy Note: "Stabilitäts-Update"
kommt mit Zwangswerbung
Die Praxis, Software-Updates von Smartphones für das ungefragte Installieren neuer beziehungsweise Löschen alter Apps zu nutzen, ist nicht neu: Unter Android sind praktisch alle Hardware-Hersteller mehr oder weniger dazu verpflichtet, die von Google vorgegebenen Apps zusammen mit dem Smartphone-Betriebssystem sowie allen Updates auszuliefern. Für regelmäßige Nutzer von Google-Dienstleistungen kann dies unter Umständen sinnvoll sein. Wer aber beispielsweise das soziale Netzwerk Google+ nicht aktiv nutzt, kann die entsprechende App ohne Root-Zugang auf dem Smartphone nicht mehr loswerden.

Beim aktuellen Update hat Samsung den Bogen aber deutlich überspannt: Gleich sechs unverlangte Apps fanden wir nach dem neuesten Update auf dem Galaxy Note. Das rund 14,5 MB große Update war zuvor lediglich als "Stabilitäts-Update" angekündigt worden. Der Download und die Installation gingen in unserem Test in einem üblichen Zeitrahmen von etwa sechs Minuten vonstatten. Währenddessen startete das Smartphone zweimal neu, anschließend wurden - wie beim letzten Update - die bereits vorher installierten Apps optimiert.

Im letzten Update-Schritt erschienen erstmals bei einem Galaxy-Note-Update übergroße App-Icons auf dem Bildschirm mit dem Hinweis, dass diese App gerade installiert oder aktualisiert wird. Zuerst handelte es sich um bereits bekannte Galaxy-Note-Anwendungen wie "S Note", anschließend tauchten aber unvermittelt neue Icons auf - ohne die Möglichkeit, die App-Installation abzubrechen. Ungefragt neu installiert wurden die Apps vom Hotel-Reservierungsdienst HRS, die Hugendubel-App, der kaufDA Navigator sowie die Anwendungen von Lieferheld, myTaxi und Play Books. Ebenfalls neu hinzu kamen die beiden Live-Hintergründe "Wetteransicht Ozean" und "Wetteransicht Wind".

Nicht alle Apps können deinstalliert werden

Zwangs-Apps, die nicht von Google stammen, lassen sich deinstallierenZwangs-Apps, die nicht
von Google stammen, lassen sich deinstallieren
Bei "Play Books" handelt es sich wiederum um eine Zwangs-App von Google, die nicht deinstalliert werden kann und die in der App-Übersicht des Einstellungsmenüs nicht einmal aufgeführt ist. Es scheint sich also um einen neuen "Bestandteil" von Android zu handeln - ob nun gewünscht oder nicht. Beim Start der App passiert allerdings gar nichts, weil die Synchronisation der eBook-Lese-App standardmäßig deaktiviert ist. Der Nutzer kann also selbst entscheiden, ob der die App mit seinem Google-Play-Account verwenden möchte.

Die restlichen fünf Zwangs-Apps konnten wir allerdings über das Einstellungs-Menü deinstallieren, ohne sie jemals vorher gestartet zu haben. Dies dauerte im Test rund zwei Minuten, ist also zeitlich kein allzu großer Aufwand. Interessant wäre aber eine Antwort auf die Frage, ob die Apps ungefragt (mobilen) Datenverkehr auf dem Smartphone verursachen, wenn man sie nicht deinstalliert oder - als unbedarfter Nutzer - schlicht übersieht. Der Anwender hat auch keine Möglichkeit, den von diesen Apps unter Umständen ausgelösten Sicherheits-, Datenschutz- und Stabilitätsproblemen auszuweichen. Durch solche Aktionen werden sich eigentlich seriöse Anbieter wie Samsung also definitiv keine Freunde machen und gegebenenfalls treue Kunden vergraulen.

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