
DVB-T: Auf dem Flachfernseher in die Röhre gucken
Auf dem
Flachfernseher
in die Röhre gucken - das können künftig
möglicherweise Zuschauer, die nicht vom digitalen Antennenfernsehen
DVB-T
auf eine andere Empfangstechnologie
(
Kabel,
Satellit,
IP-TV) umrüsten.
Denn die RTL-Gruppe will die terrestrische Ausstrahlung ihres Signals
beenden. Auch die wichtigste konkurrierende
private Sendergruppe, Pro7, Sat.1, Kabel 1 und Sixx,
denkt über einen Ausstieg nach.
Begründet wird die DVB-T-Abneigung von beiden Sendergruppen mit
Kostenargumenten: Pro Zuschauer koste DVB-T das 30-fache wie die
Satellitenausstrahlung. Diesbezüglich macht sich die geringe Durchdringung
von DVB-T bemerkbar: Berlin liegt mit einem Zuschaueranteil von 20 Prozent, die
über diese Technologie empfangen, noch am besten. Bundesweit sind es
den Angaben zufolge im Durchschnitt 4,3 Prozent; aber da sind bei der
Basis auch die Haushalte außerhalb der Ballungszentren mitgezählt,
die gar kein Antennenfernsehen nutzen können.
Unbestreitbar ist, dass die terrestrische Ausstrahlung für
die Fernsehsender am teuersten ist, da ein großes Sendernetzwerk
betrieben werden muss. Angesichts dessen, dass die Mobilfunkunternehmen
Milliardensummen für einzelne Kanäle der
digitalen Dividende
bezahlt haben, ist zudem zu
befürchten, dass künftig auch die TV-Sender für die
Frequenzrechte bezahlen müssen. Schließlich hat das Kartellamt den
beiden genannten Sendergruppen jüngst wegen illegaler Absprachen
die Grundverschlüsselung ihrer Programme für die nächsten zehn Jahre
untersagt. Die Sender können die Kosten für das DVB-T-Sendernetzwerk
also auch nicht durch den Verkauf vom Smartcards umlegen.
Auf der anderen Seite hat der Zuschauer
mit DVB-T oft den geringsten Aufwand, insbesondere dann, wenn eine
einfache Zimmerantenne zum Empfang reicht.
Kabel-TV oder IP-TV kosten hingegen monatliche Grundgebühren,
bei Satellitenempfang ist die Antennenmontage meist deutlich
aufwändiger als für DVB-T.
Wer zahlt?
Letztendlich geht es also - wie war es auch anders zu erwarten - beim
absehbaren DVB-T-Aus der wichtigsten privaten Sender um's liebe Geld.
Schon heute sind die privaten Sender mit ihrem DVB-T-Engagement viel
zurückhaltender als die öffentlich-rechtlichen. Von 30 Sendestationen
in Niedersachsen strahlen nur sechs auch private Programme aus. In Bayern
nutzen die Privaten gar nur drei von 28 Sendestationen mit. Zusätzlich
senden die Privatsender oft mit reduzierter Leistung: Der Berliner
Fernsehturm am Alexanderplatz strahlt das Bouquet mit dem
Ersten mit 120 kW aus,
das RTL-Bouquet hingegen mit nur 20 kW. ProSiebenSat.1 hat allerdings
ebenfalls 120 kW gebucht.
Der kontinuierliche Betrieb eines terrestrischen Senders mit
100 kW effektiver Sendeleistung in Hauptsenderichtung benötigt
jährlich ca. eine viertel Million
Kilowattstunden Strom. Man kann leicht ausrechnen, dass alleine die
Stromkosten eines DVB-T-Bouquets in den verdichteten Siedlungsgebieten
(also ohne ländliche Wohngebiete, aber mehr als nur die Innenstädte)
mehr kosten
als die Miete eines Satellitentransponders für ein Jahr. Dabei bietet
der Satellitentransponder die vierfache Bandbreite eines DVB-T-Bouquets
und deckt das ganze Bundesgebiet ab.
Dank Technologiefortschritten wird sich künftig die Lebensdauer von
Satelliten ebenso weiter verlängern wie die Zahl der Transponder pro
Satellit. Stichworte sind hier Ionenantrieb (der weniger Treibstoff
benötigt, um den Satelliten auf Position zu halten) und verbesserte
Solarzellen. Die Kosten für Bau und Start von TV-Satelliten sind in
den letzten Jahren relativ konstant geblieben. Sollten sich kommerziell
ausgerichtete Raumfahrtunternehmen wie SpaceX künftig einen größeren
Teil der Aufträge sichern können, könnten die Startkosten sogar sinken.
Nachdem DVB-T in der jetzigen Form keine Zukunft hat, widmen wir uns auf der folgenden Seite der Frage: Sollte man DVB-T ausbauen, abschalten oder auslaufen lassen? Oder wäre ein sofortiger Umstieg auf DVB-T2 sinnvoller?