RIM-ageddon: Bis zu 6 000 Mitarbeiter müssen gehen
20.06.2012 18:18
Sinkende Marktanteile und Umsatz hinterlassen Spuren
Von dpa /
 Jetzt wird es auch für RIM-Mitarbeiter ernst: Medienberichten zufolge steht eine Entlassungswelle bevor.
Beim angeschlagenen Blackberry-Hersteller
Research in Motion rollt die befürchtete Entlassungswelle an. Die
einst so beliebten E-Mail-Maschinen verkaufen sich nach dem Siegeszug
von Apples iPhone und den Android-Smartphones immer schlechter. Das
Management reagiert mit einem drastischen Sparprogramm.
Die ersten Stellen seien bereits gestrichen worden, bestätigte
eine Firmensprecherin am Mittwoch. "RIM will im Laufe dieses
Geschäftsjahres die Effizienz deutlich steigern und die operativen
Kosten senken", erklärte sie auf Anfrage. Mindestens ein Milliarde
US-Dollar (790 Millionen Euro) sollen eingespart werden. "Die Reduzierung
der Belegschaft ist Teil dieser Initiative."
Stellenabbau war angekündigt: Umfang weiterhin ungewiss
Der aus Deutschland stammende RIM-Chef Thorsten Heins hatte Ende
Mai grundsätzlich angekündigt, dass Stellen wegfallen werden. Unklar
ist weiterhin, wie viele Mitarbeiter am Ende gehen müssen. Das
kanadische Unternehmen nennt bislang keine Zahlen.
Die Spekulationen in nordamerikanischen Medien und bei Analysten
rangieren von 2 000 bis zu 6 000. RIM beschäftigte Anfang März noch
16 500 Mitarbeiter. Eine erste Kündigungswelle im vergangenen Jahr
hatte bereits rund 2 000 Jobs gekostet. Zwischenzeitlich mussten unter
dem Druck der unzufriedenen Aktionäre auch mehrere hochrangige
Manager gehen - darunter das einstige Führungsduo Jim Balsillie und
Mike Lazaridis.
Die beiden hatten die Marke Blackberry aufgebaut. Über Jahre war
das multifunktionale Handy mit der legendären Tastatur ein
Statussymbol der Manager. Der Markteintritt von Apple mit seinem
iPhone im Jahr 2007 veränderte jedoch alles: Plötzlich war der
berührungsempfindliche Bildschirm das Maß der Dinge, und
Apps eroberten die Handys im Sturm.
RIM konnte mit seinen Blackberrys nicht Schritt halten.
Blackberry 10 soll RIM-ageddon verhindern
Der einstige Siemens-Manager Heins hatte Anfang des Jahres das
Ruder bei RIM übernommen und setzt nun große Hoffnung auf das neue
Betriebssystem Blackberry 10. Damit will das Unternehmen
technologisch zur Konkurrenz aufschließen. Eine Vorabversion wurde
auf einer Entwicklermesse Anfang Mai gezeigt, nach mehrfacher
Verzögerung soll es Ende des Jahres auf den Markt kommen.
Den Marktforschern vor Gartner zufolge schrumpfte der
Blackberry-Anteil am Smartphone-Geschäft im ersten Kalenderquartal
auf 6,9 Prozent - von 13 Prozent noch ein Jahr zuvor. RIM versucht
aktuell, mit Preissenkungen und einem Schwerpunkt auf Schwellenländer
wie Indien gegenzusteuern, wo sich viele Kunden kein iPhone leisten
können. Die Preisabschläge zusammen mit den Verkaufsrückgängen sorgen
jedoch für schlechte Ergebnisse.
Das Unternehmen will bei der Vorlage der nächsten Quartalszahlen
am Donnerstag kommender Woche nähere Einzelheiten zum
Umbau bekanntgeben. Konzernchef Heins hatte eine lange Durststrecke
vorausgesagt und für das Quartal einen neuerlichen Verlust
angekündigt. Investmentbanker sollen nun helfen, Wege aus der Krise
zu finden. Selbst ein Verkauf des Unternehmens scheint möglich. Die
Aktie liegt am Boden.
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