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Editorial: Elektroschrott als Rohstoffquelle?

Knappheit an wichtigen Metallen bewegt die Handy-Industrie
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China hat es geschafft: Beim Abbau der sogenannnten Seltenen Erden - einer im Chemie-Unterricht meist wenig beachteten, für technologische Zwecke aber immer wichtigeren Gruppe von Elementen - haben sie einen Marktanteil von weit über 90 Prozent erreicht. Fast alle anderen Minen, in denen ebenfalls Seltene Erden abgebaut wurden, mussten aufgeben oder haben ihre Produktion zumindest stark gedrosselt. Vor drei bis vier Jahrzenten waren hingegen noch die USA der führende Produzent dieser Metalle. Elektroschrott als RohstoffquelleElektroschrott als Rohstoffquelle?

Auch in Handys stecken Seltene Erden, insbesondere in den Leuchtstoffen der für die Hintergrundbeleuchtung der Farbdisplays verwendeten Leuchtdioden: Ohne diese Leuchtstoffe würden die Dioden nur blaues Licht aussenden; erst die Leuchtstoffe konvertieren einen großen davon zu den anderen Grundfarben grün und rot. Ebenso stecken die Seltenen Erden als Beimischung in vielen Spezialgläsern. So auch sicher in vielen Display-Frontgläsern, um es besonders bruchfest oder kratzfest zu machen, oder zu dessen Entspiegelung.

Und so werden auch Handys immer wieder als Produkt benannt, das von den jüngst von China erlassenen Exportbeschränkungen für Seltene Erden betroffen ist. Hersteller außer Chinas können damit Handys mit Farbdisplay voraussichtlich nur teurer oder von schlechterer Qualität oder etwa gar nicht mehr herstellen.

An sich sind Seltene Erden - zumindest im Vergleich zum aktuellen Bedarf - nicht knapp. Die weltweit nachgewiesenen abbauwürdigen Vorkommen betragen zirka das 800-Fache der Jahresproduktion. Auch befindet sich über die Hälfte davon außerhalb Chinas. Man müsste dort also "nur" in die Erde bohren und mit dem Abbau beginnen. Freilich dauert die Einrichtung einer Mine schnell zwei Jahre und mehr.

Hohe Arbeiterlöhne und hohe Sicherheits- und Umweltschutzstandards haben den Abbau Seltener Erden außerhalb Chinas in den letzten Jahren unrentabel gemacht. Selbst, wenn er jetzt wieder aufgenommen wird, hätten wir am Schluss zwei Marktpreise für diese wichtigen Metalle: einen niedrigen innerhalb Chinas, zu dem lokale Hersteller und sicher auch Schmuggler einkaufen können, und einen höheren für den Rest der Welt.

Recycling als alternative Quelle!?

Und so kommt eine mögliche Rohstoffquelle zunehmend ins Blickfeld der Rohstoff-Strategen: das Recycling alten Elektroschrotts. Freilich wissen auch die Recycling-Unternehmen oft genug nicht, welcher besonders wertvolle Stoff wo genau verbaut ist. Mit Sicherheit stecken Seltene Erden, Tantal, Gold, Silber und Kupfer in jedem Handy, oft auch noch Titan. Nur was davon steckt als Reinmetall oder in welcher chemischen Verbindung in welchem Bauteil, und wie genau kommt man da wieder ran? Die Hersteller betrachten die eingesetzten Rohstoffe als Firmengeheimnis, und eine genaue Recycling-Anleitung gibt es sowieso nicht.

Und so werden oft genug nur die (Halb-)Edelmetalle Kupfer, Silber und Gold zurückgewonnen. Insbesondere beim von Umweltschutzorganisationen immer wieder angeprangerten wilden Recycling in zahlreichen Entwicklungsländern werden garantiert nur die Edelmetalle zurückgewonnen, denn sie verbleiben nach dem Verbrennen der Geräte als Reinmetall in der Schlacke und lassen sich gut von dieser trennen. Man müsste hingegen schon fast dieselben Methoden wie beim Aufschluss der Erze bei den Original-Lagerstätten anwenden, um aus der Schlacke auch noch Seltene Erden oder Tantal zurückzugewinnen.

Auf der zweiten Seite unseres Editorials lesen Sie, ob sich der höhere Aufwand lohnt für die Vorab-Trennung der Einzelkomponenten eines Handys, um aus diesem gezielt die jeweils eingesetzten Metalle wiedergewinnen zu können.

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