mobiles Inkasso

Betrügerische Premium-SMS: Vodafone streicht Forderungen

teltarif hilft: Vodafone streicht Forderungen nach Premium-SMS-Betrug
AAA
Teilen (3)

Markus P. (Name geändert) hatte über seine Mutter einen Zwei-Jahres-Vertrag mit einer Flatrate ins eigene Netz für monatlich 39,95 Euro bei Vodafone abgeschlossen. Als er auf Wohnungsuche eines Tages einen "Anrufer in Abwesenheit" - eine normale Handynummer - zurückgerufen hatte, wurde ihm mit "Falsch verbunden!" geantwortet.

Bis dahin ein Vorgang, wie er immer wieder vorkommen kann. Doch kurz danach trudelten jede Menge Kurzmitteilungen auf seinem Handy ein: "Ich habe Dich gesehen, warum antwortest Du nicht?" Markus P. antwortete nicht. Zum einen, weil ihm die Absendernummer verdächtig kurz vorkam und zum zweiten, weil er seine Beziehung nicht aufs Spiel setzen wollte.

Die nächste Rechnung löste einen großen Schock aus. Markus P. soll Unmengen von Premium-SMS an eine Kurzwahl der Firma MintNet geschickt haben, die über seinen Vertragspartner Vodafone abgerechnet wurden; Vodafone hat diese Beträge von seinem Konto abgebucht. Insgesamt rund 1 000 Euro, doch Markus P. beteuert, keine einzige dieser teuren SMS verschickt zu haben.

Die Hotline hilft nicht

Anrufe bei der Vodafone-Hotline halfen nichts, die Abrechnung sei so schon in Ordnung. Zur Überprüfung der Korrektheit der Rechnungen wurde ein Einzelnachweis der Premium-SMS von Vodafone angefordert. Die Mutter erinnert sich, "so etwa 100 Mal" angerufen und geschrieben zu haben. Ohne Erfolg. Vodafone-Zentrale in DüsseldorfVodafone-Zentrale in Düsseldorf

Erst nach Vorsprache im örtlichen Vodafone-Shop und "deutlichem Auftreten" versprachen die Mitarbeiter vor Ort, dass diese Nummern für den Kunden gesperrt würden. Es passierte aber nichts.

Nachdem sich das Problem wie beschrieben nicht lösen ließ, kündigte die Mutter im Oktober 2008 den Vertrag außerordentlich, da Vodafone trotz mehrfacher Aufforderung keine beweiskräftigen Unterlagen ausgehändigt habe. Ab dem 1. Oktober 2008 wurde die Karte nicht mehr genutzt und auch alle folgenden Rechnungen nicht mehr gezahlt. Im Januar 2009 erfolgte dann die Gegen-Kündigung durch Vodafone und die Anmeldung von Schadensersatzansprüchen bis zum Ende der Vertrags-Laufzeit. Es folgten Mahnungen durch ein Inkassobüro, drastische Briefe eines Rechtsanwalts im Auftrag von Vodafone. Gegen einen gerichtlichen Mahnbescheid legte die Kundin Einspruch ein, der Anwalt drohte unverhüllt mit Zwangsvollstreckung, die Hintergründe interessierten ihn nicht.

Nach erneuten Telefonaten mit Vodafone wurden die fehlenden Nachweise im Januar 2009 endlich zugesandt. Erst nach neun Monaten erfuhr die Mutter eher zufällig, um welche Firma es sich bei der MintNet in Flensburg handelt. Anrufe bei MintNet liefen ins Leere.

Was der Kundin offenbar niemand erzählt hatte: Bereits im Dezember 2008 wurden bei MintNet in Flensburg die Büros von der Staatsanwaltschaft durchsucht und Anklage erhoben. Was die Kundin ziemlich in Rage gebracht hat, "dass Vodafone die ganze Zeit gewusst hat, dass mein Sohn von Betrügern abgezockt wurde und sie es nicht für nötig fanden, mich zu informieren, dass die Staatsanwaltschaft Kiel Geschädigte von MintNet sucht." Stattdessen wollte Vodafone Schadensersatz für die nicht bezahlten Rechnungen.

Fernsehsendungen wie Spiegel-TV [Link entfernt] und das Sat.1-Magazin Akte 08 berichteten, das MintNet einschlägig bekannt sei. So sollte eine BASE-Kundin für unglaubliche 9 000 Euro SMS im Sekundentakt verschickt haben. Aber an dem Tag, der auf dem EVN gelistet war, feierte sie unter Zeugen ihren Geburtstag - das Handy hatte sie den ganzen Abend gar nicht in der Hand. BASE - so Akte 08 - habe das damals auch nicht interessiert. Auf der folgenden Seite erfahren Sie, welche Wendung dieser Fall noch nahm.

1 2 vorletzte
Teilen (3)