Interferenzen

Test: So massiv sind die Funk-Störungen durch Powerline-Adapter in der Praxis

Hersteller von Powerline-Adaptern behaupten, dass die aktuelle Technik keine Störungen verursacht. Wir haben dies untersucht. Im Test haben wir nachvoll­zogen, wie sich der Powerline-Einsatz auf den Empfang von Rundfunk­sendungen auf Kurzwelle auswirkt.
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Das Thema Powerline versus Störungen im Lang-, Mittel- und Kurzwellenbereich ist nicht neu. Sowohl Funkamateure als auch Radiohörer, die diese Wellenbereiche nutzen, klagen seit vielen Jahren über massive Beeinträchtigungen, die durch den Einsatz des Stromkabels für die Datenübertragung entstehen.

Zwar sind die Bestrebungen der Energiekonzerne, Powerline als eine Art Ersatz für DSL oder Kabel-Internet einzusetzen und ganze Städte mit der Technik zu versorgen, weitgehend aufgegeben worden. Hersteller wie AVM oder Devolo verkaufen allerdings weiterhin in großem Maße Powerline-Adapter für die Heimvernetzung.

Für und Wider der Powerline-Technik

Powerline-Adapter-Set von DevoloPowerline-Adapter-Set von Devolo Der Vorteil von Powerline liegt dabei auf der Hand: Die WLAN-Reichweite ist oft begrenzt und entlegene Ecken der Wohnung oder des Hauses sind im 2,4- und erst recht im 5-GHz-Bereich nicht oder nur noch schwach zu erreichen, zumal auch Sende- und Empfangsleistung der WLAN-Adapter recht gering sind. Das Stromnetz liegt dagegen überall im Haus an, so dass sich darüber auch Entfernungen überbrücken lassen, die per WLAN nicht zu meistern sind.

Die Kehrseite der Medaille sind aber Funkstörungen, die von der Powerline-Technik ausgehen. So haben die Hersteller gegenüber teltarif.de selbst eingeräumt, dass für die Datenübertragung über das Stromnetz der Frequenzbereich zwischen 2 und 68 MHz genutzt wird. Damit ist unter anderem der gesamte Kurzwellenbereich (3 bis 30 MHz) betroffen.

Darum lassen sich Störungen nicht verhindern

Test in störungsarmer Umgebung auf dem Hoherodskopf im VogelsbergTest in störungsarmer Umgebung auf dem Hoherodskopf im Vogelsberg Die Störungen treten dadurch auf, dass das Stromnetz niemals für Datenübertragungen konzipiert wurde. Die Leitungen sind ungeschirmt und wirken so wie eine große Antenne, die die Funkwellen nach außen überträgt. Das hat auch Nachteile für die Powerline-Technik selbst, wie sich in einem Test von teltarif.de in einem Zwei-Familien-Haus gezeigt hat.

Der seinerzeit genutzte DSL-16 000-Anschluss lieferte direkt hinter dem Router tatsächlich knapp 16 MBit/s im Downstream. Nachdem die Strecke vom Keller zum ersten Obergeschoss mit Powerline überbrückt wurde, kamen bestenfalls noch rund 12 MBit/s an. Je nachdem, welche Störungen auf der nicht abgeschirmten Leitung lagen, erreichten wir aber zeitweise nur noch Download-Geschwindigkeiten von 6 bis 8 MBit/s, denn ähnlich wie WLAN regelt auch Powerline bei schlechter Verbindung die Bandbreite herunter.

Nun wollten wir konkret wissen, inwieweit durch den Powerline-Einsatz andere Funkdienste gestört werden, nachdem uns AVM und Devolo als Hersteller mitgeteilt hatten, Störungen seien nicht zu erwarten und sämtliche eventuell bestehende Vorbehalte gegenüber den Produkten seien ausgeräumt worden.

Auf Seite 2 berichten wir darüber, wie wir den potenziellen Störungen durch den Einsatz von Powerline auf den Grund gegangen sind und warum der Kurzwellenbereich auch im 21. Jahrhundert noch eine große Bedeutung hat.

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