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Eine Frage der Politik: Darf die Polizei die Bürger duzen?

Lokal und nah am Menschen will sie sein, wird nun aber durch einen landesweiten Erlass zur Distanz verdonnert: Eine neue Vorschrift des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen sorgt auf Facebook für Kopfschütteln.
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Eine Frage der Politik: Darf die Polizei die Bürger duzen?Darf die Polizei die Bürger duzen? Nah am Bürger sein, das versuchen viele Unternehmen mithilfe verschiedener Social-Media-Kanäle. Doch gerade bei öffentlichen Ämtern und Behörden stellt sich die Frage, welche Anrede für die Kommunikation mit den Menschen gewählt werden sollte. Sollte man das professionelle, aber leicht distanziert wirkende Sie wählen? Oder ist auch das persönliche Du möglich, das Nähe und eine gewisse Gemeinschaft ausdrückt? Mit diesem Thema hat sich nun der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger (SPD), beschäftigt und entschieden, dass Behörden künftig das Duzen auf sozialen Netzwerken zu unterlassen haben.

Bei der neuen Regelung im Umgang mit sozialen Netzwerken handelt es sich nicht nur um eine einfache Arbeitsanweisung, der Innenminister geht sogar so weit, die ab sofort geltenden Vorgaben in einem landesweiten Erlass herauszugeben. Sein Augenmerk fällt dabei vor allem auf die nordrhein-westfälische Polizei, die unter anderem per Facebook und Twitter über aktuelle Neuigkeiten in der Region informiert. "Der NRW-Polizei ist der respektvolle Umgang mit den Bürgern sehr wichtig. Sie können von der Polizei immer erwarten, höflich angesprochen zu werden", begründete ein Ministeriumssprecher den Erlass, der bereits im Dezember an die Polizeidienststellen ergangen sei.

Verwunderte Kommentare auf Facebook

Am Mittwoch hatte die Polizei in Essen via Facebook auf die geänderte Sprachregelung hingewiesen und um Verständnis gebeten. "Essen war immer ein Vorreiter bei der Kommunikation mit den Bürgern über Facebook. Andere Dienststellen haben nachgezogen und nicht geduzt, sondern die Bürger mit Sie angesprochen.

In diversen Kommentaren haben Follower das Thema "Sie statt Du" nach der Bekanntgabe der neuen Regelung diskutiert. "Die Leute vom Innenministerium haben wohl auch nichts besseres zu tun!? Wir sind im Ruhrpott da sagt man 'Du'!" heißt es von einem Nutzer. "Hatte Herr Jäger Langeweile? Gerade dieses Duzen trägt zur Bürgernähe bei", meint ein anderer. Als Antwort von der Polizei heißt es, dass manche Entscheidungen auf den ersten Blick vielleicht nicht nachvollziehbar seien. Man müsse jedoch allen gerecht werden und vor allem als Polizei landesweit gleich auftreten. Je nach Zielgruppe, also zum Beispiel bei Kindern und Jugendlichen, sei das Du aber durchaus noch erlaubt.

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