
Kampf gegen Hacker-Angriffe
Nach den
Hacker-Angriffen auf die drei
wichtigsten US-Zeitungen und Twitter haben Spitzen der Politik und
Wirtschaft zum Kampf für mehr Cyber-Sicherheit aufgerufen. Nötig sei
eine gemeinsame Kraftanstrengung von Regierungen, Unternehmen und
auch den einzelnen Internet-Nutzern, meinten Bundesinnenminister
Hans-Peter Friedrich (CSU) und der Direktor der amerikanischen
National Security Agency (NSA), Keith Alexander bei der Münchner
Sicherheitskonferenz. Wie Sicherheit im Web garantiert werden könne,
sei eine entscheidende Frage des 21. Jahrhunderts, sagte Friedrich.
In den USA hatten sich zuletzt die Hacker-Angriffe auf bedeutende
Tageszeitungen des Landes gehäuft. Die "Washington Post" räumte eine
mehrere Jahre zurückliegende massive Attacke vermutlich aus China
ein. Wenige Tage zuvor hatten die "New York Times" und das "Wall
Street Journal" von Passwortdiebstählen berichtet, hinter denen
chinesische Hacker-Gruppen vermutet werden. In einem unabhängigen
Fall meldete auch der Kurzmitteilungsdienst Twitter gestern einen
Hacker-Einbruch. Dabei seien möglicherweise Daten von rund 250 000
Nutzern erbeutet worden.
Zahl der Angriffe nimmt beständig zu
Die stellvertretende US-Heimatschutzministerin Jane Holl Lute
mahnte, niemand könne es sich leisten, der Cyber-Kriminalität einfach
zuzusehen. Den Kampf für mehr Sicherheit im Internet könne keine
Regierung alleine gewinnen. In der Diskussion wurde deutlich, dass
die Zahl der Angriffe beständig zunimmt - und dass es sich um Akte
unterschiedlichster Art handelt. Oftmals werden Eindringlinge in
Systeme erst nach Wochen oder nach Monaten überhaupt erkannt.
Die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes betonte, jeder einzelne
Nutzer könne einen Beitrag leisten, um den digitalen Raum sicherer zu
machen. "Jeder ist verantwortlich, nicht nur Staaten und
Unternehmen." Bereits vor einigen Tagen hatte sie bei einer Konferenz
in Brüssel gefordert, die Meldepflicht für Hackerangriffe auf viele
Branchen auszuweiten, die wichtig für die Wirtschaft und die
Gesellschaft seien. Konkret hatte sie Energie- und Transportfirmen,
Banken, Gesundheitsversorger und entscheidende Internetunternehmen
genannt. Solch eine Verordnung könnte für Zehntausende Firmen gelten.
Bitkom lehnt eine Meldepflicht für Hackerangriffe ab
Für diesen Donnerstag ist die Vorstellung eines Vorschlags für die
neue "Cyber Security Strategy" der EU-Kommission vorgesehen. Der
Unternehmensverband der Informationswirtschaft Bitkom lehnt eine
Meldepflicht für Hackerangriffe ab. Man müsse im Einzelfall
entscheiden, was meldenswert sei, sagte der Bitkom-Sicherheitsexperte
Lutz Neugebauer der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Der Angriff bei der "Washington Post" sei bereits 2011 entdeckt
und gestoppt worden, berichtete die Zeitung. Die
Eindringlinge seien wohl seit 2008 oder 2009 unbemerkt im
Computer-Netzwerk unterwegs gewesen, hieß es unter Berufung auf
unterrichtete Personen. Dabei hätten sie wahrscheinlich auch
Administrator-Passwörter gestohlen, die ihnen weitreichenden Zugang
zu allen Systemen gewährt hätten. Es sei unklar, ob und welche
Informationen gestohlen worden seien.
Die "New York Times" und das "Wall Street Journal" hatten jüngst
ebenfalls von höchstwahrscheinlich aus China geführten
Hacker-Attacken im vergangenen Jahr berichtet. Die "New York Times"
entdeckte den Einbruch nach etwa sechs Wochen und ließ die Angreifer
rund vier Monate agieren, um sie auszuspähen.
Die Attacken ereigneten sich, als die Zeitungen an Berichten über
das Vermögen von Familien führender chinesischer Politiker
arbeiteten. Die Behörden in China weisen die seit Jahren andauernden
Vorwürfe der Cyberspionage stets zurück.
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