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Picobook Pro: Fruchtiger Neun-Zoller aus England

Auf der internationalen Funkausstellung Ende August wurde einem Netbook besonders viel
Von Johannes Haupt
AAA

Auf der internationalen Funkausstellung Ende August wurde einem Netbook besonders viel Aufmerksamkeit zuteil - maßgeblichen Anteil daran hatte der Herstellername. Der Commodore UMMD ist technisch zwar nicht ganz auf der Höhe der Zeit, weckte auf der Messe aber so manches nostaligisches Gefühl bei IT-Journalisten wie Besuchern.

Ähnlich verhält es sich mit dem Picobook Pro der britischen Traditionsmarke Apricot Computers. Anfang der 90er Jahre von Mitsubishi geschluckt (und wenig später geschlossen), erlebt das Unternehmen nun ein Comeback im Netbook-Zeitalter.

Vergangenen Donnerstag wurde in einem Londoner Hotel das erste Produkt des wiederauferstandenen Unternehmens vorgestellt: Das 980g leichte Picobook Pro wurde zwar wortreich als technisches Highlight in bislang bei Netbooks unbekannter Qualität präsentiert, kann zumindest auf dem Papier aber nicht überzeugen.

Die 1,2 GHz VIA C7M CPU zieht im Vergleich zu aktuellen Intel Atom Netbooks ebenso den Kürzeren wie die 60 Gbyte kleine Festplatte, auf der SuSE Linux oder (gegen Aufpreis) Windows XP vorinstalliert ist. Der 2200mAh Akku soll für 3-4 Stunden netzlosen Betrieb reichen, auch das ist - falls überhaupt unter Normalbedingungen realistisch - allenfalls durchschnittlich.

Beworben wird wortreich die außergewöhnliche Qualität des "im Pro-Segment" positionierten Netbooks, entsprechend tief muss trotz veralteter Technik in die Geldbörse gegriffen werden. Umgerechnet EUR 360 kostet das ab dem 1.11. verschiffte Netbook mit Linux. Die Ausführung mit Windows XP (aber ohne WiMAX, dass "optional" zu haben sein soll) liegt sogar bei happigen EUR 430 - deutlich mehr für die Top End Neun-Zoller von Acer und ASUS zu bezahlen sind, welche dem Picobook Pro in jeder Hinsicht überlegen sind.

Vermutliches Kalkül: Viele früheren Anhänger der Aprikosenmarke sind inzwischen erwachsen, dürften über das nötige Kleingeld für ein bisschen Nostalgie verfügen. Apricot sollte nur nicht den Fehler machen, das Picobook Pro technisch "wertfreien" Netbooks gegenüber zu stellen - schon die Anpreisungen von "eindrucksvollen 60 Gbyte Speicherplatz" und einem "Hochleistungsakku" wirken belustigend.