
Der Patent-Pakt von Microsoft und Samsung gefällt Google gar nicht.
Es klingt absurd, aber es ist die logische Folge der aktuellen
Patent-Portfolios der IT-Giganten:
Wenn
Samsung ein Smartphone oder Tablet
mit
Android
ausliefert, dann erzielt
Google keine
direkten Einnahmen damit, sehr wohl aber indirekte Einnahmen,
etwa über die Umsatzbeteiligung an den verkauften Apps im Android
Market oder über mobile Onlinewerbung. Direkter Profiteur ist
hingegen Microsoft:
Nach
HTC hat nun auch Samsung dem Druck
Microsofts nachgegeben und ein entsprechendes Lizenzabkommen zur
Nutzung von Microsofts Patenten geschlossen.
Die Reaktion Googles, dass Microsoft hier Gewinne aus der
Leistung anderer erpressen würde, ließ nicht lange auf sich warten.
Dabei geht Google bei der Verteidigung des eigenen Patent-Portfolios,
allen voran dem "Page-Rank"-Algorithmus, auch nicht gerade zimperlich
vor. Alle Welt weiß, dass Microsoft, seit Jahrzehnten der mit Abstand
führende Hersteller von Betriebssystemen für Desktops und Laptops ist.
Und in dieser Zeit soll es Microsoft nicht gelungen sein, ein paar
wesentliche Patente zu positionieren, zumal beim gegenüber
Software-Patenten im Vergleich zum EU-Patentrecht deutlich
aufgeschlosseneren US-Patentrecht?
Natürlich führen die Android-Lizenzzahlungen an Microsoft zu der
absurden Situation, dass Microsoft mit Android derzeit mehr Geld verdient
als mit dem eigenen mobilen Betriebssystem
Windows Phone 7.
Daran ist aber nicht Microsoft schuld, sondern das Patentrecht. Mit
den kolportierten 5 bis 7 Dollar pro Gerät liegen die Zahlungen
an Microsoft zumindest für high-end-Androiden im überschaubaren
Bereich. Kritisch wird es aber im sich rasch entwickelnden
Niedrigpreisbereich: Wenn das ganze Handy nur
70 Dollar kosten soll, dann schmerzen 7 Euro für
die Patent-Lizenz auf Betriebssystem-Komponenten richtig!
Teile und Herrsche!
Das weiß auch Google und investiert
zig Milliarden in die Übernahme von Motorola.
Doch liegt deren Patent-Portfolio überwiegend im Bereich Mobilfunk und
Hardware, weniger im Bereich der Betriebssysteme. Das ist sicherlich
1a-Munition im sich zuspitzenden
iPhone-Patentstreit mit
Apple, wo es am Ende sicher um viel mehr gehen
wird, als um 5 bis 7 Dollar pro Gerät, aber nur wenig hilfreich
gegen Microsoft.
Je mehr zudem ruchbar wird, dass der Google-Motorola-Deal auch dazu
dienen könnte, Google zum Hardware-Hersteller aufsteigen zu lassen,
desto mehr muss sich Samsung fürchten, bei Android künftig nur noch
die zweite Geige spielen zu dürfen. Deswegen treibt Samsung die hauseigene
Alternative Bada weiter
kräftig voran. Und stabilisiert die
Beziehungen zu Microsoft durch die Anerkennung von Patenten.
Am Ende ist der Softwarekonzern aus Redmond also der lachende
Dritte des Patentstreits zwischen Apple und dem Rest der Mobilfunkwelt.
Apple kommt das sicher nicht ungelegen: Das einzige, was sie derzeit
im Smartphone-Markt fürchten müssen, ist, dass Android das untere
und mittlere Preissegment so dominant besetzt, dass sie ihre derzeit
unangefochtene Führungsposition im oberen Preissegment
mit iOS verlieren. Je
mehr Konkurrenz sich im Smartphone-Markt tummelt, desto geringer ist
diese Gefahr.
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