Nach Terror-Anschlägen

Warnung vor Abschaltung des Rundfunks

In einigen Ländern wird derzeit über eine komplette Abschaltung der terrestrischen Rundfunknetzen diskutiert. Radio und Fernsehen sollen künftig nur noch internetbasiert oder über Mobilfunk verbreitet werden. Die Terroranschläge von Paris haben aber wieder gezeigt: Das erste, was bei solchen Ereignissen zusammen bricht, ist das Handynetz.
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Die Zukunft der terrestrischen Rundfunkübertragung ist offenDie Zukunft der terrestrischen Rundfunkübertragung ist offen Die Schweiz will sich langsam vom digital-terrestrischen Fernsehen verabschieden. Erster Schritt bisher: Die Sendeleistungen der DVB-T-Sender wurden im Frühjahr bereits erheblich reduziert, ein Umstieg auf die Nachfolgetechnik DVB-T2 wird bei den Eidgenossen wohl nicht mehr stattfinden. Stattdessen heißt es aus der Medienbehörde Bakom, dass die Relevanz der terrestrischen Verbreitung von TV-Programmen tendenziell abnehme. Umgekehrt nehme die Verbreitung von TV-Inhalten über Mobilfunknetze zu. Es sei davon auszugehen, dass sich "diese Entwicklung weiter fortsetzen wird, was langfristig zur Abschaltung der terrestrischen TV-Sendernetze führen dürfte".

Schweiz will gesamtes UHF-Band an den Mobilfunk vergeben

Die Schweiz unterstütze daher "die internationalen Harmonisierungs­bestrebungen, die Frequenz­nutzungsrechte für den Mobilfunk mittelfristig in das Band 694 bis 790 MHz und langfristig in das Band 470 bis 694 MHz auszudehnen", heißt es aus dem Bakom. Damit gebe es in der Schweiz keine Frequenzen mehr für digital-terrestrisches Fernsehen. Auch auf der momentan laufenden Funkkonferenz streben viele Staaten die Bereitstellung des gesamten UHF-Bandes für den Mobilfunk an. Das wäre gleichbedeutend mit dem Ende der terrestrischen Fernsehübertragung.

Ins gleiche Horn stoßen viele Hörfunk- und Fernsehveranstalter im In- und Ausland: Wozu noch für teure Rundfunknetze zahlen, wenn der gesamte Medienkonsum auch internetbasiert über Mobilfunk stattfinden kann. Bis am vergangenen Freitag all die Befürworter eines Hörfunks und Fernsehens ausschließlich über Internet und Mobilfunk wieder eines Besseren belehrt wurden: Denn das erste, was nach den Terroranschlägen von Paris zusammen gebrochen ist, waren die Mobilfunknetze. Wie zuvor schon bei 9/11 oder später bei den Anschlägen in Madrid, London oder auf den Boston-Marathon, wie bei anderen Katastrophen - Überflutungen, Wirbelstürmen oder Erdbeben. Die Pariser Bevölkerung hätte keine Chance gehabt, sich über Radio oder Fernsehen über das Geschehen in ihrer Stadt zu informieren, wären alle Rundfunksender bereits abgeschaltet.

Forderung nach Erhalt der Freiheit des Rundfunks

In Deutschland setzt sich Willi Schreiner, Geschäftsführer der bayerischen Neuen-Welle-Rundfunk-Verwaltungsgesellschaft, einem der größten Hörfunkunternehmen Deutschlands, für den digital-terrestrischen Hörfunk DAB+ ein, zum Teil gegen zahlreiche Kollegen aus dem Privatfunklager, die eine Zukunft des Hörfunks ausschließlich im Internet und über Mobilfunk sehen.

Laut Schreiner gehe es hierbei aber neben den Gebühren auch und vor allem um die Freiheit des Rundfunks. "Leider wird dieser Grundwert für elektronische Medien viel zu wenig beachtet und öffentlich diskutiert. Bisher glaubten wir vielleicht zu leichtfertig, dass alles machbar und immer noch besser wird, grenzenlos besser. Ein großer Irrtum", meint Schreiner, der zugleich betonte, dass "die furchtbaren Terroranschläge von Paris uns alle nachdenklich gemacht" und bedrückt hätten.

Stabilität und Zukunftsperspektiven durch Regulierung von Frequenzen

Auch die Regulierung von Frequenzen schaffe "für unser demokratisches Gemeinwesen Stabilität und echte Zukunftsperspektiven". Die Hasstiraden oder Lügen, die über soziale Netzwerke täglich verbreitet würden, zeigten, dass Struktur und Regulierung dringend geboten sei, auch bei elektronischen Medien. "Lassen Sie uns dies bei der Digitalisierung des Hörfunks beachten, er braucht ein eigenes terrestrisches Digitalnetz, um weiterhin unabhängige Grundversorgung, Information und Unterhaltung gewährleisten zu können", appelliert Schreiner.

Wie es sich anfühlt, wenn die TV-Versorgung unterbrochen ist, konnten DVB-T-Zuschauer ausgerechnet in der Terror-Nacht von Freitag auf Samstag in Berlin erleben, denn hier waren die terrestrischen Signale vom Fernsehturm auf dem Alexanderplatz abgeschaltet. Allerdings handelte es sich hierbei um eine angekündigte Unterbrechung im Rahmen des Antennenumbaus.

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