Was ist eigentlich mit ...?

Skyper und Cityruf: Pager - die Vorgänger der SMS

Einige Pager-Dienste bis heute in der Anwendung
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Der e*Cityruf von e*Message - noch heute im EinsatzDer e*Cityruf von e*Message - noch heute im Einsatz Mitte und Ende der 1990er Jahren waren sie für viele Jugendliche hipp, heute sind sie fast komplett in Vergessenheit geraten und selbst manch Telekommunikationsexperte weiß nicht auf Anhieb, dass es sie noch gibt: Die Pager-Netze. Ende des vergangenen Jahrtausend waren sie vor allem unter den Marken Scall, Quix und TelMI bekannt - überlebt hat keine dieser drei Marken. Auch ist Paging für Privatnutzer nicht mehr wirklich interessant und erst recht nicht relevant. Dennoch: Die Netze sind nach wie vor aktiv und werden auch aktiv genutzt. Im Rahmen unserer Serie "Was ist eigentlich mit...? zeigen wir Ihnen, wer heute auf Paging setzt und was es in der Vergangenheit für Dienste gab.

Pager sind im Allgemeinen Empfänger von Ton und/oder Textnachrichten, die mit der Größe einer halben Zigarettenschachtel auskommen. Sie können stets bei sich geführt werden, die Akkus reichen mehrere Wochen und sie sind - anders als ein Handy - nicht ortbar und stören auch keine sensiblen elektronischen Anlagen. Viele Jugendliche nutzen Mitte und Ende der 1990er Jahre Empfänger von Quix, TeLMI oder Scall, um erreichbar zu sein. SMS, die Anfang dieses Monats 20 Jahre alt geworden sind, gab es aufgrund der eingeschränkten Verbreitung von Handys nur selten, zudem waren die Kosten für einen Handyvertrag sehr hoch, während die Pager teils sogar ohne Grundkosten auskam. Dafür waren die Rufpreise hoch.

Nachrichtenversand über Operator per Anruf

Zumeist wurden die Nachrichten über Operator verschickt, das bedeutet, es musste eine spezielle Pager-Rufnummer angerufen werden, wo sich dann ein Mitarbeiter meldete, der die (Kurz-)Nachricht entgegennahm und je nach Pager und Modell bundesweit oder auch nur regional aussendete. Hatte der Kunde nur einen Regio-Tarif gebucht, so musste er sich beim Verlassen der Region aktiv in eine andere Zone umbuchen, Nachrichten wären sonst verloren gegangen. In der heutigen mobilen Welt fast undenkbar.

Quix und TeLMI haben den Eintritt der Handys in den Markt der Kurznachrichten nicht überlebt. TeLMI wurde Ende 2001 abgeschaltet, schon ein Jahr zuvor musste Quix-Kunden von ihrem Pager Abschied nehmen. Scall - ein Dienst der Telekom - wurde wie Skyper und Cityruf an das Unternehmen e*Message verkauft. e*Message stellte Scall jedoch ein und konzentrierte sich auf Skyper und Cityruf. Heute steht vor allem Cityruf im Fokus des Berliner Unternehmens, das ein Netz mit 800 Sendern in Deutschland unterhält und damit nach eigenen Angaben eine flächendeckende Abdeckung erreicht. Die Zielgruppe: Geschäftskunden und behördliche Einrichtungen. Skyper wird bei Neugeräten nur noch als reiner Infodienst betrieben, persönliche Nachrichten waren nicht vorgesehen.

Cityruf heute vor allem im professionellen Bereich gefragt

Im professionellen Bereich werden beispielsweise LKW-Fahrer über ihre Laderampen informiert.Im professionellen Bereich werden beispielsweise LKW-Fahrer über ihre Laderampen informiert. So wird der e*cityruf, so der heutige Marktingname, beispielsweise bei Speditionen und Lagern für die LKW-Koordination zu den Laderampen eingesetzt, Mitarbeiter von Winterdiensten werden bei Schneeeinbruch zum Dienst gerufen, Service- und Wartungstechniker werden alarmiert. Privatkunden kommen mit den Pagern in Berührung, wenn sie in Restaurants mit Selbstbedienung Pieper bekommen, damit sie wissen wann ihr Essen fertig ist oder im Einzelhandel, wenn das Kind in der Kinderbetreuung abgegeben wird, aber dann doch lieber zu seinen Eltern will. Auch Ärzte setzen die Pager vereinzelt ein, um den Patienten lange Wartezeiten im Wartezimmer zu ersparen. Die Benachrichtungen der einzelnen Pager erfolgen hier nicht mehr über Operator, sondern über spezielle Bedienanlagen und gesonderte Verträge.

Doch die Pager-Netze können noch mehr: So werden Wetterberichte an Wetterstationen übertragen, die Schulleiter in Baden-Württemberg werden über ungewöhnliche Situationen in ihrer Region informiert und einige Freiwillige Feuerwehren realisieren ihre Alarmierung über diese Dienste. Hierfür hat e*Message sogar eigene Frequenzen und somit ein eigenständiges Netz aufgebaut, um jegliche Kollision mit nicht sicherheitsrelevanten Diensten zu vermeiden und diese Nachrichten auch schneller ausliefern zu können. Was sonst noch künftig denkbare Anwendungen sind und warum Privatnutzer künftig wieder verstärkt mit e*Message und Pager-Diensten in Berühung kommen könnten, lesen Sie in einem aktuellen Artikel, in dem TK-Experte Torsten Gerpott sich zur Zukunft des fünften deutschen Mobilfunknetzes äußert.

e*Skyper und e*Cityruf für Privatkunden

Längst vergangene Zeit: Quix hat nicht überlebtLängst vergangene Zeit: Quix hat nicht überlebt Wer möchte, kann auch heute noch als Privatkunde die Pager von e*Message kaufen. Auf eskyper.de verkauft e*Message den Skyper der ersten Generation, der auch noch persönliche Nachrichten (FriendlyNews) empfangen kann. Infodienst und Pager kosten zusammen für zwei Jahre 199 Euro. Der Operator-Service kostet aus dem Telekom-Netz 1,23 Euro pro Anruf. Der e*Cityruf Primo 3 als Text-Pager kostet einmal knapp 130 Euro. Wer Textnachrichten regional empfangen will, zahlt dafür jährlich 148,75 Euro, bei nationaler Aussendung sind es 210,63 Euro.

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