Ortung

Bewegungsprofile in Geodiensten nutzen dem Betreiber

Google Latitude: Qualität der Daten kann stark schwanken
Von mit Material von dpa
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Google Latitude: Standortverlauf am Beispiel einer Bahnfahrt von Berlin nach FrankfurtGoogle Latitude: Standortverlauf am Beispiel einer Bahnfahrt von Berlin nach Frankfurt Nutzer von Geodiensten auf mobilen Geräten sollten sich bewusst sein, dass sie den Betreibern solcher Dienste eine Vielzahl von persönlichen Informationen liefern. Mal geschieht dies ganz offen wie beim "Einchecken" an bestimmten Orten in Facebook oder Foursquare. Mal werden die Daten nur im Hintergrund erfasst.

So wurde im vergangenen Jahr bekannt, dass iPhone und iPad ohne Wissen ihrer Nutzer deren jeweilige Aufenthaltsorte lückenlos registrierten. Die Daten wurden in einer versteckten Datei gespeichert. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte damals eine gesetzliche Grundlage zur Regelung von Ortungsdiensten auf Smartphones und sagte: "Dieses Tracking, dieses Verfolgen eines jeden Schritts darf es nicht geben."

Apple hat diese Praxis mit einem Software-Update eingestellt. Sorge bereitet den Datenschützern vor allem die Möglichkeit, Ortsdaten mit anderen Nutzerdaten zu verknüpfen, so dass lückenlose Tätigkeits- und Bewegungsprofile erstellt werden können.

Auch die Mobilfunkanbieter müssen aus technischen Gründen sowie zur Erstellung von Rechnungen Aufenthaltsorte erfassen. Dies ist kein böser Wille, sondern gehört zu den Grundlagen eines Mobilfunknetzes. Ein im Netz eingebuchtes Mobiltelefon sendet in regelmäßigen Abständen den eigenen Standort ans Mobilfunknetz, damit das Netz weiß, in welcher Funkzelle sich der Nutzer gerade aufhält und Telefonate sowie SMS entsprechend weiterleitet. Bei der Deutschen Telekom heißt es, dass immer nur der aktuelle Aufenthaltsort bekannt sei. Vorherige Ortungen würden gelöscht. Ermittlungsbehörden können allerdings im Rahmen einer Funkzellenabfrage oder einer stillen SMS den Aufenthaltsort eines mutmaßlichen Verbrechers innerhalb von Städten mit engmaschigem Mobilfunknetz recht genau ermitteln.

Beispiel Google Latitude: Ortungsdaten manchmal sehr genau, manchmal nicht

Eine wesentlich genauere Ortung findet über den in Smartphones eingebauten GPS-Sensor statt. In Verbindung mit Diensten wie beispielsweise Google Latitude kann sich der Smartphone-Nutzer dazu entscheiden, seine eigenen Standorte in regelmäßigen Abständen auf Google-Server übertragen zu lassen. Die an einem Tag zurückgelegte Route lässt sich dann auf Google Maps anzeigen. Dafür muss das Smartphone sich mindestens einmal täglich mit dem Internet verbinden können

teltarif.de hat in einem über mehrere Wochen durchgeführten Test herausgefunden, dass die von Google Latitude erfassten Daten nicht immer zu 100 Prozent vollständig sind. Bei der Genauigkeit haben wir auch eine große Diskrepanz festgestellt: Manche der erfassten Daten sind so genau, dass sie ein exaktes Bewegungsprofil erlauben, an anderen Tagen gab es bei den aufgezeichneten Orten Abweichungen von mehreren Kilometern.

In den Datenschutzbestimmungen weist Google darauf hin, dass der Standortverlauf grundsätzlich nur vom Nutzer selbst eingesehen werden kann. Nur wenn der Anwender den aktuellen Standort explizit freigibt, können Freunde oder Verwandte sehen, wo der Smartphone-Inhaber sich gerade herumtreibt. Problematisch bleibt aber, dass Google jederzeit auf diese Daten zugreifen und diese auch nutzen könnte - beispielsweise für Werbung.

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