Vorsicht Falle!

Online-Händler: Die Verführer im virtuellen Warenhaus

Im Internet-Preiskampf geht mancher Händler ungewöhnliche Wege
Von mit Material von dpa
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Online-Händler: Die Verführer im virtuellen WarenhausOnline-Shopping: Die Tricks der Händler Jede Farbe, jedes Bild, jeder Button ist in vielen Online-Shops durchdacht. Vom Nutzer positiv wahrgenommene Seitenelemente sollen ebenso als unterschwelliger Kaufauslöser wirken wie ständige Preisänderungen. Das Ziel solcher Tricks ist die schnelle Kaufentscheidung.

Für Bestandskunden eines Online-Shops kann es sich lohnen, den gefüllten Warenkorb etwas "abhängen" zu lassen. Mit der zweiten Erinnerungsmail komme oft ein Rabattangebot, erklären die Experten der Computerzeitschrift c't. Außerdem lohne es sich, den Namen des Händlers mit dem Wort Gutschein in eine Suchmaschine einzugeben. Auf diesem Wege finden sich Rabatt-Codes, die auf dem Weg vom Warenkorb zur virtuellen Kasse eingegeben werden können.

Der Trick mit der künstlichen Verknappung

Als Trick bei Hotel, Flug- oder Reiseportalen besonders beliebt ist die künstliche Verknappung: Oft sieht man Hinweise auf das angeblich letze Zimmer zum günstigen Preis, das die Experten im Test dann aber trotzdem noch mehrfach buchen konnten. Einige Seiten zeigen zudem auch an, wie viele andere Nutzer sich angeblich gerade ebenfalls dieses Hotel anschauen. Diese nebenbei aufgenommenen Informationen dienen dazu, den Interessenten bei seiner Entscheidung noch mehr unter Druck zu setzen.

Das alles sei aber kein Grund, sich überstürzt für eine Ware oder ein Reise-Angebot zu entscheiden, warnen Branchenkenner. Die meisten Buchungsplattformen arbeiteten mit vielen enggestuften Preisstaffeln, in denen immer nur wenige Angebote angezeigt werden: Seien etwa die 78-Euro-Zimmer ausgebucht, gebe es anschließend welche für 80 Euro. Auch manche Gutschein-Plattforen drängen mit "Deals", die um Mitternacht enden, aber am nächsten Tag gleich wieder angeboten werden.

Nach wie vor groß sei das Problem mit gefälschten Bewertungen. Um eine Beurteilung abgeben zu können, reiche oft immer noch eine gültige E-Mail-Adresse. Selbst Anbieter, die nur Käufern eine Möglichkeit zur Bewertung geben, seien nicht vor Betrügern gefeit, erklären die Experten. Die Täter könnten einfach kaufen, bewerten und den Kauf dann wieder rückgängig machen. Mittlerweile gebe es ganze Organisationen, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als falsche Bewertungen zu verfassen.

Bei eBay sollten Kunden nicht nur auf die Prozentzahl der Bewertung schauen, sondern auch stichprobenartig prüfen, was der Händler überhaupt verkauft hat. Manche schwarze Schafe bringen günstig tausende Kabel an den Mann, um sich einen tadellosen Ruf aufzubauen, und bieten dann plötzlich auch teure Flachbildfernseher an, die sie vielleicht gar nicht erst verschicken.

Einige Händler oder Anbieter verwenden auch Gütesiegel, die falsche Assoziationen wecken. Denn das Siegel bezieht sich mitunter gar nicht auf den Online-Shop oder das jeweilige Produkt, sondern nur auf den Paketdienst oder auf einen verlinkten allgemeinen Testartikel, warnen die Experten.

Kleingedrucktes, Zusatzkosten und psychologische Kniffe

Ein beliebter Händlertrick, um bei Such- und Preissuchmaschinen ganz oben zu landen: Sie bieten ein Gerät in einer selten gekauften Farbe sehr günstig an. Ändert der Nutzer dann im Shop die Farbe, wird das Gerät teurer. Das Kalkül des Händlers: Der Kunde ist zu träge, erneut zu suchen und kauft trotzdem.

Im Internet-Preiskampf geht mancher Händler auch ungewöhnliche Wege. Da werde Zubehör wie das Ladekabel aus der Verpackung des Handys genommen und separat verkauft, so die Zeitschrift. Meist sei das im Angebot aber auch angegeben. Kunden sollten sich die Beschreibung also immer genau durchlesen.

Während Tricksereien mit überhöhten Versandkosten den Angaben zufolge rar geworden sind, müssen Käufer aber jederzeit mit Zusatzgebühren etwa für Kartenzahlung oder unnötige Versicherungen rechnen. Die Abwahlmöglichkeit für eine Reiserücktrittsversicherung für einen Flug ist dann mitunter in einem Pull-Down-Menü versteckt, in dem man sie gar nicht vermutet hätte.

Psychologisch tricksen Anbieter auch mit sogenannten Kontrastprodukten. Diese stellt der Händler im Online-Angebot neben den Artikel, den er am liebsten verkaufen möchte - etwa weil der Artikel ein Ladenhüter ist oder die beste Marge bringt. Als Kontrastprodukte dienen zwei weitere Artikel: ein günstigerer und ein teurerer. Studien zeigen, dass dann kaum jemand zu dem billigsten Artikel greift, erklärten die Experten. Fast alle wählen das mittelpreisige und immerhin sogar noch rund zehn Prozent das teuerste Produkt.

Wie Sie einen seriösen Online-Shop erkennen haben wir auf einer Infoseite beschrieben. Außerdem finden Sie auf unserer Infoseite zum Thema Online-Shopping weitere nützliche Tipps für den virtuellen Einkaufsbummel.

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