Online-Kriminalität in Deutschland um 20 Prozent gestiegen
30.06.2011 16:57
85 Prozent der Nutzer hat Angst vor Bedrohungen im Internet
Von dpa /
 Online-Banking: Die meisten Deutschen fühlen sich nicht sicher
Die Online-Kriminalität ist in Deutschland weiter
auf dem Vormarsch. Die Zahl der Straftaten, in denen das Internet
genutzt wurde, stieg im vergangenen Jahr laut Polizeistatistik um ein
Fünftel auf 250 000 Fälle, sagte der Präsident des
Bundeskriminalamtes ( BKA), Jörg Ziercke, heute in Berlin. Er
forderte abermals einen Zugriff auf Verbindungsdaten, weil sonst
keine wirkungsvollen Ermittlungen möglich seien.
Schadenssumme um zwei Drittel gestiegen
Tatsächlich gebe es angesichts einer hohen Dunkelziffer aber noch
50 bis 60 Prozent mehr Fälle, warnte Ziercke. Der registrierte
Schaden aller Cybercrime-Delikte stieg nach BKA-Zahlen um zwei
Drittel auf 61,5 Millionen Euro. "Der Trend geht zum Ausspähen
persönlicher Daten und Passwörter", sagte der Präsident des
IT-Branchenverbandes BITKOM, Dieter Kempf. "Soziale Netzwerke werden
verstärkt für personalisierte Angriffe genutzt."
Angesichts der vielen Gefahren aus dem Netz wächst auch die Angst
der Nutzer. Fühlten sich 2010 bereits 75 Prozent der Nutzer bedroht,
sind es inzwischen 85 Prozent, wie Umfragen im Auftrag des BITKOM
ergaben. Dabei wollten zwar 80 Prozent mehr staatlichen Schutz im
Internet - die gescheiterte Vorratsdatenspeicherung gehört aber nicht
dazu. "Nicht einmal jeder dritte befürwortet eine Speicherung der
Zugangsdaten", sagte Kempf.
Das Bundesverfassungsgericht hatte die alte Regelung zur
Vorratsdatenspeicherung, nach der Telefon- und
Internetverbindungsdaten zur Kriminalitätsbekämpfung ein halbes Jahr
lang gespeichert werden darf, im März 2010 verworfen. Die Neuregelung
ist ein Streitpunkt in der schwarz-gelben Bundesregierung: Die für
das Thema zuständige Justizministerin Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte zwar einen Gesetzentwurf
vorgelegt, den die Unionsparteien aber nicht mittragen.
Ziercke: Mehr Aufklärung durch Vorratsdatenspeicherung
Ziercke betonte erneut, dass den Ermittlungsbehörden die Hände
gebunden seien, wenn sie die Computer nicht zuordnen können. "Wer im
virtuellen Bereich aufklären will, braucht IP-Adressen und
Verbindungsdaten", sagte er. Die Aufklärungsquote betrage bei
Internet-Straftaten lediglich 30 Prozent. "Wir könnten mehr
aufklären" - und das habe die Polizei auch getan, bis die
Vorratsdatenspeicherung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgericht
gekippt worden sei. Da die Täter davon ausgingen, dass sie nicht
bestraft würden, werde die Online-Kriminalität noch zunehmen, warnte
Ziercke.
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