Datenschutz missachtet

Offener E-Mail-Verteiler: Bayerische Behörde verhängt Bußgeld

Mitarbeiterin muss zahlen - Strafe kann aber auch die Firma treffen
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Bußgeld wegen offenem VerteilerDer Versand von E-Mails über einen offenen Verteiler kann ein Bußgeld nach sich ziehen Fast jeder Nutzer hat schon einmal eine E-Mail mit offenem Verteiler erhalten - ärgerlich vor allem dann, wenn man kein Interesse daran hat, dass seine E-Mail-Adresse einem großen Adres­saten­kreis zugänglich gemacht wird oder man nicht möchte, dass man über seine E-Mail-Adresse überhaupt in dem ent­sprechenden Verteiler identifiziert werden kann. Das Baye­rische Landes­amt für Datenschutz­aufsicht (BayLDA) hat nun ein Bußgeld aufgrund eines besonders krassen Vorkommnises verhängt.

9,5 von 10 Seiten bestanden nur aus E-Mail-Adressen

Im konkreten Fall hatte die Mitarbeiterin eines Handels­unternehmens eine E-Mail an Kunden versendet. In der elektronischen Nachricht wurde den Kunden mitgeteilt, dass man sich zeitnah um ihr Anliegen kümmern werde.

Allerdings: Die Mitarbeiterin versendete die E-Mail an eine extrem große Zahl an Kunden - und das per offenem Verteiler im "An"-Feld. Wie das Landesamt mitteilt, habe die E-Mail ausgedruckt zehn Seiten umfasst, von denen 9,5 Seiten ausschließlich E-Mail-Adressen enthielten.

Ungefragte Übermittlung der E-Mail-Adresse im offenen Verteiler ist illegal

Ein solches Vorgehen sei als klare Verletzung des Datenschutz­rechts anzusehen, so die Behörde. Denn personen­bezogene Informationen - wie im vorliegenden Fall die "E-Mail-Adressen, die sich in erheblichem Umfang aus Vornamen und Nachnamen zusammensetzen" -, dürften nur dann an Dritte übermittelt werden, wenn dafür eine Einwilligung vorliege oder eine gesetzliche Grundlage gegeben sei.

Aufgrund der "erheblichen Anzahl der E-Mail-Adressen hat es das BayLDA in diesem Fall nicht mehr bei einer (folgenlosen) Feststellung der datenschutz­rechtlichen Unzulässigkeit belassen, sondern ein Bußgeld verhängt", schreibt die bayerische Behörde. Der Bußgeld­bescheid ist mittlerweile rechtskräftig.

Bußgeld kann auch Firmen treffen, die (zu) lax mit dem Thema umgehen

Das Landesamt teilt indes mit, dass es nicht immer das alleinige Verschulden des jeweiligen Mitarbeiters sei, wenn solche folgenreichen Fehler gemacht werden. Vielmehr werde "in manchen Unternehmen dieser Fragestellung offensichtlich nicht die entsprechende Bedeutung beigemessen" und Mitarbeiter würden "entweder nicht entsprechend angewiesen oder überwacht". Daher werde man in einem weiteren, ähnlich gelagerten Fall, in Kürze einen Bußgeld­bescheid gegen die Leitung des betroffenen Unternehmens - und nicht gegen den konkreten Mitarbeiter - erlassen.

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