Widerstand zwecklos

o2-Tarifeinstellung: Mehr als 800 Tarife werden eliminiert [Update]

Auch bei Widerspruch: "Tarife werden definitiv abgeschaltet"
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o2-Tarifeinstellungo2 stellt mehr als 800 Versionen
diverser Alttarife ein
Der Mobilfunk-Netzbetreiber o2 stellt - wie berichtet - zahlreiche Alttarife sowie historische Tarifoptionen ein. Bislang hat das Unternehmen allerdings keine klare Aussage darüber gemacht, welche Tarifmodelle und -varianten genau betroffen sind. teltarif.de liegt nun ein Dokument vor, das Aufschluss über diejenigen Tarife gibt, die zum 1. Dezember eingestellt werden.

o2-Schreiben: Vorgeschlagenes Tarifmodell wird automatisch ab Dezember aktiv

"In Zeiten zahlreicher Angebot für Mobilfunk und Internet wünschen sich viele Kunden von o2 vor allem eines: Einfachheit und Übersichtlichkeit bei den Tarifen. Diesen Wunsch greifen wir gerne auf und reduzieren ab Dezember 2012 die Anzahl unserer Tarife", schreibt o2 betroffenen Kunden in einem Brief. "Ihr Vorteil: Durch die Vereinfachung unserer Tarifstruktur erhalten Sie noch mehr Transparenz über unsere Angebote und können so jederzeit ganz einfach den für Sie passenden Tarif identifizieren."

In dem Schreiben wird o2-Kunden ein passender Tarif aus dem aktuellen Tarifportfolio vorgeschlagen. "Damit sie unsere Dienste wie gewohnt weiternutzen können, nehmen wir für Sie zu diesem Zeitpunkt [1. Dezember 2012, Anm. d. Red.] automatisch die Umstellung auf den Tarif xxxxx vor." Die Vertragslaufzeit ändere sich durch den Tarifwechsel nicht.

Kunden werden nicht über Möglichkeit des Widerspruchs informiert

Eine Widerrufs­belehrung gibt es in der o2-Mitteilung nicht. Kunden werden lediglich auf eine kostenfrei erreichbare Hotline verwiesen: "Falls Sie nicht sicher sind, ob der von uns ausgewählte Tarif wirklich gut zu Ihnen passt, lassen Sie sich einfach von uns beraten. (...) Einen Überblick über unsere aktuellen Mobilfunktarife können Sie sich vorab unter www.o2.de/tarife verschaffen."

Die deutsche Telefónica-Marke hatte unserer Redaktion die Einstellung diverser Alttarife und -Optionen bestätigt. Insgesamt liege die Zahl der betroffenen o2-Mobilfunk-Kunden aber bei "deutlich unter einem Prozent", so o2-Sprecherin Carolin Eckert. Eine genaue Auflistung der ab Dezember eingestellten Tarife konnte man uns - trotz Anfrage - bislang nicht geben.

Bereinigung um mehr als 800 verschiedene Tarifversionen

Indes liegt teltarif.de mittlerweile ein internes Dokument vor, aus dem sich die betroffenen Tarifmodelle herauslesen lassen. Insgesamt handelt es sich um mehr als 800 verschiedene Tarifversionen - zurückzuführen auf eine Vielzahl an Aktionsvarianten (zum Beispiel mit / ohne Handy, Aktions­varianten zu Ostern / Weihnachten etc., Journalisten­tarife, Rahmenverträge, Händlerkarten).

Nach Durchforsten des Dokuments handelt es sich bei den betroffenen Tarifen jedoch ausschließlich um (historische) Versionen der Tarifmodelle o2 Genion, o2 Select, o2 Starter, o2 Inklusivpaket und o2 Surf@home. Die neueren Genion-Tarife S, M, L und XL wären demnach derzeit nicht von der Einstellung bedroht.

o2: Tarife bieten wir seit Jahren nicht mehr an

o2 wollte unsere Schlussfolgerung auf Anfrage nicht bestätigen und verwies noch einmal auf die Aussage vom Mittwoch, nach der es sich bei den betroffenen Tarifen um "Tarifvariationen" bestimmter Grundtarife handele, "die wir seit mehreren Jahren nicht mehr anbieten".

Bestätigt hat das Münchener Unternehmen indes, dass es keine Alternative zu der Umstellung der Verträge gibt. "Die Tarife werden definitiv zum Dezember abgeschaltet", sagte uns Sprecherin Carolin Eckert. "Kunden, die keinen passenden Tarif finden, haben die Möglichkeit, eine Sonderkündigung vorzunehmen."

Kunden haben notfalls Recht auf außerordentliche Kündigung.

Doch was, wenn der Kunde Widerspruch gegen die Umstellung einlegt? Carolin Eckert: "Dann bieten wir dem Kunden an, sich für einen Alternativtarif zu entscheiden. Wenn er dann keinen für sich akzeptablen Tarif findet, hat er das Recht auf eine Sonderkündigung."

[Update 19.10.2012, 17:30 Uhr]: Bei Widerspruch keine Änderung laufender Verträge

Hatte o2 zunächst betont, die Tarife von Bestandskunden würden generell - auch im Falle von Verträgen mit noch laufender Mindestvertragslaufzeit - zum 1. Dezember umgestellt, hat das Unternehmen seine Aussage zwischenzeitlich revidiert. Man verweist nun darauf, dass man den Vertrag von Kunden mit (fester) Vertragslaufzeit erfüllen werde. Die o2-Antwort schließt freilich nicht aus, dass Vertragskunden mit flexibler Laufzeit im Falle eines Widerspruchs zeitnah die Kündigung erhalten.

o2-Sprecherin Carolin Eckert: "Wir gehen davon aus, dass unsere Kunden mit den neuen Tarifen besser gestellt sind was Roaming, Minutenpreise und mobile Daten betrifft. Sollten Kunden nicht mit dem alternativen Angebot einverstanden sein, halten wir uns selbstverständlich an die Vertragsbedingungen."

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