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Editorial: o2 überrascht - wirklich?
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| Hintergründe zum Aktions-Tarif für o2 o |
06.12.2009 15:42 |
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In dieser Woche kam es wieder einmal zu einer
wesentlichen Bewegung
auf dem Mobilfunk-Markt, genauer bei den Flatrate-Preisen.
Der Münchner Mobilfunk-Anbieter o2 bietet
den im Mai eingeführten Tarif o2 o
in der Postpaid-Variante in Hamburg, Berlin und Köln zu stark reduzierten
Konditionen an. Die Reduktion betrifft aber nicht die verbrauchsabhängigen
Preise für Telefonate oder SMS. Dahingegen reduziert o2 den monatlichen
Maximalpreis von 60 bzw. 51 Euro bei Online-Abschluss auf
40 Euro, je nach Berechnungsgrundlage eine Senkung von bis zu
33 Prozent. Der sogenannte Kosten-Airbag wirkt also bereits nach
267 Telefon-Minuten und SMS pro Monat.
Freilich gibt es den Aktionspreis "nur" in den o2-Shops und o2-Partnern
in den drei (Groß-)Städten, doch kann jeder Interessent unabhängig
von der eigenen Adresse dort abschließen. Auch sind teltarif.de bereits
erste o2-Partner bekannt, die eine Schaltung des o2-o-Aktionstarifes per
Fax bzw. Versandhandel anbieten.
Überrascht die Preissenkung? Nein!

Eigentlich habe ich lange darauf gewartet, dass o2 mit einer deutlichen
Preissenkung seine Wettbewerber gehörig unter Druck setzen wird. Warum?
- o2 baut seit längerem das eigene Netz nach Kräften aus, schaltet daher
auch das Roaming mit T-Mobile Deutschland
zum Jahresende aus. Je nach Quellen rechnet
man mit einer Kostensenkung von 150 bis 170 Millionen Euro pro Jahr,
zudem - so der Plan des Münchner Netzbetreibers - erhält man ein
leistungsfähigeres Mobilfunknetz als bislang, das man nun mit einer
größeren Kundenzahl besser auslasten will.
- Die Vorleistungspreise für Gespräche in andere Mobilfunknetze
liegen seit Frühjahr für Telefonate in
die D-Netze bei 6,59 Cent pro Minute netto und in die E-Netze
bei 7,14 Cent netto. Die Preise gelten noch bis zum November 2010.
Viele der derzeit angebotenen Flatrates wurden noch mit den höheren,
zuvor gültigen Vorleistungspreisen kalkuliert, so bieten sich für o2, aber
auch allen anderen Mobilfunk-Anbietern, neue Spielräume für Preissenkungen.
- Viele Kunden nutzen ihr Handy zwar für etliche Stunden und SMS
pro Monat, doch werden eben häufig auch Nummern im Festnetz, im eigenen
Mobilfunknetz von o2 angerufen bzw. SMS versendet. All diese Dienste
kosten den Anbieter aus München nur einen Cent oder noch weniger pro
Minute oder SMS im Einkauf. Gepaart mit netzexternen Gesprächen muss der
Kunde also viele hundert Minuten telefonieren, um in Regionen zu kommen,
wo o2 selbst im Aktionstarif von o2 o draufzahlt.
- Die Vorleistungspreise sind auf der anderen Seite auch eine
(immer wichtiger werdende) Säule in der Refinanzierung der eigenen
Tarife und reduzieren das Risiko einer Fehlkalkulation des Kosten-Airbags
weiter. Die steigende Bedeutung der mobilen Telefonie führt bei
vielen Kunden eben auch dazu, dass die Kunden auf dem Handy immer mehr
angerufen werden und dabei dann eben auch oft die Kasse bei o2 klingelt,
wenn das Handy des Kunden klingelt. Dieser Punkt ist übrigens auch ein
Grund, weshalb o2 bei o2 o auf eine Homezone-Option verzichtet hat,
obwohl die Festnetznummer zur günstigen Erreichbarkeit doch gerade
von o2 in Deutschland eingeführt und hoffähig gemacht wurde.
- Nicht alle Kunden von o2 o nutzen den Mobilfunkvertrag so intensiv,
dass der Kosten-Airbag zum Zuge kommt. Bei Preisen von 15 Cent pro
Minute oder SMS verdient der Münchener Anbieter gutes Geld. Auch die
Abrechnung der Telefonate im Minutentakt wirkt sich positiv auf die Kalkulation
von o2 aus. Darüber hinaus werden viele Handys auch für Services außerhalb
des o2-Kostenairbags genutzt, gerade bei Anrufen zu Sonderrufnummern
oder ins Ausland erwirtschaften alle Mobilfunk-Anbieter derzeit noch satte,
zum Teil auch unverschämte Gewinnmargen.
- Tarifsenkungen, die für Bewegung im Markt sorgen und somit zu einem
spürbaren Kundenzustrom beim Anbieter führen sollen, bedürfen einer deutlich
spürbaren Reduktion - wie dies simyo bei der Einführung
des eigenen Prepaid-Angebotes oder des Datentarifes vorgemacht hat.
Die Senkung des Airbags von 60 auf 40 Euro ist genau ein solcher spürbarer
Preispunkt.
Wann reagiert wer?

Der Aktionstarif von o2 o ist ab dem Verkaufsstart übermorgen,
8. Dezember, in Berlin, Hamburg und Köln, eigentlich aber
schon bundesweit, verfügbar - wenn auch nicht offiziell und nur
für Kunden mit einem Näschen für Schnäppchen. Häufig testen
die Mobilfunk-Anbieter in lokalen Testmärkten ihre Angebote,
bevor diese dann einige Wochen oder Monate später bundesweit
in den Shops oder im Internet verfügbar sind.
o2 bläst mit dem Aktionstarif zum direkten Angriff gegen
E-Plus und dessen Flatrate-Marke
Base. E-Plus setzt hier auf
die Strategie eines Preis- und Kostenführers und ist vor allem auf
der Preisseite von o2 herausgefordert. Die beiden Platzhirsche in den D-Netzen
T-Mobile und Vodafone
haben komplexere interne Prozesse, eine viel größere Kundenbasis und
dadurch andere Marktanteile und -positionen und Netze, die in einigen
Bereichen bereits sehr nahe an der Lastgrenze arbeiten. Ein ähnlich
weitreichendes Zeichen wie jenes von o2 ist hier daher kurzfristig
nicht zu erwarten. Trotzdem bleibt es
für die kommenden Wochen spannend, wann und wie genau sich die
Flatrate-Preise bewegen werden - auf jeden Fall nach unten.
Weitere Artikel zu den neuen Tarifen bei o2
Weitere Editorials
Martin Müller
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