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Editorial: Danke für die Ehrlichkeit, o2

Deutliche Verbesserungen bei mobilen Datendiensten
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o2 - Wir sind Einzelfallo2 - "Wir sind Einzelfall" Der Mensch ist ja bekanntermaßen ein leidensfähiges Geschöpf. Nur so ist zu erklären, dass o2 beim Thema "mobiler Internetzugang" in den letzten Jahren seine Kundenzahlen nicht nur halten, sondern gar noch ausbauen konnte. So gab es schon etliche Zumutungen: Immer wieder gab es das Phänomen, das zwar eine Verbindung zustande kam, dann aber der Nameserver nicht oder zumindest nicht richtig funktionierte. Die Folge waren dann Timeout-Meldungen im Browser - dies gleichermaßen auf Smartphone oder Laptop. Ebenso wurde das mobile Surfen in Bussen und Bahnen oft zum Geduldsspiel: Nach einem Zellwechsel war die Verbindung immer wieder eine Zeit lang weg, und das auch in Gebieten, die eigentlich lückenlos versorgt sein sollten.

Schließlich rebellierten die Kunden vor knapp einem Jahr aber doch: Wir sind Einzelfall hieß die Kampagne eines enttäuschten Kunden, der sich nicht mehr von der Hotline damit abspeisen lassen wollte, dass die Performance in "Einzelfällen" auch mal in die Knie gehen kann.

o2 spricht öffentlich über die Probleme

In der Folge hat o2 die eigene Kommunikation komplett umgedreht: Statt Probleme kleinzureden, werden sie aktiv veröffentlicht. Seit März findet man bei o2 den regelmäßig aktualisierten Netzbericht. In diesem werden die besonders neuralgischen Punkte genannt. Und tatsächlich hat sich seitdem - nach der Erfahrung mehrerer teltarif-Mitarbeiter - eine Menge getan: Die Nameserver-Probleme gab es schon lange nicht mehr, Zellwechsel klappen zumeist besser und die Datenraten sowie ping-Zeiten liegen öfter als früher auf dem erwarteten HSDPA-Niveau.

Klar, ist weiterhin nicht alles perfekt. Das wird es angesichts des Smartphone-Booms, der geringen Margen im Datengeschäft und der zugleich exponentiell wachsenden Datenraten in den nächsten Jahren bei keinem Netzbetreiber sein. Auch die Nutzerwanderungen tragen zum mobilen Datenstau bei: Spricht es sich rum, dass gerade bei einem bestimmten Netzbetreiber besonders hohe Datenraten verfügbar sind, wechseln die Nutzer und mit ihnen die Überlastung genau dorthin.

Dass die Veröffentlichung des Netzberichts und der Beginn spürbarer Verbesserungen tatsächlich zusammenfallen, mag vielfältige Gründe haben. Vielleicht verbessert eine neue Software das Aufspüren der neuralgischen Punkte. Oder die Mitarbeiter in der Netztechnik fühlen sich durch den öffentlichen Schwachpunktebericht besonders angespornt, Fehler und Engpässe zu beheben. Letzteres würde heißen, dass der Volksmund - mal wieder - recht hat: "Selbsterkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung".

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