Hintergrund

Großstörung am Wochenende: Darum war vieles offline

Spiegel, Focus, maxdome & Co. waren offline, o2 in Teilen Deutschlands gestört. Grund war ein technischer Defekt in einem Rechenzentrum. Wir haben die Hintergründe zu dem Ausfall.
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Blick in ein RechenzentrumBlick in ein Rechenzentrum Wer als o2-Kunde am Samstag in der Region Ostwestfalen-Lippe, Münsterland und im Ruhrgebiet online gehen oder telefonieren wollte, hatte ein Problem: Zwischen kurz nach 9 Uhr am Morgen und etwa 20:15 Uhr war das o2-Netz offline - sowohl im Festnetz, also auch im Mobilfunknetz. Das betraf auch Reseller von o2 wie Drillisch im Mobilfunk und 1&1, easybell oder die ehemalig eigenständige Marke Alice. Und auch zahlreiche Internetdienste wie Spiegel Online, maxdome, Focus Online oder auch StudiVZ waren offline - und das sogar weltweit. teltarif.de zeigt auf, was passiert ist.

Alle Störungen in diesem Zusammenhang gehen zurück auf ein Rechenzentrum in Gütersloh. Dieses wird, so ist es inzwischen von mehreren Seiten bestätigt, von der Bertelsmann-Tochter Arvato Systems betrieben. In diesem Rechenzentrum haben sich wiederum verschiedene Kunden eingemietet, was vollkommen üblich ist. Einer der größeren Kunden dürfte dabei Plusserver bzw. Host Europe Solutions sein. Hier wiederum sind Spiegel, Focus, maxdome & Co. Kunden. Historisch bedingt liegen die Dienste allesamt im Gütersloher Rechenzentrum - dort waren sie schon gehostet, als die Hosting-Dienste noch vom Bertelsmann-Joint-Venture mediaways betrieben wurden, der später in Telefónica und letztlich in Host Europe aufging. Genau so hat offenbar Telefónica für seine Festnetz- und Mobilfunkinfrastruktur in diesem Rechenzentrum Switches und Einwahlhardware "untergestellt".

Schwachstelle war offenbar ein Switch für die zentrale Außenanbindung

Ausgefallen waren jedoch nicht die Server von Host Europe oder Telefónica, sondern ein wesentliches Element für die IP-Außenanbindung des Arvato-Rechenzentrums. "Die Anbindung am Standort Gütersloh erfolgt über zwei Leitungen von Telefónica und Telia", erklärte uns heute Plusserver-Marketingleiter Niko Bender. Soweit ihm bekannt ist, ging die Störung zurück auf einen Fiber-Switch im Carrier-Raum der Arvato. Nach Angaben von Spiegel Online ging ein Lichtwellenmultiplexer defekt. Dem sei eine Wartung an der USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung) vorausgegangen, die einen Stromausfall zufolge hatte. Dabei seien nach derzeitigen Erkenntnissen zwar die bereitstehenden Diesel-Generatoren angesprungen, doch offenbar habe es einen extrem kurzen Ausfall gegeben, in dessen Folge der Switch irreparabel zerstört wurde.

Dass ein Bauteil im Rechenzentrum nach einem Defekt ausgetauscht werden musste, war schon Samstag bekannt. Offenbar musste dieses aber sogar noch herangeschafft werden. Anders lässt sich die extrem lange Ausfallzeit kaum erklären. Fraglich ist aber, warum es für dieses Bauteil in einem Rechenzentrum, in dem derart bekannte und wichtige Dienste und Netzinfrastruktur gehostet werden, keine redundante Auslegung gibt.

Erster Schub am Nachmittag wieder online

Einige Dienste waren schon im Laufe des Samstags wieder online. "Unsere Techniker haben es geschafft, zumindest einen Teil unserer Server über die Telia-Leitung anzubinden, so dass diese wieder erreichbar waren." Gegen 14 Uhr ging so unter anderem immerhin wieder Spiegel Online ans Netz, während andere Seiten und Dienste im Arvato-Rechenzentrum noch offline blieben. Bender betont, dass Plusserver bzw. Host Europe in diesem Rechenzentrum keinen Einfluss auf die jetzt gestörte Infrastruktur hat. Im eigenen Kölner Rechenzentrum sei das anders, hier habe man auch alle Ersatzteile vor Ort auf Lager.

Kein Hacker-Angriff

Derartige großflächige Ausfälle sind auch ein gefundenes Fressen für Trittbrettfahrer. So auch in diesem Fall, wo das Anonymous-Kollektiv behauptete, eine Attacke auf die Seiten vorgenommen zu haben. "Einen Hackerangriff können wir definitiv ausschließen", so der Plusserver-Marketingleiter.

Einblicke in ein Rechenzentrum geben wir Ihnen in einer Reportage aus dem Rechenzentrum von Interxion in Frankfurt.

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