Strategie

o2/E-Plus-Fusion: Was Thorsten Dirks wirklich plant

Der Stellenabbau im Zuge der Fusion von E-Plus und Telefónica Deutschland wird umfangreicher als bisher bekannt ist. Was ThorstenDirks in Sachen Firmen­kunden, Mehrmarken­strategie und Automati­sierung sonst noch plant, lesen Sie in unserer Meldung.
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Durch die Fusion von o2 und E-Plus werden mehr Stellen wegfallen, als bisher bekannt.Durch die Fusion von o2 und E-Plus werden mehr Stellen wegfallen, als bisher bekannt. Wie berichtet wird es im Zuge der Fusion von E-Plus und Telefónica Deutschland einen erheblichen Stellenabbau geben - schließlich soll das Zusammengehen der beiden Netzbetreiber in erster Linie die Kosten senken. Allerdings werden noch mehr Arbeitsplätze wegfallen als bisher vermutet. Wie RP Online heute berichtet, sollen bis zum Jahr 2018 rund 300 Arbeitsplätze mehr abgebaut werden als bislang angenommen.

Unterm Strich könnte der Zusammenschluss bis zu 1 900 der bisher 9 200 Stellen kosten. Bislang war lediglich von 1 600 wegfallenden Stellen die Rede - der Telefonkonzern hatte allerdings nicht kommuniziert, dass er bei mehr als 260 Zeitarbeitern die Verträge beendet hat und rund 50 freie Stellen nicht mehr besetzen will. Die Zeitung beruft sich auf interne Unterlagen des fusionierten Unternehmens, die der Redaktion bekannt seien.

Aus den Unterlagen geht hervor, dass die verschiedenen Abteilungen des Unternehmens unterschiedlich stark betroffen sind: In der Finanzabteilung sollen schon in diesem Jahr ein Fünftel der bisher 420 Mitarbeiter gehen. Im Controlling werden 40 von 114 Beschäftigten ihren Job bis Ende des Jahres verlieren. Im gesamten Privatkunden­geschäft wird es rund 400 der 5 000 Beschäftigten treffen. Dabei wird es in der Regel keine Abfindungen geben, weil es in den Shops ohnehin oft nur noch Zeitverträge gibt. Wie wir schon gemeldet haben, wird der Telefonvermarkter Drillisch die Läden übernehmen.

Personalabbau - Streit ist vorprogrammiert

Im Personalbereich sieht es schon anders aus - hier sollen von 150 Mitarbeitern keine zehn das Unternehmen verlassen. Vermutlich weil diese Abteilung in der nächsten Zeit alle Hände voll zu tun haben wird: Ohne Streit werden die vielen Kündigungen nicht über die Bühne gehen - das fängt mit der Formulierung von Arbeits­zeugnissen an und hört mit Prozessen vor dem Arbeitsgericht noch längst nicht auf. Auch beim Netzbetrieb soll die Personalstärke mit 1 350 Kollegen erst einmal weitgehend erhalten bleiben, allerdings sollen im Jahr 2016 50 Stellen und 2017/2018 weitere 260 Arbeitsplätze wegfallen. "Beim Netzumbau werden erst einmal alle Kollegen gebraucht", zitiert die Zeitung einen Insider. "Aber später sind viele dann oft doch überzählig." Aber auch das war ein erklärtes Ziel der Fusion: Der Betrieb von einem gemeinsamen Netz soll selbstverständlich weniger Personal benötigen als der Betrieb von zwei getrennten Mobilfunknetzen.

Außerdem zeige die als "geheim" markierte Vorlage, wie der neue Chef des fusionierten Konzerns, ThorstenDirks, das Unternehmen umbauen will: Es wird eine stärkere Automatisierung geben. Immer mehr Arbeitsprozesse sollen von Computern übernommen werden. Der persönliche Kundenservice wird künftig kleiner geschrieben. Neben dem geplanten Personalabbau plane der Vorstand noch mehr "Outsourcing von Aktivitäten", weil sich das Unternehmen auf "Kernaktivitäten" konzentrieren wolle. Beispielsweise sollen weitere Call-Center an andere Anbieter abgegeben werden. Auch die Firmen-IT soll weitgehend an Fremdfirmen oder den spanischen Mutterkonzern ausgelagert werden. Das bedeutet, dass in der Folge noch mehr Mitarbeiter den Konzern verlassen müssen. Die Gewerkschaft Verdi kündigt bereits an, dass das weiteren Ärger bedeuten könne.

Änderungen bei Geschäftskunden- und Mehrmarken-Strategie

Ein weiteres interessantes Detail ist, dass Dirks bei der Betreuung von Geschäftskunden bis Ende dieses Jahres 150 von 620 Stellen streichen will. Andererseits sollen in 2015 und 2016 wieder 80 neue Kollegen für die Betreuung von Firmenkunden eingestellt werden. Insider vermuten, dass Dirks die Konkurrenten Telekom und Vodafone auch bei Firmenkunden stärker angreifen will - aber mit einer anderen Strategie als bisher.

Außerdem soll Dirks planen, die Zahl der etwas mehr als 30 Marken beider Unternehmen und ihrer Partner deutlich zu reduzieren. Aus der Vorlage gehe hervor, dass bei "Ethnic-Marken" gespart werden soll - vermutlich wird es also es die Marken für sehr spezielle Zielgruppen wie Ay Yildiz und Türk Mobile oder Ortel treffen. Insgesamt lässt sich durchaus absehen, auf welche Weise der ehemalige E-Plus-Chef für die günstigen Preise sorgen will, die er vor einigen Wochen versprochen hat. Ein beschleunigter LTE-Ausbau und eine schnelle National-Roaming-Lösung sind natürlich Schritte in die richtige Richtung. Allerdings stellt sich die Frage, wie es um das bessere Leistungsangebot für die Kunden steht, das er ebenfalls in Aussicht gestellt hat. Wie soll das ohne Kundenservice erreicht werden?

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