Lost in Translation

Per App in Echtzeit Gespräche und Hinweisschilder übersetzen

NTT DoCoMo stellt auf japanischer Messe neue Anwendungen vor
Von Susanne Kirchhoff mit Material von dpa
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Der japanische Mobilfunkriese NTT DoCoMo hat heute auf der Elektronikmesse Ceatec, die vom 2. bis 6. Oktober in der Nähe von Tokio stattfindet, einige innovative Anwendungen für die Sprach-Übersetzung per App und die Smartphone-Bedienung präsentiert.

App soll Hinweisschilder und Menüs übersetzen

So stellt der Telekommunikationskonzern heute zwei neue Übersetzungsdienste für Smartphones vor. Mit der ersten Android-App namens "Utsushite Hon´yaku" kann der Nutzer einzelne Wörter aus dem Japanischen mit einem Live-Kamera-Bild ins Englische, Chinesische oder Koreanische übersetzen lassen (und umgekehrt). Die Anwendung ist in erster Linie für die Übersetzung kurzer Hinweistexte wie Restaurant-Menüs oder Schildern in Flughäfen, Geschäften oder auf der Straße gedacht. Die App benötigt keine Internet-Verbindung für die Übersetzung und soll ab dem 1. November für alle Android-Versionen ab 2.3 (Gingerbread) erhältlich sein.

Japanischer ÜbersetzungsdienstJapanischer Übersetzungsdienst:
Hanashite Hon´yaku
Ganz neu ist diese Funktion aber nicht. Diese Anwendung erinnert zum Beispiel an die bereits existierende Augmented-Reality-App "World Lense", die für Android und iOS verfügbar ist. Diese ersetzt beim Fokussieren der Kamera auf einen Schriftzug die Wörter in Echtzeit durch ihre Übersetzung. Allerdings bietet das kostenpflichtige World Lense keine Unterstützung für asiatische Sprachen, sondern nur vom Englischen zu Spanisch, Italienisch und Französisch sowie umgekehrt.

Auch die kostenlose App Google Translate unterstützt mittlerweile Kamera-basierte Übersetzungen. Allerdings geschieht dieses nicht "live", sondern der Nutzer knippst ein Foto und markiert dann per Fingerwisch den zu übersetzenden Text für die Texterkennung.

Echtzeit-Übersetzer für Telefonate

Ein zweite App namens "Hanashite Hon´yaku", die der japanische Telekommunikationskonzern heute auf der Messe vorstellte, übersetzt live während eines Gesprächs aus dem Japanischen ins Englische, Chinesische oder Koreanische. Dabei überführt der Server-basierte Dienst die gesprochene Sprache in Text, übersetzt diesen und macht ihn mit einer maschinellen Sprachausgabe hörbar. Der Dienst soll sowohl bei Telefonaten als auch bei Gesprächen von Angesicht zu Angesicht nutzbar sein. Dabei kann allerdings eine deutlich hörbare Zeitverzögerung entstehen. Der Echtzeit-Übersetzungsdienst wird nur für Vertragskunden von NTT DoCoMo mit passenden Endgeräten zur Verfügung stehen und soll im November starten. Weitere Sprachen, die noch in diesem Herbst hinzugefügt werden sollen, sind Französisch, Deutsch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Indonesisch und Thai.

Auch die Teil-Funktionen dieser Anwendung wie Speech-to-Text, automatische Text-Übersetzung und Text-to-Speech sind nicht ganz neu, sie allerdings lückenlos, mit einem geringen Zeitbedarf und einer hochwertigen Übersetzung zu realisieren, ist nicht trivial. Vorerst sind beide Apps anscheinend allerdings nur mit japanischer Menü-Sprache zu haben.

Grip-User-Interface reagiert auf Berührungen des Handy-Gehäuses

Zudem zeigte NTT DoCoMo den Prototypen eines Smartphones, das auf Berührungen auf dem Gehäuse reagiert. So kann das Handy auch die Haltung in der Hand und den Druck der Finger auf das Gehäuse, welches den Touchscreen umgibt, auswerten. Das US-Techblog Engadget zeigt im Video ein Hands-On der Grip UI:

Dieses Bedienungskonzept soll es ermöglichen, auch Smartphones mit einem großen Bildschirm bequem mit einer Hand bedienen zu können. So könne der Anwender bestimmte Gesten, Fingerdrücke oder Umklammerungsformen mit Aktionen auf dem Smartphone verbinden und beispielsweise die Foto-Anwendung oder den Kalender aufrufen.

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