flüssig

Nokia-Siemens-Networks plant Revolution der Mobilfunknetze

Liquid Net: Sofwarelösung für flexible Bereitstellung von Netzkapazität
Von mit Material von dpa
AAA

Liquid Net von MSNDie Software Liquid Net soll Kapazitätsprobleme in den Mobilfunknetzen beheben. Mit der zunehmenden Verbreitung moderner Smartphones steigt auch der Datenverkehr in den Mobilfunknetzen. Die stark zunehmende mobile Datennutzung ist einerseits genau das, was die Mobilfunk-Branche seit Jahren als zukunftssicheres Geschäftsmodell für weiterhin sprudelnde Gewinne ansieht, andererseits schaffen die Netzbetreiber es derzeit kaum, mit dem Ausbau neuer Netzkapazitäten der Nachfrage hinter her zu kommen: Ein Youtube-Video von wenigen Minuten erzeugt so viel Datentraffic wie Hunderttausende SMS. Deshalb kommt es immer wieder zu einer Überlastung der Netze, was die Freude an der mobilen Datennutzung erheblich einschränkt.

Mit einer neuen Software will der Netzwerkspezialist Nokia Siemens Networks (NSN) nun Abhilfe schaffen: Die Software Liquid Net soll das Management von Mobilfunknetzen revolutionieren und die Netzqualität ohne zusätzlichen Installationsaufwand deutlich verbessern. Dank Liquid Net sollen die Netzkapazitäten flexibel überall dort bereit gestellt werden, wo es gerade besonders nötig ist. Überlastete Netze und weiße Flecken sollen damit der Vergangenheit angehören, teilte das Joint Venture von Nokia und Siemens mit.

"Wir haben derzeit ein exponentielles Wachstum in den Netzen mit einem enormem Verkehrsaufkommen", sagte NSN-Manager Thorsten Robrecht der dpa. Vor allem durch mobile Geräte wie Tablets und Notebooks gebe es beim Mobilfunkstandard UMTS ein extremes Wachstum. Dieser Datentransfer erfordere Leitungskapazität, die schon bald deutlich über die derzeit verfügbaren Kapazitäten hinausgehen dürften. Zusammen mit der intensiveren Nutzung von immer mehr Smartphones könnte den Prognosen von NSN zufolge der Daten-Verkehr im Mobilfunk in absehbarer Zeit um das Hundertfache ansteigen.

Anforderungen ändern sich ständig

An welchen Standorten die Kapazitäten gebraucht würden, verändere sich täglich, erläutert Robrecht. Das Problem beim derzeitigen Netzaufbau sei, dass die Kapazitäten an bestimmten Orten zur Verfügung stünden und dort quasi "eingefroren" seien. In Afrika beispielsweise seien die Netze an den Wochenenden an der Küste am meisten belastet, wochentags dagegen in den Metropolen. "Die Provider können aber nicht überall gleichzeitig investieren." Liquid Net stelle nun ein Pool von Kapazitäten zur Verfügung, die dann dort hin "fließen" könnten, wo sie aktuell benötigt würden. Für die Mobilfunk-Anbieter bedeute dies, dass sie nur an einer zentralen Stelle in Infrastruktur investieren müssten und über große Flächen eine gleichbleibend gute Netzverbindung sicherstellen könnten.

Was bisher statisch eingestellt war, soll mit der neuen Software nun automatisch an den jeweiligen Bedarf angepasst werden. Die Antennen werden dabei individuell ausgerichtet, wodurch ein Vielfaches an Rechenleistung eingespart werden könnte. Als Beispiel führt Robrecht die südkoreanische Hauptstadt Seoul an. Dort sollte der mobile TV-Empfang in der U-Bahn sichergestellt werden. Während zuvor überall in den Schächten entsprechende Recheneinheiten hätten installiert werden müssen, habe man nun nur noch eine einzige Prozessor-Einheit gebraucht, in den Schächten seien lediglich die passenden Antennen installiert worden.

Nokia Siemens Networks ist nach Ericsson der zweitgrößte Anbieter von Mobilfunk-Infrastruktur und agiert in 150 Ländern. Unternehmenssitz ist Espoo in Finnland. Das Unternehmen verbuchte 2010 bei einem Umsatz von 12,7 Milliarden Euro einen Betriebsverlust von fast 700 Millionen Euro. NSN setzten vor allem chinesische Wettbewerber wie Huawei zu, die mit Kampfpreisen auf den Weltmarkt drängen.

Mehr zum Thema Mobilfunknetz: Technik