Arbeitsplatz-Abbau

Nokia schließt Handy-Produktion in Finnland endgültig

Ende einer Ära fällt mit weltweitem Kahlschlag Nokias zusammen
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Keine finnischen Nokia-Handys mehr: Der angeschlagene Weltmarktführer ergreift drastische Maßnahmen und schließt seine letzte Handy-Produktionsstätte im finnischen Salo. Etwa 780 Mitarbeiter werden ihren Job verlieren - und weitere Stellenstreichungen sind angekündigt.

Gegenüber dem finnischen Nachrichtenportal Yle hat Nokia den Stellenabbau bestätigt. Seit Mitte letzter Woche läuft der Abschied: Am vergangenen Mittwoch soll in Salo bereits das letzte Smartphone produziert worden sein, die Fertigung endete offiziell am Freitag. Ende September sollen sich die Werkstore dann für immer schließen.

Schließungs-Serie setzt sich fort

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in Finnland endgültig
Nach den Werksschließungen in Bochum, Ulm und Rumänien ist dies nun eine weitere Werksschließung Nokias in Europa, die mit einem einschneidenden Arbeitsplatzabbau einhergeht. Die beiden Schließungen in Bochum und Rumänien hatten starke Proteste ausgelöst: Insbesondere die Tatsache, dass Nokia für den Aufbau des Werkes in Rumänien umfangreiche Zuschüsse in Höhe von 20 Millionen Euro erhalten hatte, sorgte bei der Schließungs-Ankündigung für Ärger. Daraufhin bemühten sich der rumänische Staat und die Regionalverwaltung um eine teilweise Rückzahlung dieser Subventionen. Das Werksgelände im rumänischen Cluj hat Nokia offenbar mittlerweile an der Hausgerätehersteller De'Longhi verkauft. Zuvor hatte der rumänische Staat im November 2011 das Werk in Cluj kurzzeitig als Sicherheit für ausstehende Steuerschulden in Höhe von 10 Millionen Dollar beschlagnahmt. Diese Steuerschulden hat Nokia kurz darauf beglichen.

Im Juni dieses Jahres verkündete Nokia-Chef Stephen Elop dann ein tiefgreifendes Sparprogramm, in dessen Verlauf insgesamt 10 000 Arbeitsplätze weltweit abgebaut werden sollen, davon rund 3 700 in Finnland. Dazu gehören nun wohl auch die 780 Stellen im finnischen Salo. Mit den Beschäftigten führt Nokia anscheinend Gespräche darüber, ob für die gekündigten Mitarbeiter ein Förderungsprogramm aufgelegt wird.

Hintergrund der Sparmaßnahmen ist einmal mehr der hohe Verlust im Geschäft des ehemaligen Handy-Weltmarktführers. Im ersten Quartal 2012 konnte Hauptkonkurrent Samsung seinen Marktanteil erstmals auf 25,4 Prozent steigern, während der von Nokia auf 22,5 Prozent sank. Gerade die Nokia-Smartphones verkaufen sich nicht so gut wie erhofft, im Bereich der Einsteiger- und Mittelklasse-Handys verfügt Nokia aber in den Schwellenländern immer noch über eine gewisse Marktmacht. Durch die aufstrebenden Hersteller günstiger Smartphones wie beispielsweise ZTE oder Huawei ist aber auch dieser Marktvorsprung in Gefahr.

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