Windows Phone

Nokia Lumia 710 im Test

Flottes Windows Phone kämpft mit Tasten-Problemen
AAA

Der Homescreen des Lumia 710Der Homescreen des Lumia 710 Mit dem Lumia 800 brachte Nokia hierzulande sein erstes Windows Phone auf den Markt - zur Vorstellung zeigten die Finnen aber auch bereits das abgespeckte Lumia 710, das nun ebenfalls seinen Weg nach Deutschland gefunden hat. Im Gegensatz zum Lumia 800, das mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 499 Euro eingeführt wurde, liegt diese für das Lumia 710 bei 319 Euro. Wir haben uns das Gerät angesehen und zeigen Ihnen in diesem kurzen Test, ob sich der Kauf lohnt - oder ob Sie doch lieber auf das teurere Lumia 800 oder ein anderes Windows Phone setzen sollten.

Nicht aus einem Guss: Das Lumia 710

Nokia Lumia 710
Wer das Lumia 710 zum ersten Mal in der Hand hält, kann förmlich spüren, an welchen Stellen Nokia Abstriche macht: So ist das Lumia 710 nicht aus einem Stück gefertigt und wirkt sehr plastiklastig - und damit nicht annähernd so edel wie das Lumia 800. Somit ist das Gehäuse in Ordnung, mehr nicht - da hilft auch die Option auf farbige Wechselcover nichts, denn gerade die Rückseite des Gerätes ist sehr dünn und wirkt damit nicht besonders hochwertig.

Weniger gelungen ist Nokia auch das Design der zentralen Windows-Phone-Steuertasten unter dem Bildschirm - oder besser gesagt der Taste, die quasi drei Funktionstasten in einer langen Variante vereint. Hier hat der Handy-Hersteller einfach einen schlechten Druckpunkt gewählt, der die Nutzung erschwert. Zudem war bei Nutzung der Taste sporadisch ein deutliches Knarzen zu vernehmen. Abseits dessen liegt das Gerät aber gut in der Hand und lässt sich auch einhändig problemlos bedienen.

Lumia 710: 1,4-GHz-Prozessor sorgt für flüssiges Arbeiten

Oberseite des Lumia 710Oberseite des Lumia 710 Nokia setzt beim Lumia 710, wie beim Lumia 800, auf eine microSIM-Karte. Da das Gehäuse eben nicht aus einem Guss gefertigt ist, lässt sich beim Lumia 710 der Akku wechseln. Das Smartphone arbeitet direkt mit vorinstalliertem Mango - also Windows Phone 7.5.

Nach dem Einschalten erwarten den Nutzer dann zunächst die klassischen Windows-Phone-Installationsfragen, so zum Beispiel zu Sprache, Aufenthaltsort und zu verknüpfendem Windows-Live-Konto. Im Anschluss erscheint der Homescreen mit der bekannten, übersichtlichen Windows-Phone-Kachel-Optik.

Zum System selbst gibt es gar nicht viel zu sagen, da sich die Windows Phones bis auf kleine Details ähneln - Anpassungsmöglichkeiten haben die Hersteller kaum. Eine Besonderheit bei Nokia-Windows-Phones: Wie beim Lumia 800 auch kommt das Lumia 710 mit den speziellen Apps Nokia Navigation, Nokia Karten und Nokia Musik. Vor allem die erste App ist ein echter Mehrwert, da sie eine vollwertige Navigationslösung mit "lebenslangen" Kartenupdates auf das Gerät bringt, die über 100 Länder weltweit abdeckt. Wie sich die Apps in der Praxis schlagen, zeigt unser kurzer Test der Nokia-Apps.

Die Rückseite des Lumia 710Die Rückseite des Lumia 710 Auch wenn es sich um die Low-End-Variante im Vergleich zum anderen Windows Phone von Nokia handelt, reagiert das Gerät flott - im Inneren werkelt schließlich auch ein 1,4-GHz-Prozessor, genau wie beim Lumia 800. In puncto Datenübertragung unterstützt das Lumia 710 HSDPA mit bis zu 14,4 MBit/s und HSUPA mit bis zu 5,76 MBit/s sowie WLAN nach n-Standard. Dank des Mango-Update kommt die mobile Version des Internet Explorer 9 zum Einsatz, der auch auf dem Lumia 710 in Bezug auf die Geschwindigkeit den bekannten, positiven Eindruck hinterlässt.

Die Features im Test: Display, Kamera, Musikplayer und mehr

Das Display aus kratzfestem Gorilla Glas bietet die bei Windows Phones obligatorische Einheitsauflösung von 480 mal 800 Pixel. Die Darstellung auf dem LCD ist dabei nicht so brillant wie bei der AMOLED-Variante des Lumia 800 - aber trotzdem in Ordnung: Helligkeit und Kontrast sind stimmig, die Farben aber eben nicht so satt wie beim aktuellen Nokia-Flaggschiff-Modell. Dank der Clearback-Technik soll sich das Gerät auch bei Sonneneinstrahlung gut nutzen lassen - mangels Sommer haben wir dies nicht im Dauereinsatz geprüft, aber schon ein kurzer Test zeigt, dass der Nutzer hier keine Wunder erwarten sollte.

Nicht aus einem Guss: Nokia 710 mit WechselcoverNicht aus einem Guss: Nokia 710 mit Wechselcover Für manchen Nutzer sicherlich ein Manko am Nokia Lumia 710: Das Gerät bietet nur 8 GB Speicher - und Speicherkarten lassen sich bei Windows Phone nicht verwenden. Die 5-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz schießt leider relativ unscharfe Fotos - zwar hat Nokia einen Auto-Fokus integriert, doch dessen Bedienung ist schwierig: Wie bei diesem Mechanismus üblich, fokussiert die Kamera zunächst durch einen dauerhaften, leichten Druck auf die Taste. Durch ein "Durchdrücken" der Taste wird dann ein Foto geschossen. Da aber der Druckpunkt der Taste schlecht gewählt ist, passiert es schnell, dass beim Fotografieren die Kamera "verrissen wird". Damit sind die Bilder höchstens Schnappschuss-tauglich.

Bei der Musikqualität kann das Gerät überzeugen - der Sound ist satt. Der Player ist schön übersichtlich, aber damit auch nur sehr funktional ausgestattet - dass er so wenig Optionen bietet, ist eine Design-Entscheidung von Microsoft. In puncto Telefonie kann die Sprachqualität des Nokia Lumia 710 überzeugen - wenngleich diese natürlich zu einem großen Anteil auch abhängig ist vom Netzbetreiber und Empfang.

Fazit: Innen hui, außen mit Abstrichen in Ordnung

Die Einzelnoten im Handy-Test:
  • Technische Ausstattung: 2
  • Bedienung, Handling, Software: 2
  • Hardware, Verarbeitung, Material: 3,5
  • Basis-Feature des Handys: 2
  • Einschätzung des Redakteurs: 3
  • Gesamtnote: 2,5
Die inneren Werte des Nokia Lumia 710 sind - abseits der Kamera - völlig in Ordnung. Was das Äußere angeht, muss der Nutzer aber ein paar Abstriche machen, denn hier ist das Gerät Mittelklasse: Das Gehäuse ist nicht besonders edel, aber ganz ordentlich verarbeitet - warum Nokia die zentrale Multifunktionstaste so unschön umgesetzt hat, wissen aber wohl nur die Designer selbst. Hier gibt es für den Preis sicherlich Besseres - aber auch Schlechteres. Wer eine Alternative in der Windows-Phone-Welt sucht, kann einen Blick auf das HTC Radar werfen, das grob in der selben Preis-Kategorie liegt.

Sinnvolle Online-Händler bieten das Lumia 800 für 400 Euro (in der Telekom-Edition, bei der sich allerdings kein Branding am Gehäuse findet, sondern sich vor allem durch zusätzliche Apps unterscheidet), das Lumia 710 ist aktuell für 315 Euro gelistet. Klar - 85 Euro sind auch Geld, trotzdem gilt: Wer Nokia mag und ein Windows Phone möchte, sollte sich genau überlegen, ob er diesen Betrag nicht zusätzlich investieren möchte - was das Design angeht, ist das Lumia 800 nämlich ein Glanzstück. Allerdings werden die Preise für das Lumia 710 mit Sicherheit in absehbarer Zeit fallen - je nachdem, wie stark dies geschieht, gewinnt das Gerät dann auf Grund des besseren Preis-Leistungsverhältnis sicherlich an Attraktivität.

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