nutzen und zahlen

Nokia fürchtet die Kostenlos-Kultur aus dem Internet

Mobile Dienste sollen von den Nutzern auch bezahlt werden
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Dass der Boom der Mobilfunkbranche vorbei ist, zeichnet sich bereits seit geraumer Zeit ab. Bereits Ende vergangenen Jahres legte der weltgrößte Handyhersteller Nokia eine entsprechend pessimistische Prognose vor. Für dieses Jahr erwarten die Marktforscher von Gartner wie berichtet erstmals ein Schrumpfen des Handymarktes und somit das Ende einer langen Wachstumsperiode, die fast 15 Jahre angehalten hat. Am Rande einer Nokia-Entwicklerkonferenz in Monaco äußerte das Vorstandsmitglied Tero Ojanperä gegenüber der Financial Times Deutschland (FTD [Link entfernt] ) die Sorge, dass die "Kostenlos-Kultur" aus dem Internet in den Mobilfunk eingeschleppt würde: "Die Herausforderung für uns ist nicht Apple, sondern ein Handykunde, der kein Geld für mobile Inhalte ausgibt." Netzbetreiber und Gerätebauer seien nun gefordert, das zu verhindern - andernfalls würde der "Wert der Mobilfunkindustrie" zerstört.

Nokia hat mit dem lange angekündigten Comes with Music nun einen Versuch gestartet, gegen den kostenlosen Austausch beispielsweise von Musikdateien vorzugehen und eine Musikflatrate aufgelegt, die zusammen mit bestimmten Handys angeboten wird. Allerdings ist das Musik-Angebot hierzulande erst ab heute mit vier Nokia-Modellen verfügbar. Und weil man zur sinnvollen Nutzung von Comes With Music auch einen entsprechenden Mobilfunktarif braucht, muss Nokia Netzbetreiber mit ins Boot holen. Für Deutschland gibt es eine Partnerschaft mit mobilcom-debitel. In den Mobilfunkshops dieses Providers werden die Geräte mitsamt passenden Tarifen angeboten. Details dazu gibt es in einer eigenen Meldung.

RIM und Apple haben es schon vorgemacht

Andererseits sind andere Anbieter mit Kombiprodukten aus Dienst und Gerät sehr erfolgreich, so hat RIM mit seinen Blackberrys bereits vor Jahren zunehmend beliebte mobile E-Mail-Dienste eingeführt. Die einstigen E-Mail-Maschinen sind mittlerweile vielseitigen Smartphones gewichen, aber der Anteil an Blackberry-Geräten macht Nokia im Highend-Sektor durchaus zu schaffen. Genau in diesem Bereich ist auch Apples iPhone angesiedelt, das ebenfalls sehr erfolgreich ein Lifestyle-Handy mit entsprechenden Diensten verbindet - der AppStore für das iPhone erweist sich als erfolgreicher Marktplatz, mittlerweile werden dort mehr als 30 000 Applikationen angeboten. Der Marktanteil von Nokia-Geräten unter den Smartphones ist innerhalb eines Jahres von mehr als 50 Prozent auf zuletzt nur noch 40 Prozent gesunken, das entspricht ungefähr dem Anteil, den Nokia auch im Gesamtmarkt hält.

Allerdings werden Kooperationen zwischen Herstellern und Entwicklern von Internet-Anwendungen nicht überall gern gesehen. So klagt Boaz Zilberman, Mitgründer des israelischen Handysoftwareanbieters Fring gegenüber der FTD über die Gefahr, dass einzelne Netzbetreiber bestimmte Angebote nicht in Ovi haben wollen. Fring bietet eine Software für VoIP-Telefonie per Handy an, die beispielsweise auf dem iPhone sehr beliebt ist. Laut Zilberman nutzen weltweit bereits rund zehn Millionen Handy-Kunden Fring. Die Software läuft auch auf Nokia-Handys und soll künftig auch über Ovi vertrieben werden - was allerdings den Mobilfunk-Netzbetreibern, etwa T-Mobile, nicht gefällt. Die Mobilfunker möchten die Nutzung von VoIP-Diensten über die Mobilfunk-Netze verhindern. Unter anderem deshalb gab es bereits einen heftigen Streit zwischen T-Mobile und Nokia, der erst im Februar beigelegt wurde.

Allerdings bleibt die Frage, ob Ovi es überhaupt mit konkurrierenden Plattformen wie itunes von Apple aufnehmen kann. Während die Apple-Dienste gut funktionieren und entsprechend gern genutzt würden, hake es bei Ovi einfach noch zu oft. Nichtsdestotrotz hat sich Nokia für Ovi sehr ehrgeizige Ziele gesetzt: Für 2012 rechnet der Hersteller laut Ojanperä mit 300 Millionen aktiven Ovi-Nutzern. Dabei steht der Start des Komplett-Angebotes von Ovi noch bevor, der soll im Frühsommer stattfinden.

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