Eindrücke

Nokia E6 und X7: Erster Kurz-Test der Symbian-Anna-Smartphones

Solide Verarbeitung, besseres Symbian - aber reicht das?
Aus Berlin berichtet
AAA

Das Nokia E6 mit neuem Symbian AnnaDas Nokia E6 mit neuem Symbian Anna Nokia lud im Zuge der Vorstellung seiner zwei neuen Smartphones Nokia E6 und Nokia X7 nach Berlin zum Pressetermin, um einen ersten Blick auf die neuen Geräte werfen zu können - zumindest in der Vorserien-Variante. Das haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen, zumal für die Finnen bekanntlich viel auf dem Spiel steht: Der einst unangefochtene Marktführer verkauft zwar immer noch die meisten Handys unter allen Herstellern, im Smartphone-Segment tun sich die Finnen aber mehr als schwer - zudem ist die Zukunft von Symbian seit Bekanntgabe des Nokia-Microsoft-Deals ungewiss. Wir zeigen, ob Nokia mit dem E71/E72-Nachfolger Nokia E6 und dem Full-Touchscreen-Handy Nokia X7 ein großer Wurf gelungen ist.

Pluspunkte: Solide Verarbeitung, gute Ausstattung

Datenblätter
Zuerst das Positive: Beide Geräte können auf den ersten Blick durch ihre hochwertige Verarbeitung gefallen - Nokia setzt hier auf wenig Plastik und umso mehr Metall. Auch die technische Grundausstattung ist - wie wir bereits in unserer Meldung zur Vorstellung der Geräte gezeigt haben - solide.

So werden Nutzer, die das E71 oder E72 mochten, in puncto Formfaktor auch das Nokia E6 mögen - das Styling orientiert bis ins Detail an den beiden Vorgängern. Auch die Einhand-Bedienung ist somit ohne Probleme weiterhin möglich, die mechanischen Tasten reagieren zuverlässig und sind auch für schnelles Tippen nicht zu klein. Die Tastatur fühlt sich dabei in der Praxis ähnlich wie beim E71/E72 an. Der zusätzliche Touchscreen ist zwar sicherlich kein Grund, direkt auf das neue Gerät umzusteigen, die Integration in das Smartphone ist den Finnen aber gelungen: Das Nokia X6Das Nokia X7 Das Display ist natürlich gemessen an Full-Touchscreen-Handys verhältnismäßig klein, trotzdem ist die Bedienung per Finger zielgenau möglich, wobei der berührungsempfindliche Bildschirm den Druck zuverlässig registriert. Die Display-Auflösung liefert mit ihren 640 mal 480 Pixel auf rund 2,5 Zoll ein scharfes Bild.

Beim Nokia X7 zeigt sich in puncto Optik zunächst dasselbe Bild: An der Verarbeitung gibt es nichts zu mäkeln. Der ungewöhnliche Formfaktor des Geräts fällt indes direkt ins Auge: Das Nokia X7 von der SeiteDas Nokia X7 von der Seite Die Gehäuserückseite ist deutlich sichtbar abgerundet und liegt damit gut in der Hand - zudem sind die beiden seitlichen Kanten nicht gerade geschnitten, sondern "abgeschnitten" und dadurch deutlich spürbar - wie unser nebenstehendes Bild zeigt. Die Tasten am Gehäuserand sind in der Folge etwas gewöhnungsbedürftig angebracht, dies fällt gerade bei der Kamera-Taste auf. Ob dem potenziellen Käufer dies gefällt, ist reine Geschmackssache, es verleiht dem Smartphone zumindest eine individuelle Note. Die Display-Auflösung ist mit 640 mal 350 Pixel trotz erheblich größerem Display zwar etwas geringer als beim Nokia E6, die Darstellung aber scharf. Das Abspielen eines Videos lief flüssig. Ein Problem beim Nokia X7: Die Rückseite des X7Die Rückseite des X7 Das Gerät will mit Stereoausgabe punkten - wird es vertikal gehalten, tönen die Laufsprecher rechts und links unten aus dem Nokia X7. An den oberen Kanten finden sich vergleichbare Öffnung, die aussehen wie Lautsprecher - es handelt sich aber lediglich um Design-Attrappen. Bei horizontaler Haltung kommt der Sound entsprechend lediglich von einer Seite und dann von oben und unten, was aber keinen zusätzlichen Mehrwert bringt - und damit gerade bei der Betrachtung von Videos und Spielen ärgerlich ist.

Problem im System - warum ein Symbian-Gerät?

Auch in puncto Symbian hat sich einiges getan: Das System, in der neuesten Version Symbian Anna genannt, ist mittlerweile immerhin richtig touchtauglich - das war bekanntlich nicht immer so. So sind die Symbole jetzt groß genug, um sie mit dem Finger auch zuverlässig zu treffen. Das Scrollen zum Beispiel durch die Homescreens ist ebenfalls geschmeidiger als früher, aber: An die Konkurrenz reicht das in vielen Fällen nicht heran, bei aktuellen Android-Geräten, Windows Phones und nicht zuletzt natürlich auf dem Apple iPhone geht gefühlt alles etwas geschmeidiger.

Das Surfen mit dem überarbeiteten Browser gestaltet sich ebenfalls flüssig, doch auch hier geht es bei der Konkurrenz leichter vor der Hand. Flash-Inhalte riefen indes größere Aussetzer hervor, ob dies bei den finalen Geräteversionen noch der Fall ist, muss sich zeigen. Symbian macht Schritte in die richtige Richtung, andere Anbieter sind hier aber weiter - und die Usability ist nun mal ein mehr als wichtiger Faktor für die tägliche Nutzung.

Die Geräte sind also in puncto Optik durchaus schick, in puncto Technik solide ausgestattet, aber leider in puncto Betriebssystem und dem damit verbundenen Nutzung-Gefühl zu spät am Markt, um als Highlights durchzugehen - das Ganze hinkt der Konkurrenz ein halbes bis dreiviertel Jahr hinterher. Dabei sind die Geräte noch nicht verfügbar: Das Nokia E6 kommt in drei Varianten...Das Nokia E6 kommt in drei Varianten - und zu einem vergleichsweise hohen Preis Spätestens kurz vor Jahresmitte wird mit dem Nokia E6 und Nokia X7 zu rechnen sein. Nokia ist also immer noch damit beschäftigt, seinen Rückstand im Smartphone-Markt aufzuholen.

Nokia E6 und Nokia X7: Einfach zu teuer

In Bezug auf das Nutzungs-Erlebnis können die neuen Symbian-Geräte also offensichtlich nicht mithalten, und auch über den Preis kann Nokia nicht punkten: Die wahrscheinliche, unverbindliche Empfehlung seitens Nokia liegt bei 449 Euro für das Nokia E6 und 469 Euro für das Nokia X7 - inklusive Mehrwertsteuer. Natürlich bleiben die Preise nicht auf Dauer auf diesem Niveau, trotzdem stellt sich die Frage, warum man solche Summen in ein Nokia-Smartphone investieren sollte: Wer High-End-Handys sucht, hat heute die Qual der Wahl zwischen verschiedenen, ebenfalls hervorragend verarbeiteten Geräten, die aber mit einem zeitgemäßeren System aufwarten. Hochgezüchtete Androiden wie das Google Nexus S oder das HTC Desire HD sind im Handel schon für knapp über 400 Euro zu haben, hochwertige Windows Phones sogar aktuell schon für unter 300 Euro. Die Preise für iPhones beginnen direkt bei Apple indes bei rund 520 Euro - auch hiervon ist Nokia nicht mehr weit entfernt. Ein Handy im Blackberry-Stil teurer als die Originale anzubieten, ist ebenfalls mutig.

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