Newsletter 12/00 vom 15.06.2000
Die Neuigkeiten im Telefonbereich bis zum 15.06.2000 - von teltarif.de für Sie zusammengefasst.
  1. Inland: Tele2 setzt sich mit 6 Pfennig zur Hauptzeit an die Spitze
  2. Neuigkeiten zu Service-Nummern
  3. Auslandstarife: Fußballer schießen die Preise in den Keller
  4. Internet: Weitere Flatrates und kostenloses Surfen bei Gigabell
  5. teltarif-Leser geben AOL die rote Karte
  6. Mobilfunk: Mehr als 1,5 Millionen Handy-Nutzer zahlen Rechnung nicht
  7. UMTS: Hohe Lizenzkosten schrecken immer mehr Firmen ab
  1. Inland: Tele2 setzt sich mit 6 Pfennig zur Hauptzeit an die Spitze

    Wenn zwei sich streiten, kommt der Dritte mit einem hervorragenden Angebot, dachte sich wohl Tele2 (01013) und überraschte mit neuen Tarifen für Ferngespräche im Festnetz. Ab heute werden von Montag bis Freitag in der Zeit von 6 bis 18 Uhr nur noch 6 Pfennig pro Minute für ein Ferngespräch über die 01013 fällig. In der übrigen Zeit, also abends, am gesamten Wochenende und an bundesweiten Feiertagen, kostet ein Ferngespräch sogar nur noch 4 Pfennig in der Minute. Abgerechnet wird im Minutentakt.

    Zum Vergleich: Ein Ortsgespräch kostet bei der Deutschen Telekom zur Hauptzeit weiterhin alle 90 Sekunden eine Einheit. Rechnet man das in einen Minutenpreis um, kommt man auf 8 Pfennig. Damit sind Ferngespräche bei Tele2 glatt 25 Prozent günstiger als Ortsgespräche bei der Telekom! Bei kurzen Verbindungen ist aufgrund der ungünstigen Ortsgespräch-Taktung der Preisunterschied sogar noch größer.

    Wer vor einer Pre-Selection auf Tele2 nicht zurückschreckt, wird im Gegenzug mit dem kundenfreundlichen Sekundentakt belohnt. Um Tele2 nutzen zu können, muss man sich zunächst bei der Service-Hotline unter der Nummer 0800-2401013 anmelden, auch dann, wenn man nur Call by Call will.

    Mit den neuen Preisen ist Tele2 tagsüber von 9 bis 21 Uhr die Nummer 1 in der Tariftabelle, mit einer Ausnahme: Zwischen 17 und 18 Uhr an Werktagen ist Interoute etwas günstiger. Nachts führt weiterhin Super24 mit zumeist 3,3 Pfennig pro Minute.

    Einen Überblick über die neuen Tarife liefert online unsere Tarifabfrage auf unserer Homepage www.teltarif.de . Dort können Sie die verschiedenen Varianten (Minutentakt, Sekundentakt, mit und ohne Anmeldung) detailliert miteinander vergleichen und sich dann entscheiden, ob und falls ja, welche Form der Anmeldung Sie bei Tele 2 wählen.

    Vor der Tarifsenkung bei Tele2 lieferten sich Super24 (01024) und Talkline (01050) einen Kampf um die Preisführerschaft in den Abendstunden. Talkline startete die Offensive mit einem Preis von 4,3 Pfennig in der Zeit von 18 bis 22 Uhr. Wie zu erwarten, konterte Super24 mit einem Preis von 4,2 Pfennig pro Minute für die Zeit von 18 bis 21 Uhr.In der Zeit nach 21 Uhr verlangt Super24 schon seit längerem nur 3,3 Pfennig in der Minute. Beide Anbieter sind im Call by Call ohne Anmeldung nutzbar. Abgerechnet wird bei beiden im Minutentakt.

  2. Neuigkeiten zu Service-Nummern

    Einmal waren sich alle einig: Eine effektive Lösung für die technischen Probleme beim Hin- und Herleiten von Anrufen zu Service-Nummern musste her. So beschlossen die in Deutschland tätigen Netzbetreiber im Arbeitskreis für technische und betriebliche Fragen der Nummerierung und Netzzusammenschaltung (AKNN), dass ab dem 4. Juli 2000 alle Verbindungen zu Service-Rufnummern direkt zu der Telefongesellschaft geleitet werden sollen, die diese Rufnummern betreibt. Damit werden gleichzeitig die Tarife für Service-Rufnummern einfacher und transparenter.

    Umgekehrt heißt das allerdings auch, dass die Tarifierung und Abrechnung dieser Verbindungen ausschließlich bei der Telefongesellschaft liegt, bei der man seinen Telefonanschluss hat. Pre-Selection- oder Call-by-Call-Angebote können für den Anruf von Service-Nummern nicht mehr genutzt werden. Vorteil: man weiß endlich genau, was auf einen zukommt, weil man die Tarife seiner Telefongesellschaft ja schwarz auf weiß hat. Insofern besteht wirklich Tarifsicherheit. Damit liegt der Nachteil aber schon auf der Hand: Man kann diesen Tarif nicht beeinflussen, es sei denn, man wechselt mit dem Anschluss komplett zu einem anderen Anbieter. Das ist aber in vielen Regionen immer noch nicht möglich. Und damit hat die Deutsche Telekom wieder einmal ein Heimspiel. Betroffen sind die Service-Nummern 0130, 0137, 0138, 0180, 01888, 01901 bis 01909, 02000, 0700, 0800, und 00800.

  3. Auslandstarife: Fußballer schießen die Preise in den Keller

    Etwas besonderes hat sich First Telekom zur Fußball-EM einfallen lassen: Jeweils an dem Abend, an dem eine Mannschaft spielt, kann man in das Heimatland dieser Mannschaft günstig telefonieren. Der Preis beträgt dabei nur 8 bzw. 32 Pfennig pro Minute. Der niedrigere Preis gilt für Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden und Spanien, letzterer für Jugoslawien, Rumänien, die Tschechische Republik, Slowenien und die Türkei. Mit diesem Preis schlägt First Telecom alle Mitbewerber. Die Sonderaktion läuft jeweils am Spielabend ab 18 Uhr bis Mitternacht. Alle weiteren Details erfahren Sie über unsere Tarifdatenbank oder über unsere Sonderseite zu den Spielterminen.

    Dauerhaft sind hingegen die folgenden Tarifsenkungen: Seit dem 9. Juni bezahlt man für Gespräche nach Liechtenstein nur noch 16,9 Pfennige und damit 2,2 Pfennige weniger als zuvor - rund um die Uhr und im Minutentakt. Super24 (01024) nimmt damit wieder den Spitzenplatz für dieses Land im offenen Call by Call ein. Ebenfalls seit dem 9. Juni ist die Slowakische Republik für 35 Pfennig pro Minute zu erreichen. Etwas weiter weg, aber telefontechnisch billiger, ist das Ziel Dominikanische Republik. 31,9 Pfennig kostet eine Gesprächsminute über die 01024 in das karibische Urlaubsparadies. Sollten die Leitungen von Super24 überlastet sein, kann man für 33 Pfennig in der Minute auch über First Telecom (01039) telefonieren. Abgerechnet wird bei beiden im Minutentakt.

    Auch über Callino (01075) kann man im offenen Call by Call günstiger ins Ausland telefonieren. Die Ländergruppe Europa 1 wird billiger und kostet nun 17 Pfennig pro Minute. Dazu gehören die Länder Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden, Schweiz, Spanien und der Vatikan. Ebenfalls 17 Pfennig pro Minute kosten Gespräche in die USA und nach Kanada.

    Eine andere Möglichkeit, Telefonkosten zu sparen, ist leider Geschichte. Die österreichische Auskunft 11811, die auch deutsche Rufnummern mitteilte, ist ab sofort nicht mehr über die 01024 von Super24 zu erreichen, da die Telekom Austria den Wiener und den Salzburger Zugang für deutsche Telefonsparfüchse gesperrt hat. Das ist auch nachvollziehbar, handelt es sich doch um ein Minusgeschäft für die Telekom Austria.

    In Zukunft will auch Rapid Link auf dem gesamten deutschen Markt beim Tarifgeschehen mitmischen. Ab sofort kann man das Angebot über die 01065 im gesamten Bundesgebiet nutzen. Wer Kunde bei Rapid Link werden will, muss sich allerdings anmelden. Es fallen dafür aber keine Kosten oder Grundgebühren an. Der Einstand für das bundesweite Angebot ist zwar ein Auslandstarif, aber der kann sich sehen lassen: Gespräche in die USA kosten ab heute nur 10 Pfennig in der Minute. Unterboten wird dieser Preis nur vom Normaltarif von Super24 mit 9,9 Pfennig pro Minute. Noch billiger sind die allerdings die Juni-Spezial-Angebote von Super 24 und GTS (01040). Hier werden in der Zeit von 21 bis 7 Uhr nur 8,9 bzw. 9 Pfennig pro Minute für Gespräche in die USA fällig. Alle genannten Tarife werden im Minutentakt abgerechnet, wobei Super24 und GTS keine Anmeldung erfordern. Wer den günstigen Sekundentakt haben möchte, kann sich bei Rapid Link pre-selecten lassen. Die Anmeldung für die Dienste von Rapid Link ist unter der kostenlosen Nummer 0800/01065 00 möglich.

  4. Internet: Weitere Flatrates und kostenloses Surfen bei Gigabell

    Die Flatrate-Hysterie aus dem vorigen Newsletter klingt noch etwas nach: Der Flatrate-Anbieter Flat4You verbessert seine Vertragsbedingungen, indem er den Flatrate-Tarif PowerNet für einen Pauschalpreis von 77,27 Mark im Monat nun ohne einmalige Anmeldegebühr anbietet. Die Einwahl kann von praktisch jedem Telefonanschluss im Deutschland erfolgen. PowerNet ermöglicht auch Kanalbündelung, wobei der zweite Kanal dann 2,99 Pfennig pro Minute zusätzlich kostet. Die Mindestvertragslaufzeit beträgt sechs Monate. Leider ist der PowerNet-Tarif von flat4you derzeit auf 5.000 Kunden beschränkt.

    Die Bitburger Silyn-Tek, bekannt unter dem Namen Surf1, hat ein spezielles Flatrate-Angebot für Lehrerinnen und Lehrer aufgelegt. Die sogenannte Surf1 Power Teacher Flatrate kostet den halben Preis der "normalen" Flatrate, und ist damit für 69,50 Mark im Monat zu haben. Auch die Anmeldegebühr ist nur halb so hoch wie normal und schlägt somit für einmalig 64,50 Mark zu Buche. Wer als Lehrer nicht zu den Rund-um-die-Uhr-Surfern gehört, kann auch die zwei folgenden Tarife ins Auge fassen. Surf1 Power Teacher 10 beinhaltet zehn Stunden Surfen zum monatlichen Festpreis von 9,95 Mark. Eine Online-Minute kostet demnach gerundet 1,66 Pfennig. Die doppelte Zeit gibt es bei Surf1 Power Teacher 20. Hier sind 20 Stunden Surfen zum monatlichen Festpreis von 19,95 Mark enthalten. Das ergibt ebenfalls 1,66 Pfennig pro Minute. Surf1 verlangt für alle drei Teacher-Tarife eine schriftliche Bestätigung der Schule, danach steht einer Freischaltung nichts mehr im Wege.

    Einen ganz anderen Weg beschreitet Gigabell. Unter dem Motto "Flatrate ist out, kostenlos ist in" bewirbt Gigabell auf seiner Homepage sein kostenloses Surf-Angebot, das nach den Sommerferien starten soll. Unter dem Namen freeOKAY.net soll es ermöglicht werden, werbefinanziert ohne alle Kosten online zu sein. Interessenten können sich ab sofort auf der Homepage unter der Adresse www.okay.net voranmelden. Die ersten 100.000 Interessenten nehmen von Anfang an am Pilotversuch teil. Wann der genaue Starttermin sein wird, steht noch nicht fest.

    Eine ganz "normale" Preissenkung gibt es auch noch zu berichten: germany.net hat zum 1. Juni seine Preise für den Internetzugang gesenkt. Hier die genauen Tarife: germany.net online privat (mit Anmeldung) Montag bis Freitag 2,9 Pfennig pro Minute, Samstag und Sonntag 2,2 Pfennig Minute. germany.net online (ohne Anmeldung) 3,3 Pfennig pro Minute rund um die Uhr. Leider fällt bei beiden Tarifen eine Einwahlgebühr von 6 Pfennig an, so dass ein kurzes E-Mail-Abholen ein relativ teures Vergnügen wird.

  5. teltarif-Leser geben AOL die rote Karte

    5000 Teltarif-Leser haben innerhalb einer guten Woche an unserer Blitz-Umfrage zum Streit zwischen AOL auf der einen und der Regulierungsbehörde und der Deutschen Telekom auf der anderen Seite teilgenommen. Zankapfel ist der Tarif T-ISDN xxl, der Sonntags kostenloses Telefonieren und in Verbindung mit dem T-Online-pro-Tarif auch kostenloses Internet-Surfen ermöglicht. Gefragt war, wie die Sympathien in dieser gerichtlichen Auseinandersetzung verteilt sind. Hat AOL recht? Oder die Telekom? Oder gilt das altbekannte Sprichwort: Wenn zwei sich streiten, dann freut sich der Dritte?

    Wenig Begeisterung konnte AOL mit seinem gerichtlichen Vorgehen hervorrufen. Nur 17 Prozent der Teilnehmer gaben AOL ihre Stimme. Mit 49 Prozent verfehlte die Telekom die Mehrheit nur haarknapp. Die "Dritten" vereinigten die restlichen 34 Prozent auf sich.

    Inzwischen haben nicht nur die Teltarif-Leser, sondern auch die Gerichte entschieden. Bereits am vergangenen Freitag legte das Oberverwaltungsgericht in Münster fest, dass die Telekom ihren xxl-Tarif weiter vertreiben darf. Der von AOL erwirkte Zwischenentscheid ist damit aufgehoben.

  6. Mobilfunk: Mehr als 1,5 Millionen Handy-Nutzer zahlen Rechnung nicht

    Da arbeitet sich teltarif Tag für Tag durch das Angebotswirwarr um die billigsten Tarife für Sie herauszufinden, und dann gibt es doch tatsächlich nicht gerade wenig Leute die einen Rabatt der besonderen Art nutzen: Sie zahlen einfach nicht.

    Mehr als 1,5 Millionen Handy-Nutzer in Deutschland bezahlen nach Schätzungen der Unternehmensberatung Mummert+Partner ihre Mobilfunkrechnung nicht oder nicht pünktlich. Das Unternehmen veröffentlichte eine Studie, wonach die Mobilfunkgesellschaften in diesem Jahr wegen säumiger Zahler an die 750 Millionen Mark werden abschreiben müssen. Das seien im Schnitt 3,5 Prozent des Umsatzes; bei den "Spitzenreitern" der Branche gingen sogar bis zu acht Prozent Umsatz durch zahlungsunfähige Kunden verloren, ermittelten die Unternehmensberater.

    Wer lieber einen günstigen Tarif wählt und anschließend ehrlich zahlt, der hat nach wie vor mit unserem Mobilfunkberater auf unserer Homepage www.teltarif.de einen guten Wegweiser bei der Hand. Ganz neu im Mobilfunkberater sind die WAP-Seiten, in denen wir den Fragen auf den Grund gehen: Was ist WAP, was kostet es, was gibt es für Handys und wie komme ich online?

    Echte Preisänderungen haben wir diesmal aus dem Mobilfunkbereich nicht zu melden. Statt dessen gibt es ein paar Änderungen bei den "Sparoptionen für Fortgeschrittene". Die Rede ist von Callthrough und Callback. Sparen können Handy-Nutzer neurdings auch mit der T-Card von der Deutschen Telekom. Gespräche innerhalb Deutschlands kosten über diese Karte pro Minute vom Festnetz zum Festnetz 39 Pfennig und vom Mobilfunknetz 69 Pfennig in der Minute. Die mögliche Ersparnis ist eine satte Mark pro Minute. So kostet bei der D1-xtraCard die Minute tagüber 1,69 Mark, mit der T-Card nur 69 Pfennig. Für Leute die sich nicht binden wollen, gibt es auch eine Prepaid-Version der T-Card. Diese heißt Holiday-Card und ist mit Guthaben von 25 oder 50 Mark in jedem T-Punkt erhältlich.

    Eine Preiserhöhung gab es für Sparfüchse, die den Callback-Service von Rapidlink nutzen. Gespräche vom Festnetz in die deutschen Mobilnetze kosten mit 24 US-Cent pro Minute rund doppelt so viel wie bisher. Umgekehrt ist es genauso, fast der doppelte Preis. Gespräche vom Mobilfunk zum Mobilfunk kosten nun stolze 36 US-Cent pro Minute. Auslandsziele vom Mobilfunk werden ebenfalls teurer. Hier eine Auswahl: Frankreich (33 US-Cent), Großbritannien (21 US-Cent), Italien (28 US-Cent). Besonders schade ist, dass die Kunden anscheinend nicht über diese Preiserhöhungen informiert worden sind. Auf diesen Fehler und die 25 Dollar Vorkasse angesprochen, sagte uns Rapidlink, dass für Bestandskunden vorerst noch die alten Preise gelten. Wie lange, wollte man uns allerdings nicht verraten. Rapidlink gehört damit nicht mehr zu den Callback-Anbietern, die wir empfehlen könnten. Alternativen finden Sie auf der Callback-Seite unseres Mobilfunkratgebers.

    Zum Schluss fassen wir noch einmal zusammen, wieviele Handy-Prepaidkarten sie bei welchem Anbieter kaufen können. Seit unserem letzen Newsletter hat e-plus mitgeteilt, dass die maximale Anzahl von Free&Easy-Prepaid-Karten pro Kunde ab sofort auf fünf festgelegt ist. Unterdessen hat T-Mobil die D1-XtraCard-Freischaltungen von fünf auf drei Karten je Kunde noch weiter begrenzt. Mehr Karten gibt es nur für Geschäftkunden, die dargelegen, wofür die zusätzlichen Karten benötigt werden. D2 Mannesmann bleibt bis auf weiteres bei der Beschränkung auf zwei CallYa-Karten pro Kunde. Nur noch bei VIAG Interkom sind weiterhin unbegrenzte LOOP-Karten-Freischaltungen möglich.

  7. UMTS: Hohe Lizenzkosten schrecken immer mehr Firmen ab

    Immer auf Draht, Spiele und Einkaufen per Handy und Videokonferenzen im Fonds des Dienstwagens: Technik-Optimisten träumen vom omnipräsenten Online-Dasein, Politiker hoffen auf Milliardenerlöse aus Lizenzverkäufen und haben das Geld im Geiste längst verteilt. Doch die deutsche Auktion der Mobilfunk-Lizenzen im neuen UMTS-Standard für multimediafähigen Mobilfunk schreckt sechs Wochen vor ihrem Start immer mehr Bewerber ab. Bei aller gezeigten Begeisterung für die Zukunftstechnik Universal Mobile Telecommunications System ziehen spätestens die Finanzexperten der Firmen die Notbremse. Sie sehen horrend hohe Kosten für Lizenzkauf und Netzaufbau und auf der Gegenseite nur schwer vorhersagbare Einnahmen durch Handy-Gebühren. Nach der französischen Vivendi-Gruppe springt nun mit Talkline bereits der zweite von elf zugelassenen Bietern in Deutschland ab.

    "Die zu erwartenden hohen Lizenzkosten für UMTS rechnen sich für unser Unternehmen in keinem Fall", stellt Talkline-Geschäftsführer Kim Frimer nüchtern fest. Damit gibt auch der Chef der vom US-Konzern SBC Communications und der SBC-Tochter Tele Danmark kontrollierten Firma die branchenübliche Zurückhaltung auf. Vivendi-Boss Jean-Marie Messier rügte öffentlich mehrfach die hohen Kosten für UMTS-Lizenzen in Europa und wies die vorgegebene Summe von 32,5 Milliarden Franc (9,69 Milliarden Mark) für jede der vier UMTS-Lizenzen in Frankreich als "exorbitant" zurück. In Großbritannien hatten die Bieter um British Telecom, Vodafone, Orange und die Telekom-Tochter one2one für fünf Lizenzen durchschnittlich rund 14 Milliarden Mark je Lizenz gezahlt.

    Weil der deutsche Markt als noch lukrativer als der britische eingeschätzt wird, rechnen Bankanalysten damit, dass die Bieter bis zu 20 Milliarden Mark hinlegen müssen, um ab dem 31. Juli in Mainz eine der vier bis sechs Lizenzen ersteigern zu können. Doch die Reihen der Bewerber könnten sich noch weiter lichten. Debitel-Chef Peter Wagner betonte in der vergangenen Woche auf der Hauptversammlung der von Swisscom dominierten Telefonfirma, er wolle "nicht um jeden Preis" mitbieten.

    Am Schluss könnte es passieren, dass die vier bereits etablierten Netzbetreiber je eine Lizenz ersteigern. Dem Wettbewerb täte es hingegen gut, wenn eine oder zwei Lizenzen an Neueinsteiger gingen. Die im Moment anzutreffende Ruhe an der Mobilfunk-Preisfront ist mit Sicherheit auch eine Folge der anstehenden Versteigerungen: Wenn Milliarden für den Lizenzerwerb zurückgestellt werden, bleibt kein Spielraum mehr für Preismaßnahmen.


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