- Freier Fall international
Wenn etwas in Bewegung war in den letzten 14 Tagen, dann die
Preise für Auslandsgespräche. Höhepunkt der vergangene Donnerstag,
an dem morgens Interoute rund zwanzig
Ziele zum Teil um die Hälfte reduzierte.
Dänemark für 18, Spanien für 24 und Venezuela für 68 Pfennig
pro Minute im kundenfreundlichen Sekundentakt und ohne Anmeldung
über die 01066 - die schiere Herausforderung für
01051.
Die legten am selben Abend nach, verbilligten 13 Ziele,
darunter Dänemark für 17 und Italien für 23 Pfennig pro Minute,
und übernahmen erneut die "Tabellenspitze" in der teltarif-Datenbank.
Der Düsseldorfer "Telefon-Aldi" hatte zwei Tage vorher mit einem
Dutzend neuer Billig-Ziele im Ausland den neuen Preis-"Krieg" eröffnet.
Schon zuvor hatte KomServ - der
"Nummern-Spezialist" - seiner Liste von Auslandszielen für
24 Pfennig ein Trio hinzugefügt: Island, St. Petersburg und
Moskau. Wie bisher erfolgt die Einwahl über 01805/024 024.
Auch GTS Esprit hat einige Auslandsziele
verbilligt: Griechenland lässt sich über den Düsseldorfer Anbieter
mit 29 Pfennig werktags und 20 Pfennig tagsüber am Wochenende sehr
günstig erreichen. Natürlich gehören noch andere Länder in die
Kategorie "Ausland Spezial". Achtung aber: die Wochenend-Nächte sind bei GTS
Esprit teurer als die Tage! Ausserdem hat GTS die Verbindungen in die
Mobilfunknetze tagsüber auf 64 Pfennig pro Minute angehoben.
Musik für die (gar nicht mehr so ferne) Zukunft verspricht Viatel: Kunden aus Belgien, Deutschland,
Frankreich, Großbritannien, Kanada, Niederlande, Schweiz und USA können
ab Januar 2000 für umgerechnet knapp 9 Pfennig nationale und
internationale Ferngespräche führen. "One World, One Rate" heißt die
Idee. Sie bedingt allerdings Mitgliedschaft
im "Club" zu einem Preis ab 25 Dollar im Monat, so dass sich
insgesamt ein Preis von ca. 14 Pfennig ergibt.
Übrigens noch eine "internationale" Preissenkung: Die Wiesbadener
DTG AG hat endlich ihr lange angekündigtes
Versprechen wahr gemacht und bietet ihren
Türkei-Discount für 39 Pfennig pro
Minute an; dafür muss man aber die McCall-Karte speziell erwerben.
- Nationale Sonderpreise
Bewegung auch im Spiel der nationalen Preise. Viag Interkom kündigt
zum 1. Dezember neue Tarife für Geschäftskunden an. Normalerweise
kosten Deutschlandgespräche bei dem Münchener Unternehmen ab dann
13 Pfennig. Aber Firmenkunden können innerhalb
ihres "Filialverbundes" für ganze 7 Pfennig telefonieren,
deutschlandweit. Ab welcher Umsatzgröße so kulant abgerechnet wird,
wollte Viag allerdings nicht verraten.
Callino, ebenfalls aus München,
bietet Telefonie und Internet jetzt auch im Doppelpack. Das Bundle,
wie es neudeutsch so schön heißt, ist aber für "durchschnittliche"
Privatkunden ziemlich uninteressant, da es nur wenig spart. Kunden,
die z.B. 10 Stunden Telefonie plus 20 Stunden Internet
buchen, erreichen einen Preisvorteil von DM 34,30.
- Diesmal echte Flatrate bei AOL?
Flatrate? Für 50 Mark?? Schon im ersten Quartal 2000???
Das Fragte sich die ganze Surfgemeinde, als AOL
Planungen für ein solches Projekt bestätigte.
Indes: Zeitpunkt und definitive Kosten stehen noch nicht fest.
Einstweilen geht es bei echten "Flatrates" noch um dreistellige
Beträge. Digital Transfers
bietet neuerdings auch Business-Kunden eine solche an, zum Preis
von 359,- Mark zuzüglich Mehrwertsteuer in der
Rund-um-die-Uhr-Version "Connect 24/7 pro". Um kleinere Beträge
geht's bei Silyn-Tec. Der Bitburger
Provider reduziert zum 1. November seinen "Basic-Tarif" von 4,5
auf 3,9 Pfennig pro Minute. Auch mit 1&1
geht es günstiger ins Internet.
3,9 Pfennig pro Minute rund um die Uhr zahlt der Kunde für die
Version "Internet.profi Special", zuzüglich einer Monatsgebühr von
13,90 Mark.
Textildiscounter C&A hat seinen
Kombi-Zugang mit Talkline per
18. Oktober von 7,7 auf 6,9 Pfennig pro Minute gesenkt;
nachts werden ebenfalls 3,9 Pfennig berechnet. Diesen Preis
verlangt ab 1. November auch die Essener cityweb - rund um die Uhr.
Hier kommen 8,88 bzw. 5,55 Mark (nur für Abonnenten der
WAZ-Gruppe) an monatlicher Grundgebühr hinzu.
Alle wichtigen Informationen, insbesondere, wie man sich
bei den Providern anmeldet, stehen wie immer auf den
Anbieterseiten von http://www.teltarif.de/ .
Diese werden in absehbarer Zeit auch ein Facelifting erhalten -
damit Sie die wesentlichen Informationen noch schneller finden
als bisher.
Zum echten Nulltarif kann man auch schon surfen:
Wenn man zufällig in Kassel wohnt und am Samstag (23.10.)
über 01051 den Hamburger Provider
POP nutzt. Die einen, 01051, sind dort auf
ihrer "Gratis-Telefonieren-Städtetournee", die anderen wollen zeigen,
was sie können, und öffnen ihre Datenleitungen. Statt POP kann
man aber auch andere offene Internet-Provider nehmen - z.B.
EWE-Tel's Knoten in Cuxhaven unter
04721/599 777. Benutzername und Passwort sind jeweils
"ewetel". Wenn's klappt, sind viele Surfer froh.
- Fast-Flatrate der Deutschen Telekom
Die Deutsche Telekom hat die Konditionen für "Festverbindung Internet" über
T-DSL deutlich gesenkt. Hierbei handelt es sich um Standleitungen,
die hauptsächlich für Geschäftskunden gedacht sind. Die Konditionen
sind aber durchaus mit denen vergleichbar, die andere Anbieter
in letzter Zeit für (private) Flatrates veröffentlicht haben.
Insbesondere dürfte T-DSL für Wohngemeinschaften interessant
sein, wenn sich in dieser gleich mehrere internetbegeisterte
Bewohner befinden. Die kleinste Variante 1 kostet im Monat
317,64 Mark zuzüglich 16 Pfennig pro Megabyte. Man ist
über diesen Zugang dauernd online mit bis zu 1,5 Megabit
pro Sekunde, ohne zusätzliche zeitabhängige Gebühren bezahlen
zu müssen. Das Angebot soll bis Ende dieses Jahres in 34
Städten verfügbar sein. Die Einrichtung kostet allerdings
einmalig happige 1474,70 Mark.
- Ärger mit dem Internet
Probleme mit dem Internet-Zugang - wer hat die nicht ab und an?
Mal ist er besetzt, mal ziemlich lahm, und manchmal geht er gar
nicht mehr. Zum Beispiel bei WebWAY.
Der Bremer Provider nimmt keine Neuanmeldungen
mehr entgegen, weder für den Standard- noch für den Premiumtarif
(inkl. 100 Freistunden). Wie es heißt, sind die Verträge mit der Deutschen Telekom gekündigt. Wie es weitergeht, steht noch in den Sternen.
Bei der Ibbenbürener inetservice AG
gab's Chaos bei den Rechnungen. Schuld war
wohl die Billing-Software, der Leidtragende war der Kunde. Immerhin
soll zuviel abgebuchtes Geld zurückgezahlt werden.
Käufer eines ELSA-Highspeed-Modems, das in Kombination mit einem
Internet-Zugang von TelDaFax derzeit
für 79,- Mark vertrieben wird, werden ausgebremst, wenn sie nicht
mit TelDa.net surfen wollen. Statt 56 stehen dann nur 14,4 kbit
pro Sekunde zur Verfügung. Erst nach zwei Jahren fällt die
Surf-Bremse weg. Zwar steht auf der
Packung, dass es sich um ein Kombi-Angebot handelt. Doch so
richtig klar wird die Einschränkung dem Käufer durch die
aufgedruckten Texte nicht.
- Diverse vorausbezahlte Telefonkarten-Neuheiten
Das Geschäft mit den Prepaid-Karten bleibt speziell. Wem kann man
trauen, wer ist korrekt?
Mox, mit Sicherheit einer der
seriösen Kartenanbieter, hat wieder etwas Neues, diesmal eine
wiederaufladbare Telefonkarte. Wieder
wird über TV-Direkt vertrieben, und wieder gibt's etwas umsonst:
Nämlich fünf Minuten Telefonieren. Danach kann das Guthaben
aufgefüllt werden, jeweils in Beträgen von 25,- Mark oder mehr.
Deutschlandgespräche kosten 15, die USA und acht europäische Länder
20 Pfennig; Verbindungen zum Mobilfunk sind mit 70 Pfennig
eher weniger interessant.
WorldLine aus Düsseldorf bietet gleich
acht Prepaid-Karten mit Schwerpunkt-Zielen an. Zwar sind die Tarife
nicht schlecht (Deutschland-Gespräche für 9 Pfennig), doch
besteht Verwechslungsgefahr, denn Länder, die auf der einen Karte
günstig sind, sind bei der anderen teuer. Weniger wäre mehr.
Neue Tarife hat Axxon für seine
FleXX-Card aufgelegt. Das Beste nach dem 15. Oktober (wie
schon bislang): Verbindungen in die deutschen Mobilfunknetze für
39 Pfennig rund um die Uhr.
- Callback mit Zuschlag
Access Authority hat seine
Callback-Tarife angepasst. Zum 15. Oktober kosten
Gespräche nach Deutschland statt 33,8 nur noch 30 Pfennig
(beim Umrechnungskurs von DM 1,90 für 1 Dollar,
der etwas höher ist, als der aktuelle Kurs, aber der Dollar
könnte auch wieder steigen). Auch Überseeverbindungen sind
billiger geworden. Die günstigsten Ziele sind (natürlich) USA
und Kanada mit 26,6 bzw. 28,5 Pfennig pro Minute. Teurer
werden hingegen Verbindungen von und zum Handy - beispielsweise
kostet Handy -> Festnetz ab sofort 43,7 Pfennig pro Minute.
- Regionale Vielfalt
Es lebe der Wettbewerb - nach diesem Motto fordern immer mehr
kleine Gesellschaften auf lokaler bzw. regionaler Ebene den
Ex-Monopolisten heraus. Ihre Stärken haben diese Firmen
in der Regel netzintern: Zwischen den Anschluss-Inhabern
kann untereinander oft sehr günstig telefoniert werden.
Neu bei teltarif sind jetzt ENKom
(Raum Gevelsberg) und MEOCOM
(Rhein/Ruhrgebiet). Von den schon etablierten Firmen hat
wohl TeleBel die interessanteste
Neuerung hervorgebracht: Der Wuppertaler Regionalprovider hat ab
1. November auch Mobilfunkanschlüsse
von D1, D2 und E-Plus im Angebot. Gegenüber den Originaltarifen
der Netzbetreiber kann TeleBel bei 24,95 Mark monatlicher
Grundgebühr Preisnachlässe von zehn Prozent und mehr anbieten.
TeleLev und KielNET bieten Direktanschlüsse in
ihren Lizenzgebieten, HTP hat einen neuen
Internetzugang im Programm.
- Heiteres Übernahmefieber
Zum Schluss mal wieder ein Blick hinter die (Finanz-)Kulissen der
TK-Branche. Rund 50 Milliarden Mark sollen fließen, wenn
Mannesmann den britischen Mobilfunk-Betreiber Orange aufkauft.
Der Mega-Deal würde den ewigen Telekom-Konkurrenten zum größten
Mobilfunk-Anbieter in Europa machen.
So gut wie über die Bühne - vorbehaltlich der üblichen
kartellrechtlichen Prüfungen - ist die
Übernahme von E-Plus durch France
Télécom. Kostenpunkt: 14,4 Milliarden Mark. Für die Franzosen
eine süße Rache gegenüber Telekom-Chef Ron Sommer, der ja im
Frühsommer mit dem misslungenen Fusions-Versuch mit der Telecom Italia
den früheren Partner vergrätzt hatte.
Etliche Preiskategorien kleiner ist die
Übernahme der angeschlagenen
Telepassport durch
MobilCom für rund 20 Millionen
Mark plus Schuldenübernahme. Das Erfurter Unternehmen ermöglicht
MobilCom den Einstieg in den Ortswettbewerb und soll unter eigenem
Markennamen weiter arbeiten.
- Mobile Alternativen
Die Deutsche Telekom hat eine
Senkung ihres Geschäftskundentarifs "ProTel" zum 15. November
angekündigt. Gespräche vom Mobilfunk ins Festnetz werden zur
Hauptzeit von 49 auf 39 Pfennig pro Minute reduziert. Auch
das Abhören der Mailbox wird günstiger, nämlich von 56 auf ebenfalls
39 Pfennig.
Viag Interkom wirbt schon
weihnachtlich: An den Feiertagen kann man vom Loop-Handy zu anderen
Viag-Handys für 1 Pfennig pro Minute telefonieren. Das kann
man bislang am Wochenende auch schon. Und übrigens fällt Weihnachten
in diesem Jahr (leider?) auf ein Wochenende.
Gar nicht lustig: Das innerdeutsche Roaming für E2-Kunden über Swisscom ist
nicht mehr möglich. Als teltarif schon vor Wochen entsprechend
berichtet hatte, meinte Viag noch dementieren zu müssen. So schnell
ändern sich die Zeiten...
Die Internetzugangskosten befinden sich also weiterhin im freien
Fall - toll für alle, die gern online sind, aber auch gut für die
Zukunft des Internets in Deutschland.
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