Newsletter 19/98 vom 20.09.1998
Die Neuigkeiten im Telefonbereich bis zum 20.09.1998 - von teltarif.de für Sie zusammengefasst.
  1. Calling-Card-Entscheidung des Regulierers: First Telecom und alle anderen werden demnächst teurer.
  2. Umsonst telefonieren mit Werbung in der Leitung.
  3. Die Kehrseite des umsonst Telefonieren: Netzüberlastung bei D2 am 30. August.
  4. Überarbeitung der Tarifdatenbank.
  5. Neue Software für die Verwaltung der Newsletterabos.
  6. Neuer Reseller Mox Telecom mit diversen Spezialtarifen.
  7. Echtes Call by Call bei der Viag Interkom.
  8. Auch ISIS kündigt echtes Call by Call an.
  9. Preissenkung für Auslandsgespräche in der Nebenzeit bei Viatel.
  10. Neue Tarife bei Interoute ab dem 1. Oktober 1998.
  11. Preissenkung bei Telepassport zum 1. Oktober 1998.
  12. Preissenkung ACC zum 1. Oktober 1998.
  13. Mobilcom führt ab 1. Oktober 1998 einen Regional-Tarif ein - leider nur für Pre-Selection-Kunden.
  1. Der erste Punkt des heutigen Newsletters ist eine Entscheidung der Regulierungsbehörde, die schon ein paar Wochen zurückliegt: Für die Aufnahme von 0800- und 0130-Gesprächen aus dem Mobilfunk wird ein sehr hohes Interconnection-Entgelt festgelegt. Die Folge ist, dass Anbieter von Calling Cards, allen voran First Telecom, ihre Tarife für Gespräche von den Mobilnetzen in die Festnetze drastisch erhöhen müssen. So führt First Telecom zum 1. Oktober einen Handy-Zuschlag von 95 Pfennig pro Minute ein! Andere Firmen ziehen mit ähnlich hohen Zuschlägen nach oder stellen wie Interoute das Verfahren von Callthrough auf Callback um. Einige Anbieter haben hingegen das Glück, dass ihre Interconnect-Verträge noch ein paar Monate laufen, bevor auch bei diesen der Preis erhöht werden wird.

    Die Entscheidung des Regulierers ist nicht nachvollziehbar. Ein Grundsatz in der Marktwirtschaft ist, dass der Großkunde günstiger einkaufen kann als der Endkunde. Nun haben in den letzten zwei Monaten alle Mobilfunkprovider einen "Ortstarif" für Gespräche vom Mobilfunk zu speziellen Nummern oder Vorwahlen im Festnetz angekündigt bzw. eingeführt. Die Deutsche Telekom berechnet bei TellyLocal im D1-Netz beispielsweise 39 bis 68 Pfennig pro Minute für Telefonate zu Teilnehmern innerhalb der Wunschvorwahl. In der anderen Richtung, vom Festnetz zum Mobilfunk, werden den Telekom-Konkurrenten hingegen 40 bis 78 Pfennig pro Minute in Rechnung gestellt, siehe Amtsblatt 13 der Regulierungsbehörde vom 8. Juli 1998 (zu den dort genannten Preisen ist noch die Umsatzsteuer hinzuzurechnen). Aus der Höhe des Mobilfunk-Zuschlages bei First Telecom ergibt sich, dass der Regulierer einen ähnlich hohen Preis auch für die Aufnahme von 0800-Gesprächen festgelegt hat.

    Mit anderen Worten: Seit kurzem werden Verbindungen zwischen dem Mobilfunk und dem Festnetz dem Endkunden günstiger angeboten als dem Großkunden. Das ist allerbester Protektionismus. Wenn nicht der Regulierer eingreift, dann wird hoffentlich möglichst bald das deutsche oder europäische Kartellamt dieser Abschottungspolitik ein Ende setzen.

    Für den Endkunden stellt sich unabhängig von der Politik die Frage, wie er in Zukunft bei Telefonaten vom Mobilfunk ins Festnetz sparen kann. Ein paar Monate lang wird es sicherlich noch Calling Cards geben, bei denen die Preiserhöhung noch nicht durchgeführt wurde. Die langfristige Alternative heißt hingegen Callback. Deswegen wird in den nächsten Wochen diese Rubrik auf www.teltarif.de deutlich ausgebaut werden.

    Natürlich ist es grundsätzlich wenig sinnvoll, innerdeutsche Telefonate Handy->Festnetz oder Handy->Handy den Umweg über die USA laufen zu lassen. Aber bei marktfeindlicher Politik haben sich solche Umwege in der Vergangenheit schon oft als wirkungsvoll herausgestellt: Man denke an das Ende der DDR zurück, als für viele Deutsche der Weg von Ost nach West über Ungarn lief. Einmal in Bewegung geraten war die Welle nicht mehr aufzuhalten.

  2. Wer möchte nicht umsonst telefonieren? Nun, TeleFlash aus Berlin verspricht genau dieses. Finanziert wird der Dienst durch einen Werbejingle, den man sich am Anfang des Telefonats anhören muss. Am 20. und 26. September ist jeweils ein Probelauf geplant. Um telefonieren zu können, muss man zunächst die Nummer 0800/0100 100 anwählen. In den letzten Wochen haben aber so viele Medien (Funk, Fernsehen, Presse) über dieses Angebot berichtet, dass es sehr, sehr schwierig werden dürfte, eine freie Leitung zu ergattern.
  3. Am 30. August hatte Mannesmann privat/D2 allen Kunden kostenlose Telefonate im D2-Netz und zum Festnetz angeboten. Das Ergebnis: Totale Netzüberlastung. Kunden, die auf das Mobiltelefon angewiesen waren, reagierten empört. Sie hätten lieber die üblichen Gebühren bezahlt und dafür eine freie Leitung gehabt.

    Hoffen wir, dass dieses Ereignis den Verantwortlichen eine Lehre ist: Das Telefon ist ein wichtiger Dienst - zu wichtig, als dass man damit als Netzbetreiber spielen sollte. Telefonate kosten zwar nur Pfennige. Aber der Ausfall des Telefons kann schnell zu einem Millionenschaden führen. Man denke nur an den Industriebetrieb, der ein Auftragsfax an den Zulieferer nicht rechtzeitig abschicken kann, oder an das Unfallopfer, das einen Notarzt braucht. Die zuverlässige Erbringung des Basisdienstes sollte Vorrang vor Marketingaktionen haben!

  4. Die Tarifdatenbank auf www.teltarif.de wurde in den letzten Wochen erheblich überarbeitet. So können ab sofort mehrere Tarife eines Anbieters berücksichtigt werden. Um eine Überfrachtung der Tabellen zu vermeiden, wird pro Zeitzone nur der jeweils günstigste Tarif einer Telefonfirma angezeigt. Soweit das zu Konflikten führt, z.B., weil der Business-Tarif tagsüber und der Privattarif abends günstiger ist, werden diese unter der Tabelle ausgegeben. Der Leser kann sich dann entscheiden, welche Tarife er gerne behalten möchte, und anschließend eine von Konflikten bereinigte Tabelle anfordern. Weiterhin wurden Internet- und Telefonauskunftsdienste neu in die Tarifdatenbank aufgenommen. Auf Wunsch ist es möglich, sich die Tarife für die Zukunft ausgeben zu lassen, wenn die Daten von künftigen Tarifumstellungen bereits bekannt sind.
  5. Auch die Newsletter-Software wurde überarbeitet. Insbesondere gibt es diesen Newsletter ab sofort in 3 Versionen: HTML, Standard-Text und umlautfreien Text. Die HTML-Version eignet sich für Mailprogramme, die mit einem Web-Browser kombiniert sind. Der HTML-Newsletter enthält voll funktionsfähige Hyperlinks auf die relevanten Unterseiten von www.teltarif.de. Die Textversion ohne Umlaute wird hingegen zur Kompatibilität mit alten E-Mail-Programmen und E-Mail-Gateways angeboten, die Probleme mit den Umlauten in der MIME-Kodierung haben. Diese sind daran erkennbar, dass Hieroglyphen wie =AE im Text auftauchen.

    Zur Einstellung des Newsletter-Typs rufen Sie bitte die Seite http://www.teltarif.de/nl/index.html auf und tippen Ihre E-Mail-Adresse in die zugehörige Eingabemaske ein. Sie erhalten dann die Statusseite Ihres Abos, auf der Sie die gewünschten Einstellungen vornehmen können. Auch die Änderung der Bezugsadresse ist von der Statusseite aus kein Problem.

  6. Neu auf teltarif ist der Reseller Mox Telecom. Dieser zeichnet sich durch einige Spezialtarife aus. So gibt es einen Türkei-Tarif mit 66 Pfennig pro Minute - leider mit 30-Sekunden-Takt und Pre-Selection. Interessant ist auch der Call-by-Call-Tarif: 19,9 Pfennig pro Minute für Ferngespräche rund um die Uhr - bei sekundengenauer Abrechnung.
  7. Seit 11. September braucht man sich bei Viag Interkom nicht mehr anzumelden, wenn man über diese telefonieren will. Viag ist damit die zweite Telefonfirma, die echtes Call by Call ohne Verbindungsentgelt und mit sekundengenauer Abrechnung ab der ersten Sekunde anbietet.
  8. ISIS, regionaler Anbieter in Düsseldorf und Umgebung, hat einen neuen Tarif für bundesweites echtes Call by Call eingeführt. Besonders interessant daran sind die Telefonate für 10 Pfennig pro Minute nach 21 Uhr. Leider gilt der teure Minutentakt. Pro Telefonat fallen 5 Pfennig Verbindungsentgelt an.

    Die Einführung eines solchen Kampfpreises durch einen Regionalanbieter ist nur schwer nachvollziehbar, da alle Telefonate durch das Nadelöhr der ISIS-Vermittlungsstelle(n) im Ruhrgebiet müssen. Seit den Überlastproblemen bei MobilCom und Tele 2 sollte jeder Verantwortliche wissen, dass sich günstige Tarife schnell rumsprechen und dann Abertausende von Telefonierwilligen die Netze überlasten. Nun kann ein Discounter die Überlastsituation hinnehmen: Für jeden Kunden, der wegen des Dauerbesetzt abspringt, kommt sehr bald wieder ein neuer hinzu. Bei ISIS stehen im Falle der Überlastung aber auch die guten Kunden aus der Region mit im Stau - obwohl letztere zu bestimmten Zeiten doppelt so viel für Ferngespräche bezahlen wie die Call by Call-Kunden! Das erzeugt natürlich Ärger.

    Vielleicht ist die vorgenannte Überlegung der Grund, dass das echte Call by Call über ISIS seit dem 18. September abends abgeschaltet ist. Bei einem Anrufversuch ertönt eine Tonbandansage, die einen auffordert, die ISIS-Hotline anzurufen, wenn man Kunde werden möchte.

  9. Viatel, Auslandsspezialist, drückt die Preise zur Nebenzeit. Insbesondere Ziele in Übersee (Brasilien, Chile, Japan, Singapur, Taiwan, Tunesien usw.) lassen sich zur Nebenzeit nun deutlich günstiger erreichen als bisher. Unabhängig davon ist der USA-Tarif von Viatel weiterhin ungeschlagen.
  10. Interoute führt ab dem 1. Oktober 1998 zwei neue Tarife ein: Advantage und Easy Route 66. Beide Angebote warten mit interessanten Preisen für nationale wie internationale Gespräche auf. Leider ist der Kunde bei Advantage zur Pre-Selection verpflichtet. Es gilt der 30-Sekunden-Takt. Bei Easy Route 66 wird sogar der Minutentakt angewendet.
  11. Auch Telepassport drückt zum 1. Oktober 1998 die Preise. Statt bisher drei gibt es in Zukunft nur noch zwei Zeitzonen. Der Vertrieb von Telepassport hat zugesichert, dass der Rückstau von anmeldewilligen Kunden zur Zeit zügig abgearbeitet wird und Freischaltungen in Zukunft wieder nur wenige Tage dauern werden. Telepassport profitiert bis heute davon, direkt am 1. Januar 1998 mit am Start gewesen zu sein und dadurch sehr schnell bekannt geworden zu sein.

    Leider gilt die Preissenkung nicht automatisch für alle Kunden: Wer eine Pre-Selection auf Telepassport hat, muss die Umstellung auf die neuen Tarife beantragen. Bei diesem Schritt beginnt die vereinbarte Mindestlaufzeit des Vertrages von vorne.

  12. Auch ACC drückt die Preise ab 1. Oktober 1998. Allerdings gibt es auch eine Verteuerung: Beim Takttarif entfällt ab dem 1. Oktober die super-günstige Nachtzone! Hingegen werden beim Minutentarif die Gebühren für internationale Telefonate in der Nebenzeit deutlich gesenkt. Die Folge ist, dass der Minutentarif von ACC vermutlich in Zukunft meist der insgesamt günstigere Tarif sein dürfte.
  13. Mobilcom führt ab 1. Oktober 1998 einen Regional-Tarif ein. Telefonate bis zu 50 km kosten dann eine 19-Pfennig-Einheit alle zwei Minuten. Leider kann dieser Tarif nur per Pre-Selection genutzt werden. Eine Kombination des Regionaltarifs mit dem bisherigen Sonntags-Angebot (9,5 Pfennig/min bei Pre-Selection) ist nicht möglich. Man kann nur eine der beiden Vergünstigungen gleichzeitig nutzen.
Die große Zahl an Tarifänderungen zum 1. September und 1. Oktober 1998 beweist, dass der Konkurrenzkampf der neuen Unternehmen untereinander in voller Härte angefangen hat. Der Kunde freut sich über sinkende Preise. Allerdings gibt es auch negative Auswirkungen, wie Abstriche beim Service und bei der Leitungsqualität. Es ist auch zu hoffen, dass die Gewinnmargen hoch genug bleiben, so dass Bankrottfälle nicht zur Regel werden.
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