Newsletter 16/98 vom 29.07.1998
Die Neuigkeiten im Telefonbereich bis zum 29.07.1998 - von teltarif.de für Sie zusammengefasst.
  1. Neuer Anbieter TeleBridge mit einigen Hammertarifen, z.B. nach Australien.
  2. Neuer Anbieter Microcall mit mit sehr günstigen Auslandstarifen nach 18 Uhr.
  3. COLT auf den Tarifseiten aufgenommen.
  4. HanseNet senkt die Preise für Euro 1 und die Internet-Einwahl.
  5. MobilCom übernimmt den Internet-Provider TopNet.
  6. Auch Tesion hat seit ein paar Wochen ein Angebot zur Internet-Einwahl.
  7. Bei o.tel.o entfällt die Grundgebühr bei Pre-Selection.
  8. Halbjahreszahlen der Deutschen Telekom AG: Umsatz +5%, Gewinn +18%.
  9. Trotzdem will der Vize-Regulierer Börnsen höhere Gebühren von den Telekom-Konkurrenten für die Durchleitung.
  10. Die Deutsche Telekom dreht dem Konkurrenten First Telecom den Saft ab.
  11. First Telecom kontert mit einer Einstweiligen Verfügung: Die 0800-Nummer muß wieder angeschaltet werden.
  12. Neues Design der Homepage.
  1. Erste Firma heute ist TeleBridge: Diese greift mit aggressiven Tarifen an. Telefonate nach England oder Schottland kosten z.B. nur 33 Pfennig die Minute. Australien kostet 55 Pfennig pro Minute. Für dasselbe Geld kann man daher über TeleBridge fast viermal so lange nach "down under" telefonieren wie über die Deutsche Telekom AG.

    Die schlechte Nachricht: Wer nur Call by Call über TeleBridge telefoniert, muß einmalig DM 50,- Vorkasse leisten, die aber mit den Gesprächsgebühren verrechnet werden. Es gilt der Minutentakt. Wer Pre-Selection wählt, für den entfällt die Vorkasse. Die Abrechnung erfolgt bei Pre-Selection im 30-, 20-, 10- oder gar Sekundentakt, je nachdem auf welchen Mindestumsatz und welche Vertragslaufzeit man sich festlegt. Dafür sind bei Pre-Selection Ferngespräche tagsüber teurer als bei Call by Call. Schade, daß man so ein Abrechnungswirrwarr bei TeleBridge erzeugt hat.

    TeleBridge betreibt übrigens kein eigenes Telefonnetz. Vielmehr meldet TeleBridge die Kunden bei COLT Telekom (Sparvorwahl 01028) an. Dieses Verfahren - neudeutsch Re-Selling genannt - ist in der Telekommunikationsbranche gang und gäbe.

  2. Ebenfalls neu ist Microcall. Der Pluspunkt sind sehr günstige Auslandstarife, insbesondere nach 18 Uhr und in der Zone Euro 2. Der Nachteil ist, daß Microcall auf Pre-Selection besteht. Auch Microcall ist übrigens ein Re-Seller. Der Grund, daß in letzter Zeit immer mehr Re-Seller auftauchen, ist einfach: Die Äußerungen der Regulierungsbehörde zur Definition des Begriffes "Verbindungsnetzbetreiber" verhindern seit ca. 3 Monaten, daß kleine neue Telefonfirmen ihren Dienst in Deutschland aufnehmen. Als Ausweg hatte ich im Newsletter Nummer 13 vorgeschlagen, daß sich mehrere kleine Firmen zusammentun, um zusammen ein "großes" Netz zu bauen. Hinter dem Re-Selling steckt eine ähnliche Idee: Ein kleiner Anbieter nutzt das Netz eines größeren, der problemlos den Interconnect bekommt. Der Vorteil ist beiderseitig: Der Kleine bekommt einen günstigen Interconnect und der Große bekommt zusätzliche Kunden.
  3. Einer der Großen, die jetzt auch auf www.teltarif.de vertreten sind, ist COLT. COLT verlegt in Großstädten wie Berlin und Frankfurt zur Zeit jeweils eigene Glasfasernetze. Kunden, die an das COLT-Netz angeschlossen werden, erhalten die Fasern direkt ins Haus gelegt. Dabei sind die Kabel selber als Ring ausgeführt, so daß diese auch noch weiterfunktionieren, wenn irgendwo bei Baggerarbeiten der Ring aus Versehen durchschnitten wird. Durch Add/Drop-Multiplexer ist es möglich, auf einem Fasernpaar bis zu 63 Kanäle zu je 2 Mbit unterzubringen, die auf beliebig viele Kundenstandorte verteilt werden können. Die 2-Mbit-Kanäle können z.B. für ISDN-Primärmultiplexanschlüsse (30 Leitungen) oder für Standleitungen benutzt werden. Da ein Glasfaserkabel typischerweise 144 Fasern bzw.\ 72 Fasernpaare enthält, passen auf ein Kabel bei optimaler Ausnutzung über 100 000 Telefonkanäle! Damit unterscheidet sich die Technologie von COLT erheblich von der anderer Netzbetreiber. Doch die Buddelei hat auch Ihren Preis, so daß COLT zur Zeit nur Geschäftskunden anschließt. Wer noch nicht an das eigene Kabel von COLT angeschlossen werden kann, kann die Dienste von COLT trotzdem per Pre-Selection nutzen.
  4. Nicht neu, aber mit neuen Tarifen ist HanseNet: Euro 1 kostet jetzt nur noch 70 statt 80 Pfennig. Interessanter als diese Preissenkung ist für viele sicherlich das Internetangebot von HanseNet: Für die Internet-Einwahl werden nur noch 6 Pfennig (tagsüber) bzw. 3 Pfennig (nach 18 Uhr und am Wochenende) berechnet - sekundengenau. Für die Nutzung des Netzes selber fallen entweder DM 50,- im Monat pauschal an (unbeschränkt surfen) oder man zahlt 5 Pfennig extra pro Minute - dann aber ohne Grundgebühr. Der Haken: Man muß sich bei HanseNet pre-selecten lassen, wenn man das Internet-Angebot nutzen will.
  5. Auch MobilCom plant ein Internet-Angebot. Zu diesem Zweck hat man rückwirkend zum 1. Januar 1998 den Internet-Provider TopNet übernommen. Die MobilCom-Aktie reagierte auf diese Ankündigung mit einem abermaligen deutlichem Sprung nach oben.
  6. Auch Tesion in Baden-Württemberg ist seit ein paar Wochen im Internet-Geschäft. Nach 22 Uhr kostet die Minute inklusive Einwahl nur 5 Pfennig. Leider wird eine Grundgebühr von DM 15,50 berechnet. Im Gegenzug gibt es aber zwei Freistunden.
  7. Kommen wir nach so viel Internet wieder zurück zur Telefonie: Bei o.tel.o entfällt ab sofort die Grundgebühr bzw. der Mindestumsatz bei Pre-Selection. Nun hat Pre-Selection bei o.tel.o den Vorteil, daß keine Verbindungsgebühr von 6 Pfennig pro Gespräch berechnet wird. Wer o.tel.o häufiger benutzt, z.B. für Telefonate in die Türkei, sollte daher über eine Pre-Selection nachdenken.
  8. Die Deutsche Telekom AG hat heute Ihre Umsatzzahlen für die ersten beiden Quartale 1998 veröffentlicht. Danach ist der Umsatz um 5% gestiegen, der Gewinn sogar um 18%, und das trotz der Preissenkung am 1. März und trotz der Konkurrenz. Insgesamt betrug das Wachstum des Telekommunikationsmarktes in Deutschland ca. 10%. Danach teilen sich die Telekom und die Konkurrenten den Zuwachs. Leider sagt die Pressemitteilung nichts darüber aus, ob aus dem Umsatz die Entgelte, die im Namen anderer Telefonfirmen erhoben worden sind, herausgerechnet wurden. Denn wenn man über MobilCom telefoniert, macht die Telekom ja zweimal einen Umsatz: Zum einen berechnet sie Interconnection-Gebühren von MobilCom. Und zum anderen treibt sie die MobilCom-Rechnung von ihren Kunden ein. Das Geld aus den Rechnungen wird zwar umgehend zum größten Teil an MobilCom überwiesen - aber es erscheint in den Statistiken dennoch als Umsatz.
  9. Die Tatsache, daß die Telekom mehr Gewinn macht als vor der Marktöffnung, hält den Vize-Chef der Regulierungsbehörde Börnsen nicht davon ab, die bisherige Interconnection-Praxis zu attackieren. Sein Argument, vorgetragen in der ZDF-Sendung "WISO" vom Montag: "Es ist zu kritisieren, daß die Konkurrenten nicht in eine eigene Infrastruktur investieren, sondern die Infrastruktur Dritter nutzen, und das kann im volkswirtschaftlichen Interesse auf Dauer nicht begrüßt werden".

    Nun ist es sicherlich so, daß MobilCom mit nur einem Telefonswitch angefangen hat. Inzwischen hat MobilCom nach eigenen Angaben acht dieser millionenschweren Geräte. Auch Tele2 hat mit einem Switch angefangen. Zur Zeit sind es zwei, an dem nächsten wird fieberhaft gearbeitet. Interoute hat vor einem Monat einen neuen Switch installiert, TelePassport arbeitet daran. Alle Firmen, die an der Kapazitätsgrenze arbeiten, sind eifrig dabei, die Kapazität zu erweitern. Es ist einfach falsch, wenn behauptet wird, die neuen Firmen würden nicht in die eigene Infrastruktur investieren. Das Gegenteil ist richtig.

    Es ist auch zu beobachten, daß die neuen Telefonfirmen systematisch jeweils ein eigens Netz in Deutschland aufbauen. Der Grund dafür ist einfach: Die Interconnection-Gebühr ist gestaffelt. Ortsgespräche kosten beim Interconnect über 60% weniger als Ferngespräche. Es lohnt sich also für eine Telefonfirma, an möglichst vielen Stellen vor Ort zu sein - dann sinken die Interconnect-Kosten. Öffentlich hausieren zu gehen und zu behaupten, die Durchleitungs-Gebühr betrage im Schnitt lediglich 2,7 Pfennig pro Minute, wie das Telekom-Vorstand Gerd Tenzer zur Zeit tut, heißt also, wichtige Informationen einfach zu verschweigen. Denn 2,7 Pfennig gelten nur bei einem Gesprächsmix, der hauptsächlich Ortsgespräche enthält, also bei einer Telefongesellschaft, die auch tatsächlich überall "vor Ort" ist. Alle anderen zahlen deutlich mehr. Ebenfalls berücksichtigt werden sollte in der Diskussion, daß die Interconnect-Gebühr grundsätzlich zweimal anfällt - einmal für die Leitung zur neuen Gesellschaft, einmal für die Leitung von dieser zum eigentlichen Gesprächsteilnehmer.

    Herr Tenzer spricht davon, daß den Konkurrenten nur ein Abschlag von 20% bis 30% auf den Endkundenpreis gewährt werden sollte. Das Problem bei der Angelegenheit: Eine solche Regelung würde die Konkurrenten glatt erschlagen. Denn die Konkurrenten brauchen ja zwei Leitungen. Wenn eine davon 70% bis 80% des Endkundenpreises kostet, dann kosten zwei davon 140% bis 160%. Auf diesen Preis muß noch die Handelsspanne addiert werden - so daß der Endpreis bei dem zwei- bis dreifachen des Telekom-Preises liegen würde! Zu solchen Tarifen wechselt keiner.

  10. Ein weiteres Ereignis, das zeigt, wie umkämpft der Markt inzwischen ist: Am Freitag, dem 17. Juli 1998 hat die Deutsche Telekom AG einfach alle 0130- und 0800-Nummern gesperrt, die über den Konkurrenten WorldCom gelaufen sind. Ein Reseller von WorldCom, den wir schon oft im Newsletter hatten, ist First Telecom. Deren neue 0800-Einwahlnummer stand also plötzlich "auf dem Trockenen".

    Der Hintergrund der Misere ist ein Interconnection-Vertrag zwischen der Deutschen Telekom und WorldCom. In diesem werden pauschal 10 Pfennig pro Minute für Gespräche berechnet, die an 0800- bzw. 0130-Nummern gehen, unabhängig davon, ob diese aus dem Mobil- oder Festnetz kommen. Diese 10 Pfennig sind deutlich höher, als der normale Interconnect im Festnetz (2 bis 5 Pfennig), aber deutlich niedriger, als der Interconnect vom Mobilfunk zum Festnetz (zur Zeit zwischen 35 und 106 Pfennig pro Minute). So lange die meisten Telefonate aus dem Festnetz kommen, geht die Rechnung auf. Wenn aber die meisten Telefonate aus dem Mobilnetz kommen, ist das Ganze für die Deutsche Telekom ein Minus-Geschäft.

    Jedenfalls gab es diesen Interconnect-Vertrag zwischen der Telekom und WorldCom. Der Streit geht nun darum, ob der Mix Festnetz und Mobilnetz im Vertrag festgelegt worden ist oder nicht. Die Telekom sagt "Ja" - und das gibt ihr das Recht zur Abschaltung. WorldCom sagt "Nein" - und verlangt die Wiederanschaltung.

  11. Wenn Deutsche Telekom und WorldCom sich streiten, dann leidet First Telecom, denn deren Einwahlnummer liegt still. Daher konterte First Telecom schnell mit einer Einstweiligen Verfügung: Die Deutsche Telekom muß die 0800-Nummer wieder anschalten. Seit dem 21. Juli kann man wieder über die 0800-Nummer von First Telecom vom Handy zum Festnetz telefonieren - zum günstigen Tarif von nur 38 Pfennig bzw. 20 Pfennig pro Minute. Angeblicher oder tatsächlicher Verlierer ist die Deutsche Telekom. Übrigens: Die günstigen Gespräche von und zum Handy über Callback sind auch nur deswegen möglich, weil beim internationalen Interconnect ähnliche Pauschalverträge wie bei der 0800-Nummer zum Tragen kommen.
  12. Nach so viel Streit um die korrekten Interconnection-Tarife nun noch eine gute Nachricht: Die Homepage www.teltarif.de wurde gründlich überarbeitet. Einfache Abfragen an die Tarifdatenbank sind nun direkt von der Startseite aus möglich. Auch die wichtigsten Anbieter oder die Profi-Abfrage der Tarifdatenbank lassen sich nun mit einem Klick erreichen. Wir hoffen, Ihnen gefällt das neue Design - und sind natürlich jederzeit für Verbesserungsvorschläge offen!

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