Newsletter 15/98 vom 15.07.1998
Die Neuigkeiten im Telefonbereich bis zum 15.07.1998 - von teltarif.de für Sie zusammengefasst.
  1. Vorerst kein Call by Call im Mobilfunk.
  2. Bei First Telecom entfällt der Handy-Zuschlag: Mobilfunk -> Festnetz für 38 Pfennig in der Minute zur Hauptzeit!
  3. Privat-Tarif von Debitel: Gespräche zwischen 21 und 22 Uhr für 7 Pfennig in der Minute!
  4. Fehler bei Mobilcom: Im Falle der Pre-Selection gibt es die günstigen Telefonate nur am Sonntag.
  5. Chaos bei Tele 2.
  6. Neue Seite zum Thema Callback.
  7. Callback-Firma Access Authority.
  8. Callback-Firma Global Voice
  9. Callback-Firma Telegroup.
  10. Anbieter Conos neu aufgenommen.
  11. Neue Telefonkarte von Debitel.
  12. Neue Tarife und härtere Vertragsbedingungen bei Talkline.
  13. Einigung über ein Verfahren zur Durchleitung des Gebührenimpulses.
  14. Die Deutsche Telekom plant, noch in diesem Jahr auf echte Monatsrechnungen umzustellen.
Wieder einmal ist viel Zeit zwischen zwei Newslettern vergangen. Es ist aber auch viel passiert in dieser Zeit. So ist www.teltarif.de ab sofort auf einem neuen Server verfügbar - mit direkter Anbindung an einen der leistungsfähigsten Internet-Provider, UUNET. Für Sie als Leser von www.teltarif.de macht sich das hoffentlich in kürzeren Downloadzeiten bemerkbar. Aus den Statistiken des Web-Servers geht jedenfalls hervor, daß die Zahl der Zugriffe aufgrund der Umstellung deutlich gestiegen ist. Das bestärkt natürlich uns, mit teltarif auch in der zweiten Jahreshälfte 1998 in derselben Qualität weiterzumachen wie bisher.
  1. Die schlechte Nachricht vorneweg: Vorerst wird es kein Call by Call im Mobilfunkbereich geben - zumindest, wenn die Regulierungsbehörde sich mit ihrer Sicht der Dinge gegen das Wirtschaftsministerium durchsetzt. Es handelt sich damit um die zweite große Entscheidung der Regulierungsbehörde, die gegen den Wettbewerb gerichtet ist. Vor zwei Monaten hatte die Regulierungsbehörde bereits der Telekom zugestimmt, die seitdem sehr hohe Anforderungen an den Netzausbau ihrer Konkurrenten stellen darf, die über den günstigen Interconnection-Tarif ins Telekom-Netz wollen. Die Folge ist, daß seit dieser Entscheidung keine neue Gesellschaft für das Call-by-Call-Verfahren in Deutschland hinzugekommen sind. Unter der URL http://www.teltarif.de/s/s3.html ist ein ausführlicher Kommentar abgelegt, warum wir die Entscheidung der Regulierungsbehörde für falsch halten.
  2. Die gute Nachricht: First Telecom macht trotzdem die Gespräche vom Mobilfunk zum Festnetz günstiger: 38 Pfennig in der Hauptzeit und 20 Pfennig am Abend und am Wochenende! Die neue bundesweite Einwahlnummer von First Telecom 0800/8009201 kann nämlich sowohl vom Festnetz als auch vom Mobilfunk aus benutzt werden kann. Der bisherige Handy-Zuschlag von 33 Pfennig (Hauptzeit) bzw. 22 Pfennig (Nebenzeit) entfällt. Damit sind Mobiltelefonate zum Festnetz über First Telecom ab sofort deutlich günstiger als Ferngespräche im Festnetz bei der Deutschen Telekom AG.

    Bei so günstigen Preisen stellt sich die Frage nach der Seriosität. Immerhin verlangt First Telecom ja Vorkasse. Eine andere besonders günstige Firma - Global Europe (anfangs noch Global Spectrum) ist Ende Mai in Konkurs gegangen. Viele Kunden blieben auf nur teilweise abtelefonierten Telefonkarten sitzen. Viele haben damals geäußert, daß die Preise betrügerisch niedrig waren. Nun, First Telecom arbeitet mit anderen Geschäftsmethoden als Global Spectrum. Durch die richtige Wahl der Interconnection-Partner ist es First Telecom tatsächlich gelungen, die Kosten auf ein Minimum zu drücken. Dieser Kostenvorteil wird unmittelbar an den Kunden weitergegeben.

    Es gibt weitere Calling-Card-Anbieter, bei denen wir die Seriosität noch nicht so günstig beurteilen wie bei First Telecom. Deswegen haben wir diese noch nicht auf unseren Seiten aufgenommen.

  3. Auch Debitel drückt auf die Preise: Beim neuen Privattarif gibt es innerdeutsche Ferngespräche ab sofort für 7 Pfennig in der Minute - allerdings nur zwischen 21 und 22 Uhr. Der Haken an der Sache: Um über Debitel telefonieren zu können, ist wie auch beim Profi-Tarif eine Pre-Selection erforderlich. Der Mindestumsatz beim Privattarif beträgt DM 39,10, sonst sind DM 9,90 Grundgebühr fällig. Um auf diesen Umsatz zu kommen, muß man im Monat über 9 Stunden lang jeweils zur Private Hour an der Strippe hängen. Andererseits: Debitel ist zur Private Hour soviel günstiger als der nächstbeste Anbieter TelDaFax, daß es sich bereits ab 2 1/2 Stunden abendlichen Telefonierens im Monat lohnt, die DM 9,90 Grundgebühr einfach in Kauf zu nehmen.
  4. Eine kleine Berichtigung bei einem weiteren Anbieter an der Preisfront: Mobilcom bietet im Falle der Pre-Selection seine supergünstigen 9,5 Pfennig pro Minute nur am Sonntag, nicht am ganzen Wochenende, wie ursprünglich angegeben.
  5. Ebenfalls an der Preisfront arbeitet Tele 2. Leider hat das Management von Tele 2 das Interesse der Kunden an billiger Telefonie vollkommen falsch eingeschätzt: Seit Bekanntgabe der neuen Tarife im April wird Tele 2 von Kundenanfragen im wahrsten Sinne des Wortes überrannt. Anfang April versprach die Hotline den Neukunden noch, daß die Freischaltung nur wenige Tage dauert. In Wahrheit mußten bereits diese Kunden bis zu zwei Monaten warten. Das Problem: Tele 2 war mit lediglich einem Telefonswitch in den Wettbewerb gestartet. Der Hauptspeicher des Gerätes war schlicht und einfach zu klein, so daß er sich ab Mitte April nicht mehr die Telefonnummern aller Tele 2-Kunden merken konnte. Ein zweiter Switch neben dem ersten mußte her. Kaum war dieser installiert, begann im Juni eine erneute Freischaltungswelle. Ab Mitte Juni erreichten uns in zunehmender Zahl die Klagen von Tele 2-Kunden, daß die Leitungen überlastet seien. Trotzdem aktivierte Tele 2 munter weiter Kunden. Dadurch ist bis Ende Juni die Situation so schlimm geworden, daß sie nur noch mit der von MobilCom im Januar und Februar vergleichbar ist. Erst Anfang Juli griff Tele 2 ein und stoppte alle neuen Freischaltungen bis auf weiteres.

    Es zeigt sich also sehr deutlich, daß neben den günstigen Tarifen der schnelle Ausbau des eigenen Netzes eine entscheidende Rolle im deregulierten Telefonmarkt spielt. Denn was nutzt es der Tele 2, wenn Millionen über sie telefonieren wollen, aber auf die Freischaltung bzw. auf freie Leitungen warten? Nach Auskunft der Hotline wird es bis mindestens Ende September dauern, bis wieder Freischaltungen erfolgen. Da dann erstmal die drankommen, deren Anmeldungen zur Zeit unbearbeitet bei Tele 2 liegen, kann es durchaus sein, daß Kunden, die sich heute neu registrieren lassen, bis 1999 warten müssen. Wer hätte letztes Jahr gedacht, daß die kapitalistische Deregulierung des Telefonmarktes uns sozialistische Zustände beschert?

    Währenddessen planen alle Telefonfirmen, nicht nur Tele 2, eifrig den weiteren Netzausbau. Bereits bis Mitte nächsten Jahres ist das Team der Deutschen Telekom AG ausgebucht, daß die Telefonvermittlungen der Konkurrenten abnehmen muß, bevor diese mit dem Netz der Telekom zusammengeschlossen werden dürfen.

  6. Kommen wir aber zurück zu den Tarifseiten. Eine grundsätzlich neue Rubrik ist Callback. Vor 1998 war dieses Verfahren eine der wenigen Möglichkeiten, der Telekom auszubüchsen: Man ruft einen speziellen Computer in den USA an und legt auf. Wenige Sekunden später ruft der Computer zurück. Man nimmt ab und tippt die Nummer ein, die man eigentlich anrufen will. Die beiden Gespräche (USA -> Deutschland und USA -> eigentliches Ziel) werden zum US-Tarif abgerechnet.

    Seit 1998 gibt es natürlich auch in Deutschland Telefonfirmen, über die man günstig telefonieren kann. Das Callback-Verfahren ist allerdings in bestimmten Bereichen aber weiterhin führen, insbesondere von und zum Mobilfunk, in Südamerika und nach Australien.

    Es gibt eine Vielzahl an Callback-Anbietern, so viele, daß diese nie alle auf www.teltarif.de aufgenommen werden können. Die Erfahrung zeigt aber: Die Tarife im Callback-Bereich unterscheiden sich nicht groß von Firma zu Firma. Ein Grund dafür ist, daß viele kleine Anbieter Wiederverkäufer von anderen Callback-Unternehmen sind. Wir beschränken uns daher auf eine repräsentative Auswahl unter den Callback-Unternehmen.

    Ein weiteres Problem im Callback-Bereich ist die Rechnungsstellung: In den USA ist es üblich, Nettopreise auszuweisen, in Deutschland Bruttopreise. Zu den Tarifen, die Sie in den Preislisten finden, kommt also immer noch die amerikanische sales tax hinzu. Geschäftskunden sollten berücksichtigen, daß die amerikanischen Callback-Tarife keine Vorsteuer enthalten, die sie bei der nächsten Umsatzsteuererklärung absetzen können. Das Wechselkursrisiko geht bei Callback immer zu Lasten des Kunden.

  7. Schon seit einiger Zeit aktiv ist Access Authority. Es wird sogar eine eigene Hotline in Deutschland angeboten - besetzt mit englischsprechendem Personal. Beim Vergleich von Access Authority mit anderen Telefongesellschaften ist zu beachten, daß bei Access Authority die Gebührenuhr bereits ab dem Eintreffen des Callback läuft. Die Zeit, in der Sie wählen oder die es bei Ihrem Gesprächspartner klingelt, ist ebenfalls zu bezahlen. Lediglich dann, wenn keine Verbindung zustandekommt, es also bei Ihrem Gegenüber besetzt ist bzw. niemand abnimmt, werden die Gebühren storniert.
  8. Eine kleine Firma im Callback-Bereich ist Global Voice. Dafür wird kundenfreundlich streng nach ITU abgerechnet: Sie bezahlen nur die Zeit, die eine Verbindung mit Ihrem Gesprächspartner steht.
  9. Telegroup ist einer der großen im Geschäft. Die Abrechnung erfolgt wie bei Access Authority ab dem Eintreffen des Callback. Die Rechnung wird von Deutschland aus verschickt - in DM und mit deutschen 16% Mehrwertsteuer, aber ohne amerikanische sales tax.
  10. Nicht nur Callback ist neu auf den Telefonseiten. Auch der Anbieter Conos ist vor wenigen Tagen hinzugekommen. Anfangs trat Conos als reiner Router-Anbieter auf, daß heißt, man mußte spezielle Geräte bei sich installieren lassen, die sich dann per (kostenpflichtigem) Ortsgespräch ins Conos-Netz einwählten. Seit kurzem gibt es aber auch ein Pre-Selection-Angebot. Die Tarife ähneln denen von Telepassport und Interoute. Der einzige nennenswerte Unterschied ist der City-Tarif: Gespräche in den Nachbarort (bis maximal 20 km Entfernung) kosten bei Conos 12 bzw. 9 Pfennig pro Minute bei sekundengenauer Abrechnung, während es nichts vergleichbares bei Interoute oder Telepassport gibt. Business-Kunden, die viele "Ortsgespräche mit Vorwahl" führen, sollten also über Conos nachdenken.
  11. Ein weiteres neues Produkt ist die Telefonkarte von Debitel, die auch international viele Einwählpunkte bietet. Die Tarife bewegen sich etwa in demselben Rahmen wie die Karten der großen Telefonfirmen o.tel.o und Viag. Nationale Gespräche sind mit der Debitel-Karte aber teuer. Auch der Minutentakt lädt nicht gerade zur häufigen Benutzung ein.
  12. Diverse Änderungen sind bei Talkline zu vermelden. Gab es anfangs des Jahres noch Call by Call ohne Mindestumsatz, ohne Vertragsbindung und mit erfreulichen Rabatten bereits bei geringen Umsätzen, so sind die Vertragsbedingungen inzwischen deutlich härter: DM 20,- Mindestumsatz, Kündigungsfrist von einem Monat zum Quartalsende und kein Rabatt mehr. Allerdings hat Talkline an einer Stelle sein Angebot verbessert: Die neuen Verträge besitzen auch eine City-Zone (bis 20 km) und eine Regio-Zone (bis 50 km). Bei den Altverträgen werden hingegen alle Gespräche, die über Talkline laufen, gnadenlos als Ferngespräche abgerechnet.

    Ebenfalls wenig kundenfreundlich war es von Talkline, die Einordnung von Neuseeland anscheinend ohne Vorwarnung zu ändern. Dadurch stieg der Preis von DM 1,85 pro Minute auf DM 3,- pro Minute!

  13. Kommen wir zum Service: Zur Zeit gibt es bei Telefonaten über die neuen Telefonanbieter keinen Gebührenimpuls. Dieser Mißstand soll ab dem Herbst behoben sein - die Hersteller von Telefon-Switches haben sich anscheinend in den letzten Monaten über ein Verfahren zur Durchleitung von Gebühreninformationen geeinigt. Ob aber auch die Telefonanlagen beim Endkunden mit den sekundengenau abgerechneten Tarifen klarkommen werden, steht auf einem anderen Blatt Papier.
  14. Ebenfalls noch dieses Jahr steht eine weitere Service-Verbesserung an: Die Deutsche Telekom will in Zukunft echte Monatsrechnungen erstellen, bei denen der Abrechnungszeitraum exakt vom ersten bis letzten eines Monats läuft. Vor allem für Nutzer von Sondertarifen (City Plus usw.) wird dadurch die Planung vereinfacht.

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