NFC

Neuer Schub für NFC durch Google & Co.

Mobiles Bezahlen per Nahfeld-Funktechnik soll Killer-App werden
Von Mirko Schubert / Susanne Kirchhoff
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ConTag-NFC-System des RMVDas NFC-System des RMV entstand in Kooperation mit Nokia. Die drahtlose Übertragungstechnik NFC (Near Field Communication) gibt es schon seit einigen Jahren, doch besonders weit verbreitet ist diese Funktion bei Handys und Smartphones nach wie vor nicht. NFC-Chips im Handy ermöglichen die Kommunikation über kurze Entfernungen von wenigen Zentimetern. Daraus ergeben sich Anwendungen wie das mobile Bezahlen oder den einfachen Abruf von Informationen mit dem Handy. teltarif.de stellt aktuelle Entwicklungen und Anwendungsbereiche von NFC vor.

Ergänzung zur RFID-Technik

Für die Datenübertragung nutzt NFC eine Frequenz von 13,65 MHz und bietet eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 424 kBit/s. Die Reichweite der Verbindung beträgt dabei zumeist nur wenige Zentimeter. NFC ist prinzipiell kompatibel zu einigen RFID-Varianten und kann zum Beispiel RFID-Transponder auslesen, welche ebenfalls für die Frequenz von 13,65 MHz ausgelegt sind.

Für NFC-Anwendungen mit dem Handy gibt es grundsätzlich drei Anwendungsszenarien: Das Handy kann als Lesegerät für Information auf NFC-Tags oder -Chipkarten fungieren, externe Lesegeräte können Informationen vom Handy abrufen oder zwei aktive Geräte kommunizieren per NFC, zum Beispiel um eine weitere Verbindung per WLAN oder Bluetooth aufzubauen.

Zahlreiche Anwendungsgebiete

So ist es beispielsweise möglich, dass Computer oder Handy mithilfe von NFC einen privaten Schlüssel austauschen, um ohne eine weitere Eingabe ein vertrauenswürdiges Netzwerk über Bluetooth oder WLAN aufzubauen. Anwender können sich künftig auch mithilfe eines NFC-fähigen Handys identifizieren. Wie das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (Fraunhofer SIT) auf der CeBIT 2010 mit einer Konzeptstudie zeigte, soll sich auch der neue , wie etwa im neuen elektronische Personalausweis mit dem Handy auslesen lassen, damit der Nutzer sich zum Beispiel im mobilen Internet ausweisen kann.

Auch das elektronische Ticket im öffentlichen Nahverkehr via NFC auf dem Handy ist ein mögliches Anwendungsszenario, das in den vergangenen Jahren in einigen Regionen getestet wurde - ohne große Resonanz bei den Fahrgästen. Die größte Hoffnung vieler Unternehmen ist daher das bargeldlose Bezahlen mit dem Handy per NFC.

Samsung arbeitet in Kooperation mit Visa an NFC-Handys, um die Teilnehmer der Olympischen Spiele 2012 in London damit auszustatten. Google plant hingegen, mithilfe von Mastercard und der Citygroup in das Geschäft des bargeldlosen Zahlens per Handy einzusteigen. Dazu passend unterstützt Googles Handy-Betriebssystem Android seit der Version 2.3 Gingerbread prinzipiell NFC. Und wie Bloomberg herausgefunden haben will, soll auch das Online-Kaufhaus Amazon über eine NFC-Unterstützung nachdenken.

Bislang nur wenige Handys mit NFC-Chip

Google Nexus SGoogles Nexus S kommt mit NFC-Unterstützung. Nach wie vor gibt es nur wenige Handys, die die neue NFC-Technologie unterstützen. Der finnische Hersteller Nokia brachte in den vergangenen Jahren einige eher einfache NFC-fähige Handys auf den Markt, wie das Nokia 6212 Classic, Nokia 6131 und das Nokia 3220.

Die Ankündigung vom Sommer 2010, alle zukünftigen Nokia-Handys mit NFC auszustatten, ist jedoch mit der Microsoft-Kooperation und dem verbundenen Strategiewechsel für Symbian vorerst hinfällig. Unter den aktuellen Smartphones besitzt nur das Nokia C7 einen NFC-Chip, aber das für dessen Nutzung notwenige Update auf die Symbian-Version "Anna" soll erst im Sommer verfügbar sein.

Entgegen anders lautender Gerüchte vor dem Verkaufsstart besitzen die neuesten Nokia-Smartphones, X7 und E6, keinen NFC-Chip. Die Anmeldung von NFC-bezogenen Patenten durch Apple veranlasste zu Mutmaßungen, ob das iPhone 5 mit NFC ausgestattet sein wird. Nach Informationen der britischen Wochenzeitung The Independent teilte Apple hingegen britischen Mobilfunknetzbetreibern mit, dass das iPhone 5 keine NFC-Unterstützung haben wird.

Wie Nokia brachte auch Samsung schon vor einigen Jahren NFC-Handys auf den Markt, wie das SGH-X700 und S5230N. Aber auch bei aktuellen Modellen setzt Samsung auf NFC, so im Bada-Smartphone Samsung Wave 578 und das für Google gefertigte Nexus S.

NFC-Technik birgt Sicherheitsrisiken

Eine NFC-fähige SIM-Karte zeichnet sich vor allen Dingen durch die installierte Sicherheitssoftware aus. Doch auch mit einer solchen SIM-Karte ist der Nutzer nicht vor Sicherheitsrisiken geschützt. So kann der Anwender bei Verlust des Handys grundsätzlich den aktuellen Geldbestand nicht auf einem anderen Handy wiederherstellen.

Unklar ist auch, wie der Verbraucher bei Diebstahl des Handys vor unerwünschten Abbuchungen geschützt wird. Bislang gibt es lediglich eine voreingestellte zeitbezogene Höchstgrenze für den Geldtransfer. Auch die SIM-Karte, die den Teilnehmer im Mobilfunknetz eindeutig identifiziert, steht nicht in Verbindung mit der NFC-Technologie, so dass Langfinger die Bezahlfunktion auch mit einer anderen SIM-Karte nutzen können.

Weiterhin könnte eine unverschlüsselte Datenübertragung per NFC trotz der geringen Reichweite von etwa 25 cm prinzipiell abgehört werden. Angreifer könnten an frei zugänglichen Orten befindliche NFC-Tags manipulieren. Collin Mulliner vom Fraunhofer SIT hatte bereits 2008 den neuen NFC-Standard auf mögliche Sicherheitsrisiken überprüft und am Beispiel des Nokia 6131 NFC gezeigt, wie sich hinter über NFC empfangene Web-Adressen andere URLs verstecken lassen. Auch Telefonnummern können recht einfach verschleiert werden.

Es wird sich zeigen, ob die Erwartungen der Unternehmen aufgehen und die Einführung eines NFC-basierten Bezahlsystems gelingt. Neben den Handy-Herstellern sind mittlerweile auch Kreditkartenunternehmen und Mobilfunkanbieter an der Verbreitung von NFC interessiert, wie etwa die Telekom im Februar ankündigte. Erste Feldversuche zum Zahlungsverkehr mit NFC-Technik können Interessierte etwa im Rhein-Main-Gebiet oder mit Touch&Travel der auf einigen Strecken der Deutschen Bahn ausprobieren.

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