Zweiter Versuch

NFC: Das einfache Bezahlen per Handy kommt jetzt wirklich

Neue Handy-Modelle kommen mit NFC-Lösungen an Bord
Von mit Material von dpa
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Das NFC-Handy Samsung Wave 578.Das NFC-Handy Samsung Wave 578. Vor etwa fünf Jahren hieß es, dass das Bezahlen per Handy jetzt ganz einfach werden sollte: Ob an der Supermarkt-Kasse oder beim Vorbeigehen an einem Plakat für ein Konzert, das man besuchen möchte, man hält einfach sein Handy an ein bestimmtes Lesegerät oder an eine bestimmte Fläche auf dem Plakat und der Kauf wird unkompliziert per Handy abgewickelt. Genauso leicht sollte das Bezahlen von Tickets für den öffentlichen Nahverkehr werden. Und viele weitere Anwendungen wurden versprochen: Im Urlaub könnte man das Handy kurz an einen entsprechend ausgerüsteten Stadtplan halten und schon würde das Gerät den Weg zu einer Sehenswürdigkeit zeigen. Überhaupt würde das Handy zum Allroundwerkzeug, das die Tür vom Hotelzimmer oder Auto öffnen würde und dergleichen mehr.

An Visionen um die Near Field Communication (NFC) herrschte kein Mangel. Die neue Funktechnik sollte in die neuen Handys einziehen und die Welt verändern. "Wir hatten alles fertig - doch keiner kam", sagt der Chef des Chipspezialisten NXP, Rick Clemmer. Zwischenzeitig habe man sogar überlegt, aus dem Geschäft auszusteigen. Heute kann Clemmer darüber lachen: Die ehemalige Halbleitersparte von Philips ist heute der dominierende Hersteller von NFC-Chips.

Damals sei ein NFC-Siegeszug daran gescheitert, dass niemand die Initiative übernehmen wollte, erklärt der Chiphersteller. Heute ist das anders. Die Chips sind sehr günstig, sie kosten nur wenige Cent. Das Interesse aus der Industrie ist inzwischen riesengroß: Unter anderem will der Internet-Riese Google die Technik schnell in seine Android-Plattform integrieren. So wird das neue Smartphone-Flaggschiff Nexus S, das von Samsung produziert wird, einen NFC-Chip bekommen. Auch das neue Samsung-Modell Wave 578 ist ein NFC-Handy. Doch auch fast alle anderen Hersteller kündigten auf dem Mobile World Congress in Barcelona den Einbau der Funktechnik an, selbst der chinesische Herausforderer ZTE. Angeblich soll auch das nächste iPhone von Apple einen NFC-Chip bekommen, der Konzern hält sich aber wie immer bedeckt.

Viele Lösungen im Wettbewerb um die Kunden

Google-Chef Eric Schmidt betonte in Barcelona auffallend deutlich, dass der Internet-Konzern in der NFC-Technik große Möglichkeiten bei mobilen Bezahlsystemen und zusätzlichen Werbeangeboten sehe. Bei NXP heißt es, die Schützenhilfe von Google sei ungemein hilfreich. Als Finanzdienstleister einmal mehrere Quartale für die Umsetzung eines Projekts veranschlagt hätten, habe Android-Chefentwickler Andy Rubin zum Telefon gegriffen und gesagt: "Das brauchen wir bis nächste Woche."

Vor allem bei Handy-Bezahlsystemen zeichnet sich ein dichtes Gedränge ab. Alle wollen in den Markt: Mobilfunk-Anbieter, etablierte Kreditkarten-Spezialisten wie Visa und Mastercard, Online-Bezahldienste wie PayPal. In Südkorea etwa sehe man, wo ein solcher Wettbewerb hinführen kann, sagt Jan Chipchase, der für die Beratungsfirma frog design weltweit auf Trendsuche ist. "Da hat man an der Supermarktkasse zum Teil fünf Lesegeräte verschiedener Anbieter, die alle um Kunden buhlen." So sei das eben, wenn die schönen Visionen der Industrie auf das echte Leben treffen: "Die Realität ist nicht so aufgeräumt und freundlich wie ein Apple Store."

Auch Jan Volzke vom Sicherheitssoftware-Unternehmen McAfee hat Bedenken. Wenn Firmen bei NFC-Anwendungen sparen sollten, könnten Sicherheitslücken entstehen, sagt er. "Wir werden dann sehen, woran wurde gedacht, und was wurde vergessen." In Barcelona habe er Anwendungen gesehen, bei denen der Kunde an der Kasse eine PIN-Nummer in sein Handy eintippen musste - möglicherweise vor den Augen dutzender Menschen. "Und dass, wo wir den Leuten jahrelang eingeredet haben, am Geldautomaten unbedingt die Tastatur zu verdecken." Es bleibt also noch immer viel zu tun.